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Weltgoldmarkt im ersten Quartal 2020

09.05.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Bereits am 30. April 2020 hat das World Gold Council die neuesten Daten für den weltweiten Goldmarkt veröffentlicht. Die Goldnachfrage stieg um 1.083,8 Tonnen (+ 1% J/J).

Einen besonders starken Zufluss verzeichneten die Gold-ETFs: Er betrug 298 Tonnen und ließ die Goldbestände bei den ETFs auf 3.185 Tonnen ansteigen. Die Nachfrage nach Goldbarren und -münzen fiel auf 241,6 Tonnen (-6% J/J). Dabei ging die Barrennachfrage auf 150,4 Tonnen (-19% J/J) zurück, während die Münznachfrage um 76,9 Tonnen (+36% J/J) anstieg. Die Goldschmucknachfrage brach hingegen stark ein: Sie fiel auf 325,8 Tonnen (-39% J/J) zurück. (Indien: -41% J/J, China: -65% J/J; die Coronakrise, aber auch der stark gestiegene Goldpreis dürften hier Bremsspuren hinterlassen haben.)

Die Goldnachfrage für industrielle Zwecke fiel auf 73,4 Tonnen (-8% J/J) - Elektronik: -7% J/J, Zahngold: -9% J/J, andere Industrien: -13% J/J. Die Zentralbanken fragten weiterhin eine sehr große Menge Gold nach. Mit 145 Tonnen lag sie allerdings um 8% niedriger als im Vorjahresquartal. (Die russische Zentralbank hatte bereits im April 2020 angekündigt, ihr langfristiges Goldkaufprogramm zu beenden.) Das Goldangebot fiel auf 1.066,2 Tonnen (-4% J/J). Die Minenproduktion ging um 3% J/J zurück und erreichte 795,8 Tonnen, das Recycle-Goldangebot fiel auf 280,2 Tonnen, ein Rückgang um 4% J/J.

Interpretation: Die Coronavirus-Krise (nicht zuletzt wegen der damit verbundenen Produktions- und Logistikprobleme) scheint sich in Indien und China besonders negativ auf die physische Goldnachfrage ausgewirkt zu haben. Gleichzeitig hat sich gezeigt, dass der Trend, Gold mittels Gold-ETFs zu erwerben, sich auch in der Krise weiter im Aufwind befindet, und dass das Gold bei privaten und institutionellen Anleger ganz offensichtlich an Attraktivität gewinnt - als Inflationsschutz beziehungsweise Portfolioversicherung.

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*For a listing of the Exchange Traded Funds and similar products, please see the Notes and definitions download: https://www.gold.org/goldhub/data/gold-supply-and-demand-statistics.
Source: Metals Focus, Refinitiv GFMS, ICE Benchmark Administration, World Gold Council



Rekordzuflüsse in die Gold-ETFs

Im Monat März 2020 verzeichneten die weltweiten Gold-ETFs (und ähnliche Produkte [*]) einen Zufluss von 151 Tonnen, umgerechnet 8,1 Mrd. USD (+5% gegenüber Vormonat) - und damit erreichten die Gold-ETF-Bestände einen Rekordwert von 3.185 Tonnen. In Europa stieg der Zufluss in die Gold-ETFs um 84 Tonnen (+5,8% der "Assets under Management" (AuM)), in Nordamerika um 57 Tonnen (+3,9%), in Asien um 4,9 Tonnen (6,4%) und in anderen Regionen um 4,7 Tonnen (+9,4%).

Im ersten Quartal 2020 verzeichneten die Gold-ETFs einen Bestandsanstieg von 298 Tonnen - das war der größte Mengenanstieg in einem Quartal seit 2016, und es war der größte Betragsanstieg gerechnet in US-Dollar. Die stark steigende Nachfrage nach Gold-ETFs könnte ein wichtiger Faktor (gewesen) sein, der die jüngsten Verwerfungen am "Papiergeldmarkt" erklärt. Hier hat sich nämlich der Buch- beziehungsweise Papiergeldpreis auffällig stark vom physischen Preis des Goldes abgekoppelt.

Angesichts des krisenbedingten verknappten physischen Goldangebots sichern die Gold-ETF-Anbieter ihre Eindeckungsrisiken mit Future-Positionen. Das hat nicht nur den Preisaufschlag der Future-Preise gegenüber dem Gold-Spotpreis in die Höhe getrieben. Es hat auch zeitweise dazu geführt, dass die Future-Preise für Lieferungen in der nahen Zukunft die Future-Preise für Lieferung in der fernen Zukunft überstiegen haben - der Markt also eine "Backwardation" gezeigt hat.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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