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Gelddruckerei kann keine Depression übertrumpfen

31.05.2020  |  Michael Pento
Die Atlanta-Fed schätzt das Wirtschaftswachstum der USA für Q2 nun auf -41,9%. Etwa 39 Millionen Menschen meldeten sich in den letzten neun Wochen arbeitslos. Die Arbeitslosenmeldungen stiegen auf mehr als 31 Millionen Fälle. Der Neubau von Häusern fiel in den USA im April um 30,2%. Das fiskalpolitische Defizit lag im April (was immer ein Überschussmonat war) bei negativen 738 Milliarden Dollar!

Ja, leider befinden wir uns in einer Depression. Doch diese Tatsache wird überhaupt nicht am Aktienmarkt widergespiegelt. Die gesamte Marktkapitalisierung der Aktien liegt nun wieder bei 140% des BIPs. Dieses Niveau befindet sich an der oberen Grenze des Verhältnisses und ist präzedenzlosen Handlungen der Zentralbanken zuzuschreiben. Doch selbst dieses spektakuläre Niveau untertreibt ungemein, da das Verhältnis mithilfe eines Nenners kalkuliert wird, der auf zuvor berichteten Daten des BIPs beruht, das seitdem eingebrochen ist.

Doch wichtig ist, dass Gelddruckerei seine Grenzen hat, selbst wenn Regierungen Aktien erwerben. Betrachten Sie den Chart, der den S&P 500 mit den japanischen Aktien (EWJ) und die chinesischen Aktien (CNYA) vergleicht:

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Wie Sie sehen können, ist der S&P 500 in den letzten fünf Jahren um 34% gestiegen, auch wenn die Fed noch nicht begonnen hat, Aktien zu kaufen. Bisher hat sie jedoch alles andere gekauft, einschließlich Schrottanleihen. Im Gegensatz dazu haben die People's Bank of China (PBOC) und die Bank of Japan (BOJ) alles erworben, auch Aktien. Im Falle von Japan kauft dessen Zentralbank seit 2013 Aktien und die kommunistische Führung/Diktatur, die China kontrolliert, hat der PBOC seit mindestens 2015 befohlen, den Markt zu unterstützen.

Und dennoch sind Chinas Aktien um nur armselige 13% gestiegen, während die japanischen Aktien in den letzten fünf Jahren tatsächlich keinen Fortschritt gemacht haben. Währenddessen sind die Indices beider Länder noch immer 50% von ihren Rekordhochs entfernt.

Die Wahrheit ist, dass Aktienkäufe der Zentralbanken nicht garantieren, dass es einen goldenen Bullenmarkt geben wird, doch sie können Aktien unterstützen, selbst wenn die Wirtschaft zombifiziert wurde. Tatsächlich bricht Powell in seinem Versuch, den Markt zu reflationieren, Rekorde.

Die Bilanz der Federal Reserve, die ein Stellvertreter für das Ausmaß der Schuldenmonetisierung ist, die von der Zentralbank durchgeführt wurde, stieg (von September 2019 bis heute) um 3,2 Billionen Dollar - das ist ein Zeitraum von nur acht Monaten. Das steht im Vergleich zu einer Erhöhung um 3,7 Billionen Dollar der Fed-Druckerei zu Beginn der Weltwirtschaftskrise (im Dezember 2007) und bis 2008 - was insgesamt mehr als 10 Monate waren.

Nichtsdestotrotz ist das Täuschungsmanöver der Zentralbanken nun Geschichte, da sie nicht länger vortäuschen können, dass es einen Pfad zurück zur Normalität gibt. Vielleicht ist es das, was der Goldmarkt in den letzten 20 Jahren versucht hat, aufzudecken. Das Edelmetall ist seit 2000 um über 500% gestiegen, während sich der S&P 500 innerhalb der letzten zwei Jahrzehnte nur verdoppelt hat. Die Tatsache, dass Gold den S&P übertroffen hat, zeigt, dass das Vertrauen in die Fiatwährungen abnimmt, und der Wuhan-Virus beschleunigt diesen Vorgang.

Die aktuelle Illusion des Aktienmarktreichtums führt zu drei Aussagen. Erstens: Es wird eine robuste Eröffnung der Wirtschaft geben, nachdem das Virus im Kontext von sofortiger Behandlung und Impfstoffen verschwindet. Zweitens: Die Inflation liegt weit in der Zukunft, was es der Fed erlauben wird, das Niveau der langfristigen Zinsen deutlich einfacher zu kontrollieren.

