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Gold halten zahlt sich aus. Vor allem für Langfristanleger

19.06.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Es gibt gute Gründe, Gold im Portfolio zu halten - und es vor allem auch langfristig zu halten. In der Vergangenheit hat sich das als ertragssteigernd und risikomindernd erwiesen - und diese Erfahrung ist sehr wahrscheinlich wegweisend für die kommenden Jahre.

"Ausdauer wird früher oder später belohnt - meistens aber später." - Wilhelm Busch

"Markt-Timing"

Wer am 3. Januar 2000 Gold gekauft und bis zum 11. Juni 2020 gehalten hat, der erzielte eine jahresdurchschnittliche Rendite von 9,4 Prozent. In dieser Phase hat es sich ganz offensichtlich gelohnt, die Kauf-und-Halte-Strategie ("Buy-and-Hold") angewendet, also langfristig auf Gold gesetzt zu haben. Vielfach wird Anlegern allerdings zu kurzatmigen Käufen und Verkäufen geraten. Gerade wenn es krisenhafte Ereignisse gibt, sind die Finanzmagazine und Zeitungen voll von Empfehlungen, Gold zu kaufen. Und wenn die Börsen haussieren, ist zu lesen, der Anleger trenne sich jetzt besser vom Gold und investiere in Aktien.

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Quelle: Refinitiv; Berechnungen Degussa. Periode: 3. Januar 2000 bis 11. Juni 2020. Tagesdaten.


Doch derartige "Timing"-Strategien erweisen sich für viele Anleger als unvorteilhaft. Die meisten von ihnen reagieren bei Preiseinbrüchen verspätet, das heißt, sie verkaufen erst dann, wenn die Kurse bereits im Keller sind; und sie kaufen zu spät, also erst dann, wenn die Kurse schon wieder ihre Höchststände erreicht haben. Zudem fallen bei all dem noch Transaktionskosten an, die die Rendite des eingesetzten Kapitals zusätzlich schmälern. Eine treffende Börsenweisheit lautet nicht umsonst: "Hin und Her macht Taschen leer!" Abb. 1 soll andeuten, wie schwierig es ist, in kurzer Frist die Preisbewegungen treffsicher einzuschätzen.

Man kann etwas Ordnung in die Daten bringen, indem man sie in einem Histogramm präsentiert. Abb. 2 zeigt auf der horizontalen Achse verschiedene Niveaus der Tagesveränderungen des Goldpreises, und die vertikale Achse zeigt die Anzahl der Tage, an denen das jeweilige Niveau der Goldpreisveränderung vorkam. Bei den insgesamt 5.335 Tagen gab es 2.931 Tage (also 55 Prozent aller Tage), an denen der Goldpreis gegenüber dem Vortag anstieg; an 2.404 Tagen (also an 45 Prozent aller Tage) fiel der Goldpreis. Im Durchschnitt stieg der Goldpreis um 0,039 Prozentpunkte gegenüber dem Vortrag an.

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Quelle: Refinitiv; Berechnungen Degussa. Periode: 3. Januar 2000 bis 11. Juni 2020. Tagesdaten.


Ebenfalls in Abb. 2 ist zu erkennen, dass es starke Ausreißer nach oben und unten gab. Den höchsten Preisanstieg gab es am 19. März 2009 in Höhe von 7,1 Prozent gegenüber dem Vortrag. Der größte Preisrückgang zeigt sich am 14. April 2013: Um 9,7 Prozent fiel der Goldpreis. Vor dem Hintergrund der mitunter beträchtlichen Schwankungen der täglichen Goldpreise lässt sich erahnen, wie riskant eine Markt-Timing-Strategie sein kann: Man läuft Gefahr, dass man nicht zur richtigen Zeit im Markt ist - also nicht an den relativ wenigen Tagen, an denen der Goldpreis stark ansteigt.


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