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Timing für Goldinvestment

27.06.2020  |  Michael Pento
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Anders betrachtet, bewegen sich die anhaltenden Kosten für Gold zusammen mit den Realzinsen. Demnach ist der Goldbesitz ideal, wenn die Realzinsen fallen. Das bedeutet, dass die Kosten für den Goldbesitz negativ werden, während die verlorene Gelegenheit des Bargeldbesitzes fast gegen null geht.

Wie ergeht es dem Goldsektor also weiterhin? Nun, wir können ziemlich sicher sein, dass die Fed das kurzfristige Ende der Renditekurve für die absehbare Zukunft nahe null halten wird. Doch die wichtige Frage bleibt, in welchem Ausmaß Powell es den langfristigeren Staatsanleiherenditen erlauben wird, zu steigen. Unsere Zentralbank schloss sich Mitte März, als die Rendite der 10-Jahresstaatsanleihe von 0,31% am 9. März auf 1,26% am 18. März schoss, erneut der EZB und der BOJ darin an, die Rendite einzudämmen. Derartige Volatilität bei den Staatsanleiherenditen ist tatsächlich keine Standardabweichung und jagte der Fed schreckliche Angst ein.

Seitdem hat Powell über die vergangenen zehn Wochen den Erwerb von Anleihen im Wert von 1,5 Billionen Dollar autorisiert. Doch da sich die Renditen seitdem Mitte der einstelligen Werte eingependelt haben, hat die Fed ihre Käufe von 75 Milliarden Dollar am Tag auf nur 4,5 Milliarden Dollar reduziert. Bisher ist es für den Anleihemarkt in Ordnung, dass die Fed im Kontext eines jährlichen Defizits von 4 Billionen Dollar handelt.

Vielleicht ist der Grund dafür die Tatsache, dass die erwartete Depression nun eingetroffen ist. Beispielsweise brach das US-amerikanische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 1930 um 8,5% ein. Volkswirtschaftler schätzen nun, dass das BIP 2020 um 6% einbrechen wird, nachdem in Q2 eine starke Erholung stattgefunden hat, wobei laut der Atlanta Fed eine Output-Katastrophe von mehr als 52,8% erwartet wird. Diese Art von Daten helfen dabei, die Renditen zu unterdrücken, während die Fed den Markt verlässt. Deshalb befinden sich Renditen noch immer nahe Rekordtiefs.

Im Kontrast zu der Depression, die ich Anfang des Jahres prognostizierte, erwarte ich nun, dass Ende Juni und Juli einige der besten bisher veröffentlichten Wirtschaftsdaten gemeldet werden. Natürlich wird dies nur bedeuten, dass wir uns von einer tiefgreifenden Depression zu einer ernsthaft schlechten Rezession bewegen. Nichtsdestotrotz wird die Änderungsrate der Daten tiefgreifend sein. Beispielsweise werden die bestehenden Arbeitslosenmeldungen, die von 2 Millionen im März auf 25 Millionen im Mai stiegen, während des Sommers jede Woche um mehrere Millionen zurückgehen.

Das sollte die Arbeitslosenrate, die derzeit über 20% liegt, Ende des Jahres in den 10%-Bereich bringen. Doch es ist wiederum die Änderungsrate bei den Daten, die am wichtigsten ist. Wird Powell die Rendite der 10-Jahresstaatsanleihe bei 1% oder vielleicht 2% deckeln? Oder wird er die Realzinsen einfach steigen lassen, bis Gold und Aktienmarkt wieder unter dem Gewicht der wachsenden Kreditkosten eines übermäßig gehebelten Unternehmenssektor auseinanderbrechen?

Es ist wichtig, die Richtung der Realzinsen - und demnach die Richtung des Goldes - zu bestimmen, weil es ein Portfolio-Dilemma werden kann, auf der falschen Seite des Handels zu landen. Beispielsweise fiel der Goldpreis von 1980 bis 2000 von 800 Dollar auf 250 Dollar je Unze und die Verbraucherpreisinflation fiel schneller als die Nominalzinsen.

Ähnlich kann Ihnen das den Fall von 1.900 Dollar auf 1.050 Dollar ersparen, der von 2011 bis 2015 stattfand, als eine ähnliche Dynamik vorherrschte. Das ist zudem auch der Grund, warum Gold in Zeiten einbricht, in denen die Deflation tiefgreifend ist - Nominalzinsen stoppen tendenziell nahe 0%, doch Realzinsen können während ausgemachter Deflation noch immer steigen.

Deshalb werde ich mich in den nächsten Monaten kurzsichtig auf die "besseren" Neuigkeiten fokussieren und wie sich diese auf die Zinsen und die Inflationsrate auswirken werden. Eine sich verbessernde Wirtschaft im Kontext eines schwindenden Virus - sowie Fed-Handlungen - könnten die Nominalzinsen (temporär) schneller steigen lassen als die Inflation. Das trifft vor allem zu, wenn man die lächerlich niedrigen Staatsanleiherenditen bedenkt und die unglaubliche Angebotsmenge, die von dem aufgenommen werden muss, was vom freien Markt noch übrig ist.

Doch das ist Territorium aktiver Manager, wie ich einer bin, die versuchen, Verluste im Portfolio zu vermeiden. Natürlich ist eine Stagflation langfristig das wahrscheinlichste makroökonomische Ziel, was ein perfekter Sturm für Gold wäre. Die Inflation wird der neuen Fed-Vorliebe von Helikopter-Geld sowie deren nicht reduzierbarer Bilanz von 7 Billionen Dollar, die in den letzten Jahren um das Siebenfache zugenommen hat, entstammen. Und der Rest wird Billionen Dollar neuer, unproduktiver Schulden zuzuschreiben sein, die ausgegeben werden sowie dem Schaden, den sie in Bilanzen des öffentlichen und privaten Sektors anrichten.

Das bedeutet, dass die Fed dazu gezwungen sein wird, die gesamte Renditekurve auf unbestimmte Zeit an die Nullzinsgrenze zu binden, da sich die Wirtschaft nicht ausreichend erholen wird, um es Millionen arbeitsloser Menschen zu erlauben, wieder Arbeit zu finden. Deshalb wird Ihr Gewinn auf risikofreies Geld gleich null sein, ähnlich wie eine steigende Verbraucherpreisinflation dazu führt, dass die Realrendite zurück auf Rekordtiefs fällt.

Die Schlussfolgerung: Zu wissen, wann (und wann nicht) man übermäßig viel Gold in seinem Portfolio besitzen sollte, kann eine Möglichkeit bieten, die Gesamterträge deutlich zu steigern.


© Michael Pento
www.pentoport.com



Der Artikel wurde am 08. Juni 2020 auf www.safehaven.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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