Suche
 

Gold - Geduld ist eine Tugend

28.05.2020  |  Florian Grummes
1. Rückblick

Unsere beiden letzten Gold-Analysen vom 16. März sowie vom 20. April waren rückblickend teilweise etwas zu pessimistisch. Zwar kam es bis zum 20. März zunächst tatsächlich zu einem brutalen Ausverkauf und Tiefstkursen um 1.450 USD, die weltweit noch nie gesehenen Geldmengenausweitungen durch fast alle Zentralbanken sorgten dann aber schnell für eine Erholung der Goldpreise bis auf 1.747 USD. Seit diesem Hochpunkt vom 14. April sind die Goldnotierungen letztlich volatil zwischen 1.660 USD und 1.765 USD seitwärts gelaufen. Es kam also nicht zu den befürchteten tiefen Kursrücksetzern.

Davon gelaufen ist der Goldpreis aber auch nicht. Vielmehr muss man zur Kenntnis nehmen, dass der Goldpreis trotz Corona-Crash und Liquiditätsflutungen seit dem ersten Zwischenhoch bei 1.689 USD am 24. Februar zwischenzeitlich keine großen Fortschritte mehr erzielen konnte. Aktuell kostet die Feinunze um 1.710 USD nur knapp 20 USD mehr.

In Euro sieht die Rechnung etwas besser aus. Hier erreichten die Preise erst in der vergangenen Handelswoche mit 1.632 EUR ein neues Sieben-Jahres-Hoch und befanden sich auch in den letzten Wochen in einem flacher werdenden Aufwärtstrend.

Alles in allem tritt der Goldpreis also seit acht Wochen auf der Stelle.


2. Chartanalyse Gold in US-Dollar

Open in new window
Quelle: Tradingview


Auf dem Wochenchart streben die Goldbullen weiterhin danach, den im August 2018 begonnene Aufwärtstrendkanal endlich hinter sich zulassen. Bislang ist ihnen dieses Unterfangen noch nicht nachhaltig gelungen. Sollten den Bullen jetzt die Kräfte ausgehen oder sie eine Verschnaufpause benötigen, wäre ein schneller Rutsch zurück in die Mitte des Trendkanals sehr wahrscheinlich. Trotz der wochenlangen Konsolidierung auf hohem Niveau ist von einer Erschöpfung zwar noch nichts zu sehen. Von einem "schwindendem bullischen Momentum" kann man aber schon sprechen.

Auffällig ist, dass sich der Goldpreis bereits seit Jahresanfang primär in der Zone zwischen dem 61,8% Fibonacci Retracements (1.586 USD) und dem 78,6% Fibonacci Retracements (1.733 USD) bewegt. Diese Fibonacci Retracements beziehen sich auf die große Korrektur am Goldmarkt, als die Preise zwischen 2011 und 2015 von 1.920 bis auf 1.045 USD fielen. Seit dem finalen Tief im Dezember 2015 haben die Bullen nun also 61,8% bzw. 78,6% der verlorenen Strecke wieder aufgeholt. Damit stellt diese Zone zwischen 1.586 und 1.733 USD sozusagen den letzten Rückzugsort für die Bären dar.

Kann dieses Bollwerk nachhaltig überwunden werden, wäre der Weg bis zum Allzeithoch bei 1.920 USD und Notierungen oberhalb von 2.000 USD frei. Allein aus dieser Perspektive überrascht das konfuse Hin- und Her der letzten Wochen daher nicht. Gleichzeitig haben die Bären offensichtlich (noch) nicht genug Kraft, um den Bullen hier Raumgewinne abzutrotzen.

Ungünstig präsentiert sich allerdings der Stochastik Oszillator. Beide Linien laufen zwar noch bullisch festgezurrt oberhalb von 80, aber sobald das Momentum auch nur ansatzweise dreht, liefert die stark überkaufte Lage sofort ein Verkaufssignal auf dem Wochenchart. Damit würde eine mehrwöchige korrektive Phase extrem wahrscheinlich.

Insgesamt tritt der Goldpreis seit Wochen auf der Stelle und scheint sich auf hohem Niveau etwas festzulaufen. Eine Trendwende liegt aber bislang nicht vor. Im Idealfall löst sich das zerfahrene Bild mit einem gesunden, aber insgesamt überschaubaren Rücksetzer in den Sommermonaten auf.

Open in new window
Quelle: Tradingview



Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2020.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"