Und drittens: Die Zentralbanken werden keinerlei Interesse daran haben, den geldpolitischen Strick allzu bald zu lockern. Aussage Nr. 2 und Nr. 3 liegen tatsächlich weit in der Zukunft. Doch ob es zu einer erfolgreichen Eröffnung der Wirtschaft kommen wird oder nicht, hängt vollkommen davon ab, ob wir Fortschritte in der Bekämpfung des Virus machen; und dieses Fazit wird sich in naher Zukunft zeigen.

Das wirft die Frage auf: Wie entwickeln sich die Märkte von hier aus, selbst wenn die erwartete Wirtschaftskrise aufgetreten ist? Wir sollten alle verstehen, dass eine existenzfähige Wirtschaft nicht durch Kaufkraftverwässerung einer Währung und Verfälschung von Assetpreisen erzeugt werden kann. Doch was wird mit den Aktien geschehen, während wir darauf warten, dass die Stagflation hartnäckig ihren Lauf nimmt? Um diese Frage zu beantworten, müssen wir die Anzahl neuer Virusinfektionen und Todeszahlen beobachten.

Man hofft, dass es bis Herbst eine realisierbare Behandlung und/oder Impfstoff geben wird. Moderna Pharmaceutical gab am 18. Mai positive Kommentare über die Entdeckung eines effektiven und sicheren Impfstoffes bekannt, was den Dow um 900 Punkte steigen ließ.

Doch es ist sehr verstörend, dass Moderna nur teilweise Ergebnisse eines Zwischenversuchs der Phase 1 ohne spezifische Daten bezüglich Antikörper herausgab und dann, am folgenden Tag, praktischerweise Aktien über 1,34 Milliarden Dollar anbot. Wenn das Vertrauen des Unternehmens in einen Impfstoff stark war, warum wartete man dann nicht noch einige Wochen, um die vollständigen Daten herauszugeben und ein sekundäres Angebot zu höherem Preis zu machen?

Man sollte zudem beachten, dass der Wuhan-Virus ein Coronavirus ist. Die gemeine Erkältung ist ebenso eine Art Coronavirus, ebenso wie SARS und MERS. Diese unterscheiden sich vom Influenzavirus. Außerdem gab es bisher für keine Art Coronavirus einen zugelassenen Impfstoff... noch nie. Zusätzlich dazu brauchen Impfstoffe üblicherweise Jahre der Entwicklung, um sowohl Sicherheit als auch Effizienz zu gewährleisten.

Nichtsdestotrotz möchte Präsident Trump in nur wenigen Monaten einen Impfstoff zur Verteilung bereit haben. Die "Operation Warp Speed" des Präsident ist darauf aus, bis November 100 Millionen Impfstoffdosen bereitzustellen. Doch ein Impfstoff muss nicht nur sicher für die Bevölkerung sein, sondern darf zudem kein falsches Gefühl von Sicherheit vermitteln. Trotz dessen hat Moderna erstaunlicherweise seinen mRNA-1273-Imfpstoff innerhalb nur zwei Monate nach dem ersten Ausbruch des neuen Virus erschaffen.

Die Wirtschaft befindet sich nun in der Wiedereröffnungsphase und es ist wichtig, die Kapazitäten innerhalb des Freizeit- und Tourismussektors zu analysieren, um festzustellen, wie Verbraucher darauf reagieren, aus der Quarantäne gelassen zu werden. Beispielsweise liegt der Breakeven der Fluglinien bei 75% Kapazität, fliegen jedoch derzeit bei etwa 28%; wobei Buchungen um 95% zurückgegangen sind.

Laut dem WSJ dauerte es nach den Terroristenanschlägen von 9/11 etwa drei Jahre, bevor sich die Fluglinienkapazität erholte; acht Jahre, bevor die Durchschnittspreise auf die im Jahr 2000 zurückgingen, und sechs Jahre, bevor die Fluglinien wieder profitabel waren. Wenn wir einen Blick auf die Hotels werfen, so ging die Gebäudenutzung auf der Insel Oahu in der Woche vom 6. April um 90% zurück. In der Gastronomiebranche sollten Restaurants laut Regulierungsbehörden zu 25% bis 50% Kapazität geöffnet werden; doch für ihren Breakeven brauchen sie eine Kapazität von etwa 80%.


© Michael Pento
www.pentoport.com



Der Artikel wurde am 26. Mai 2020 auf www.pentoport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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