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EU-Kommission ambitioniert - UK will "europäische Rosinen"!

28.05.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1010 (06:45 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,0932 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107,82. In der Folge notiert EUR-JPY bei 118,72. EUR-CHF oszilliert bei 1,0665.


EU-Kommission mit ambitionierter Agenda

Für die Jahre 2021 - 2027 schlägt die Kommission ein jährliches Haushaltsvolumen von 1,1 Billionen Euro vor. Der Corona-Wiederaufbaufonds soll sich auf 750 Mrd. Euro stellen. Davon sind 500 Mrd. Euro als Zuschuss geplant und 250 Mrd. Euro als Kredite. Es sollen nicht nur die Folgen der Pandemie nivelliert werden, sondern auch Impulse für Klimaschutz und Digitalisierung (IT-Airbus!) gesetzt werden.

Der Plan ist hinsichtlich der Historie der EU ambitioniert, hinsichtlich der Situation ist dieser Plan angemessen. Es ist ein Plan, der nicht spezifischen Interessen zu Gute kommt, sondern der übergreifend Wirkung erzielen soll. Damit adressiert er die Lebensumstände der Menschen. Das hat voraussichtlich eine positive Wirkung auf die innere und äußere Wahrnehmung der EU.

Teil des EU-Vorschlags ist zusätzlich ein Finanzierungsinstrument, das Unternehmen vor Übernahmen aus dem Ausland schützen soll. Strategisch wichtige Konzerne sollen geschützt werden. Das Vehikel soll im laufenden Jahr etabliert werden (Budget 31 Mrd. Euro). Es könnte mit privaten Investoren noch höhere Summen mobilisiert werden.

In der Tat, ein Ausverkauf tragender Strukturen wäre irrsinnig. Das gilt auch, weil die USA längst eine derartige Politik im Rahmen der Begrifflichkeiten "nationales Interesse" und "nationale Sicherheit" implementiert haben. In China ist ausreichende Augenhöhe noch nicht gewährleistet. Dieser Schachzug ist smart!

Kommissions-Präsidentin von der Leyen sagte gestern im EU-Parlament: "Unsere Bereitschaft zum Handeln muss mit den Herausforderungen Schritt halten, mit denen wir alle konfrontiert sind." In der Tat, neue Determinanten der Realität erfordern neue Wege in der Politik.

Weil diese Politik kostenintensiv ist, forderte von der Leyen neue Einnahmequellen für die EU. Möglichkeiten wären der Ausbau von Emissionshandelssystemen, eine Digitalsteuer oder eine CO2-Grenzsteuer. Der Weg eines größeren Budgets der EU ist aus unserer Sichtweise geboten. Europa brauchte innere und äußere Handlungsfähigkeit. Das gilt auch vor dem Hintergrund der aggressiven Anfechtungen durch die USA (explizite und implizite Eingriffe in europäische Innenpolitik).

Die EU hatte zuvor bereits Kredithilfen im Umfang von 540 Mrd. Euro beschlossen. Zusammen mobilisiert Europa damit 2,4 Billionen Euro gegen die Krise.

Dieser Ansatz der EU muss im Kontext der global verfügten Maßnahmen in den USA und in Asien verstanden werden. Allein um Standortnachteile Europas zu verhindern, ist dieses Programm angemessen. Entscheidend ist die Fokussierung auf einen investiven Charakter. Konsumtive Extravaganzen sind nicht opportun!

Fazit: Der gestrige Aufschlag der Kommission ist vielversprechend. Es wird daran gefeilt werden. Kompromisse werden generiert werden. Die Richtung stimmt! Zuversicht ist gewährleistet.


UK will einen Korb voller Rosinen von der EU

In den Brexit-Verhandlungen fordert das UK Entgegenkommen von der EU. Das aktuelle Verhandlungsmandat der EU, das durch die Regierungen der 27 Mitgliedsländer definiert wurde, sei in entscheidenden Bereichen kein Mandat, das absehbar zu einer Einigung führen würde, schallt es uns aus London entgegen.

Das überschaubar große UK will also von den 27 Mitgliedsländern der EU einen Korb voller Rosinen ohne Gegenleistung, ohne daran zu denken, selbst die Verhandlungsposition anzupassen. Das ist grotesk!

Anders ausgedrückt sollen 27 Länder, die ihre Position klar, deutlich und demokratisch legitimiert und formuliert haben, sich Londons Interessen unterordnen.

Der britische Verhandlungsführer David Frost sagte an die Adresse des EU-Chefunterhändler Michel Barnier: "Es ist die Aufgabe eines guten Unterhändlers, - und er ist einer - die Realität zu beurteilen, die echten Positionen der Gegenseite und den Verhandlungsspielraum. Wenn man nicht realistisch ist, gibt es keine Einigung."

Wir sagen an die Adresse des britischen Chefunterhändlers: "Es ist die Aufgabe eines guten Unterhändlers, die Realität zu beurteilen, die echten Positionen der Gegenseite und den Verhandlungsspielraum. Wenn man nicht realistisch ist, gibt es keine Einigung. Man sollte seine Position nicht überschätzen!"

Zugleich bekräftigte Frost, dass die bis Ende Dezember laufende Übergangsfrist nach dem Brexit nicht verlängert werde. Das ist auch gut so, denn das tragödienhafte Drama, das uns aus London geliefert wurde, hat Europa genügend beschäftigt und vor allen Dingen gekostet! Ciao!


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

USA: Regionale Indices erholt

Der Richmond Fed Composite Index nahm per Berichtsmonat Mai von zuvor -53 (historischer Tiefpunkt) auf -27 Zähler zu. Der Dienstleistungsindex aus Texas stieg per Mai von zuvor -83,9 (historischer Tiefpunkt) auf -41,7 Punkte.


Schweiz: Schweizer Finanzinvestoren sehr zuversichtlich!

Der ZEW-Index, der die Gemütslage der Finanzinvestoren der Schweiz abbildet, legte per Mai von zuvor 12,7 auf 31,3 Punkte zu und markierte den höchsten Wert seit Januar 2018.


Eurozone: Nationale Einkaufsmanagerindices erholt

Der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe Österreichs stieg per Berichtsmonat Mai von zuvor 31,6 auf 40,4 Punkte. In den Niederlanden nahm der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe per Mai von zuvor -28,7 auf -25,1 Zähler zu.


Südkorea: Zentralbank senkt Leitzins auf historisches Tief

Die Zentralbank Südkoreas senkte heute den Leitzins von zuvor 0,75% auf 0,50%. Damit wurde ein neuer historischer Tiefststand markiert (Krise 2009 2,00%).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0620 - 50 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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