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"Normal" könnte nicht das bedeuten, was wir uns wünschen

26.05.2020  |  John Mauldin
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Ich habe Neil gefragt, ob die vierte Kehrtwende dieses Zyklus einen Krieg beinhalten wird, wie es üblich ist. Es sei möglich, so meinte er, dass unsere aktuellen Probleme auf eine "kinetische" Weise gelöst werden, doch nicht unausweichlich. Dann ging er zu einem Punkt über, den ich gerne hörte: Vierte Kehrtwenden sind nicht nur Schwarzmalerei. Sie kurbeln großartige Gedankengänge und kreative Problemlösungen an. Das passt zu Ian Bremmers Gedanken eines "Lichtblicks."

Ich habe Neil darüber ausgefragt, ob eine größere und aufdringlichere Regierung aus dieser Zeitspanne entstammen wird. Er glaubt absolut daran, doch hauptsächlich durch halbvertragliche Ausgabenverpflichtungen wie Sozialversicherungen - ein Kind der letzten, vierten Kehrtwende. Diese Zeitspanne könnte mehr derartige Programme hervorbringen.

• Karen Harris von Bain & Co. spezialisiert sich auf die Dekodierung von gigantischen, weltweiten Trends. Sie führt Bains Macro Trend Group und einen wichtigen Teil der Geschäftsberatungsstelle an. Sie glaubt, dass der Coronavirus mehrere Wandel beschleunigen wird, die bereits begonnen hatten und ein Labor zur Eliminierung von menschlicher Arbeitskraft bietet.

Die existierende Angst vor menschlichem Kontakt zwingt uns alle dazu, außermenschliche Oberflächen auf eine Art und Weise zu akzeptieren, mit der wir zuvor nicht einverstanden waren. Karen hebt hervor, dass wir bereits dabei sind, von Arbeitskraft mit variablen Kosten (Gehalt) auf größtenteils festgelegte Kosten von Maschinen überzugehen. Die Krise wird dies beschleunigen, was natürlich enorme Auswirkungen haben wird. Kombinieren wir dies mit geopolitischen Faktoren, so deutet dies auf eine Verlagerung der Produktion näher zu Endmärkten hin. Arbeitskosten werden ihre Wichtigkeit bei der Definition von Wettbewerbsfähigkeit verlieren.

Doch im späteren Verlauf der Konferenz erklärte Karen auch, dass eine Steigerung der Widerstandsfähigkeit von Lieferketten ebenfalls Arbeitsplätze schaffen würde. Es wird eine lange Zeit dauern, bis Roboter wirklich alles tun können. Karen sprach außerdem viel über Städte. Die heutigen urbanen Gegenden stellen tatsächlich eine alte Technologie dar, die für die industrielle Revolution entwickelt wurde. Produzenten brauchen eine große Zahl an Arbeitern in unmittelbarer Nähe zu Fabriken. Das ist nicht länger der Fall, wenn automatisiert wird, also sind Städte weniger wichtig. Zusätzlich dazu veranlasst die Pandemie wohlhabende Menschen aus den Städten zu fliehen. Das wird sich auf die Immobilienbranche auswirken.

• Nach Karens Solo-Präsentation hatte sie eine faszinierende Unterhaltung mit Tom Miller, der ein Schwellenmarktexperte bei Gavekal ist. Tom lebte mehrere Jahre in China, ist jedoch nun zurück in den USA.

Tom meint, dass der Coronavirus den Einfluss, den China in der entwickelnden Welt aufzubauen versuchte, ernsthaft untergraben, jedoch nicht zerstört hat. Die USA haben essentiell Afrika aufgegeben, erklärte er, also wird China dort weiterhin mehr Einfluss haben. Die USA haben weiterhin mehr "sanfte" Macht als China, vor allem durch Musik, Kultur und Unterhaltung, doch das verändert sich. Er sieht Möglichkeiten in Vietnam, Indien und Mexiko, während sich die Welt an die Dispute zwischen USA und China anpasst. Mexiko hat vor allem eine gute Chance, Output zu erhalten, der aus China flüchtet, jedoch nicht wettbewerbsfähig in den USA betrieben werden kann.

Tom führte einen finalen Punkt an, den ich für sehr wichtig halte. Ohne die echten Unterschiede zwischen China und dem Westen kleinzureden, glaubt er, dass wir die kritikwürdige Politik der chinesischen Regierung von der chinesischen Bevölkerung unterscheiden sollten. Wir teilen viele gemeinsame menschliche Sorgen. Da er dort lebte und die Sprache kennt, meint er, dass die Leute nicht die Regierung sind.


Zurückspulen zu China

Dr. Jonathan Ward von der Atlas Group hatte technische Schwierigkeiten und verpasste die China-Diskussion leider. Er ist klar einer der führenden Experten bezüglich China. Wir haben nun seine Videopräsentation und ein Transkript. Hier ein Auszug aus der Einführung:

Der weltweite Wettbewerb zwischen China und USA wird die 2020er Jahre definieren. Dies ist das Jahrzehnt, in dem das Machtgleichgewicht des Jahrhunderts entschieden werden wird. Um zu verstehen, wie sich die Dinge entwickeln, müssen wir zwei Dinge verstehen. Erstens: die weltweite Strategie der chinesischen Kommunistenpartei. Zweitens: das dringende Bedürfnis nach einer neuen Wirtschaftsstrategie der USA und wie diese Strategie aussehen könnte, wenn sie unser weltweites Allianzsystem in den kommenden Jahren überschattet. Die 2020er Jahre sind das entscheidende Jahrzehnt im Wettbewerb zwischen USA und China.

Die COVID-19-Pandemie könnte Amerikas "Sputnik-Moment" gegenüber China sein, ein Weckruf für die Vereinigten Staaten, um auf die Aktivitäten der Kommunistenpartei Chinas zu reagieren, die industrielle, technologische und militärische Vorteile Amerikas viele Jahre lang erodiert haben. Kurz gesagt: Der strategische Wettbewerb zwischen China und USA hat gerade erst begonnen, wird anhalten und wird der entscheidende Wettbewerb unseres Lebens sein.

Um diesen Wettbewerb mit China zu gewinnen, gibt es drei Dinge, die Amerika tun muss. Erstens: die nächsten zehn Billionen in US-BIP aufbauen. Zweitens: Ein Allianz-basiertes Handelssystem einführen. Drittens: Sich auf die wirtschaftliche und technologische Eindämmung Chinas vorbereiten.




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