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Lufthansa: Hat die Politik das 1x1 schon wieder verlernt?

01.06.2020  |  Redaktion
Vor mehr als einem Jahrzehnt, zu Zeiten der Finanzkrise (2008/9), war der deutsche Staat bei der als systemkritisch geltenden Commerzbank eingestiegen. Ihre Überlegungen damals: die Anteile wieder zu verkaufen, wenn sich der Börsenkurs erholt hat. Obwohl der DAX zwischenzeitlich von 3.655 auf 13.796 anstieg (vervierfacht), ging der Plan der Regierung bis dato nicht auf. Das Aktienpaket ist heute deutlich weniger wert als zum Zeitpunkt des Einstiegs.

Ihr Hoch hatte die Commerzbank-Aktie vor der Finanzkrise (2007) bei 224 €. Ein Jahr nach der Finanzkrise im Herbst 2009 lag das Zwischenhoch bei rund 54 €. Am Freitag schloss die Bankaktie bei 3,52 €.

Der Absturz der Lufthansa ist vorerst abgewendet - so die Schlagzeilen. Mit Finanzstaatssekretär Jörg Kukies saß ein Ex-Deutschlandchef von Goldman Sachs für die Regierung mit am Verhandlungstisch. Lufthansa, die Bundesregierung und die EU-Kommission haben sich an diesem Wochenende auf die staatliche Rettung der Airline geeinigt.

Der Rettungsplan für die Lufthansa sieht vor, dass der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) im Zuge einer Kapitalerhöhung Aktien zeichnet, um eine Beteiligung von 20% am Grundkapital der Fluggesellschaft aufzubauen. Zudem sind stille Einlagen von insgesamt bis zu 5,7 Milliarden Euro sowie ein Kredit in Höhe von bis zu 3 Milliarden Euro geplant.

Die Zahlen im Überblick:
  • Börsenwert der Lufthansa, am Freitag (29.5.2020): 4,37 Mrd. €
  • zugesagte Hilfen der Bundesregierung: ca. 9,0 Mrd. € (!)
  • zusätzlicher Erwerb eines 20%ige Aktienanteils
  • Mitspracherecht: nur zum Teil
  • Wegfall von 24 Start-Lande-Rechte an europäische Lufthansa-Konkurrenten*

*) Wer auch immer das sein soll bzw. welche Airline steht besser da als die Lufthansa? Im Jahr 2019 haben weltweit 23 Airlines den Betrieb eingestellt. In 2020 haben u.a. Insolvenz angemeldet: Thomas Cook Aviation, Luftfahrtgesellschaft Walter (LGW), die britische Airline Flybe, die schwedische Regional-Airline Braathens, vierTochtergesellschaften der Norwegian Air, ferner die Airline Virgin Australia (zweitgrößte Airline in Australiens), die Air Mauritius und die staatliche Thai Airways International. Noch nicht offiziell Pleite, aber bereits alle Mitarbeiter entlassen, die South African Airways.


Die Angestelltenzahl der Lufthansa erreichte im Jahr 2019 mit knapp 138.000 ihren vorläufigen Rekord. Pro Angestellte sind das 65.217 Euro an Hilfen.

Im Vergleich zum "normalern“ Unternehmer der bei bis zu fünf Angestellten auf max. 9.000 € Hilfen kommen kann, entspräche dies 1.800 € pro Angestellten. Bei einem Mittelständler mit bis zu 50 Beschäftigten (max. 30.000 Euro) sind es nur noch 600 €.

9 Mrd. Euro an Steuergeld für das kleinste DAX-Unternehmen mit 4 Mrd. € Marktkapitalisierung. Wer kommt als nächstes? Vielleicht Daimler (36 Mrd. €), BWW (34 Mrd. €) oder VW (69 Mrd. €)?

Und wer wird das alles bezahlen? Nein, nicht die Regierung oder die Beamten, sondern die Kleinunternehmer und der Mittelstand (sowie deren Kindeskinder), die bereits heute den allergrößten Teil der Steuern erwirtschaften...


© Redaktion GoldSeiten.de



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