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Die weltweite US-Dollar-Short-Position

06.07.2020  |  Steve Saville
[Dieser Artikel ist ein Auszug aus einem Kommentar, der ursprünglich auf www.tsi-blog.com veröffentlicht wurde.]

Finanzmarktdiskussionen und Analysen fokussieren sich oftmals auf grundlegende Thematiken, die nicht wichtig sind, oder zumindest keine nützlichen Hinweise auf die wahrscheinliche, zukünftige Performance des jeweiligen Marktes liefern. Ein gutes Beispiel ist die sogenannte "weltweite US-Dollar-Short-Position", die regelmäßig als Unterstützung einer bullischen Prognose des US-Dollar zitiert wird.

Das Argument lautet, dass die geschätzten 12 Billionen US-Dollar Schulden außerhalb der USA eine Short-Position darstellen, die massive Nachfrage nach Dollar erschaffen und demnach unwiderstehlichen Aufwärtsdruck auf den Dollarindex (DX) ausüben wird. In diesem Argument steckt ein Funken Wahrheit, doch die "weltweite US-Dollar-Short-Position" existiert immer. Sie existiert während US-Dollar-Bullenmärkten und während Bärenmärkten, weil sie ein Nebenprodukt der Tatsache ist, dass der US-Dollar die Währung erster Wahl für die Mehrheit der internationalen Transaktionen ist.

Des Weiteren zeigt der schattierte Bereich im unteren Chart, dass die Zahl der in Dollar ausgezeichneten Schulden außerhalb der USA über die Zeit hinweg stetig steigt. Und selbst die Weltfinanzkrise von 2008 bis 2009 führte zu einer kleinen Unterbrechung des langfristigen Trends. Folglich ist die Existenz dieser Schulden kein mittel- oder langfristiger Treiber der Umtauschrate des US-Dollar.

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Der Funken Wahrheit des Arguments ist die Tatsache, dass eine deutliche Stärkegewinnung der US-Währung gegenüber Währungen anderer Länder die Kosten für die Bedienung von in Dollar ausgezeichneten Schulden in diesen Ländern erhöht. Dies verringert die Fähigkeit, zusätzliche US-Dollar zu leihen und übt Druck auf existierende Kreditnehmer aus, ihre US-Dollar-Verbindlichkeiten zu reduzieren. Effektiv führt dies zu etwas Short Covering, das den Aufwärtstrend der US-Dollar-Umtauschrate verstärkt. Das bedeutet, dass die "weltweite US-Dollar-Short-Position" zwar nicht Grund eines stärken Trends des US-Dollar ist, einen derartigen Trend jedoch verschärfen kann.

Wir erwähnten oben, dass es keinen empirischen Beweis dafür gibt, dass die "weltweite US-Dollar-Short-Position" die Trends der US-Dollar-Umtauschrate antreibt, doch das garantiert nicht, dass eine Zahl in US-Dollar ausgezeichneter Schulden außerhalb der USA nicht in Zukunft zu einem wichtigen Treiber der Umtauschrate wird. Da der Preis von Veränderungen des Angebot und der Nachfrage angetrieben wird, werden die Schulden in Zukunft nicht wichtig sein. Die 12 Billionen Dollar + die ausländischen, in Dollar ausgezeichneten Schulden repräsentieren einen Teil der existierenden Nachfrage nach Dollar. Das bedeutet, dass nachfragebedingte Auswirkungen dieser Schulden auf die US-Dollar-Umtauschrate bereits "im" Markt sind. Zeitgleich steigt das Gesamtangebot an Dollar rapide.

An diesem Punkt sollten wir den Gedanken ansprechen, dass die Fed machtlos wäre, den US-Dollar davon abzuhalten, an Wert zu gewinnen, sollte eine große "Schuldeninflation" stattfinden. Das ist Unsinn. Bis das Gesetz von Angebot und Nachfrage aufgehoben wird, wird jemand, der die unbegrenzte Fähigkeit besitzt, das Angebot eines Assets zu erhöhen, immer die Macht besitzen, den Preis dieses Assets zu reduzieren.

Die Macht der Fed, den relativen Wert des US-Dollar zu reduzieren, wurde in den letzten Monaten zur Schau gestellt. Die Finanzmarktpanik und der wirtschaftliche Zusammenbruch im März 2020 führten vorhersehbarerweise zu einer verzweifelten Jagd nach US-Dollar, was zu einem schnellen Anstieg des Dollarindex führte. Doch die Fed brauchte nur zwei Wochen, um die zunehmende Nachfrage nach Dollar mit einem neuen Dollarangebot zu überwältigen.

Das Fazit ist, dass die sogenannte weltweite US-Dollar-Short-Position kein berechtigter Grund ist, ein US-Dollar-Bulle zu sein. In Bezug auf die Performance über einen mittelfristigen (3 bis 18 Monate) Zeitraum sind es relative Aktienmarktstärke und Zinsunterschiede, die wichtig sind. Diese Treiber blieben seit mehr als einem Jahr neutral, könnten jedoch bald bearisch für den US-Dollar werden.


© Steve Saville
www.speculative-investor.com



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Dieser Artikel wurde am 30. Juni 2020 auf www.tsi-blog.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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