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Dies sind die Zeiten, die Gold erfordern

02.07.2020  |  Stefan Gleason
Nachdem nun nach einem stürmischen ersten Halbjahr das dritte Handelsquartal beginnt, hoffen Investoren auf einen verheißungsvollen Juli. Sowohl Aktien als auch Edelmetalle verzeichnen erstaunliche Entwicklungen im zweiten Quartal. Der S&P 500 beendete die Zeitspanne von April bis Juni mit einer Zunahme von fast 20%, seine beste Quartalsperformance seit 1998. Der Dow Jones Industrial verzeichnete währenddessen sein bestes Quartal seit 1987.

Es ist erwähnenswert, dass der Aktienmarkt im Jahr 1988 - und bekanntermaßen 1987 - ebenfalls unter einem starken Rückgang von 20%+ in der zweiten Hälfte des Jahres litt. In einem volatilen Handelsumfeld für Aktien veranlasst eine große Bewegung in eine Richtung tendenziell eine große Bewegung in die andere Richtung. Anfang des Jahres haben wir bereits eine deutliche Abwärtsbewegung verzeichnet - und eine nachfolgende Aufwärtsbewegung ähnlichen Ausmaßes.

Der Bullenrun sorgte dafür, dass Aktien führender Technologiegiganten, einschließlich Amazon, Apple und Microsoft, neue Rekordhochs erreichten. Kleinere, konventionelle Unternehmen, die direkter mit dem Schicksal der Realwirtschaft verknüpft sind, haben sich nicht so gut gehalten. Die Frage ist, ob der allgemeine Aktienmarkt korrigieren wird, um eine ausgehöhlte Wirtschaft widerzuspiegeln, die teilweise unter Quarantäne bleibt... oder ob die Aktien weiter als Reaktion auf künstliche fiskalpolitische und geldpolitische Stimuli steigen werden.

Bis der chinesische Virus seine Ausbreitung stoppt (und die Politiker aufhören, die wirtschaftlichen Aktivitäten als Reaktion darauf einzudämmen), werden die oben genannten Abweichungen wahrscheinlich bestehen und die Marktvolatilität hoch bleiben. Konventionelle Fundamentaldatenanalyse sollte aus dem Fenster geworfen werden.

In diesem Umfeld ist es möglich, dass die Wall Street feiert, wenn der S&P 500 ein neues Rekordhoch in der zweiten Hälfte 2020 verzeichnet, während die wirtschaftliche Misere an der Main Street zeitgleich ein neues Tief erreicht - und große US-amerikanische Städte in Chaos angesichts gewaltsamer Proteste geraten.

Dies sind merkwürdige und furchterregende Zeiten. Während Investoren zwar auf eine Rückkehr der Normalität in den nächsten Monaten hoffen können, so sollten sie sich nicht darauf verlassen. "Dies sind die Zeiten, die die Seele eines Mannes herausfordern", schrieb einst der amerikanische Revolutionär Thomas Paine. Er fügte hinzu: "Tyrannei, wie die Hölle, ist nicht einfach zu besiegen; dennoch bleibt uns der Trost, dass der Triumph umso glorreicher sein wird, je schwerer der Konflikt."

Damit Investoren während einer Zeitspanne triumphieren können, die durch eine tödliche Pandemie, wirtschaftliche Verzweiflung, verstörte Märkte, unbegrenzte quantitative Lockerung und wachsenden Abweichungen charakterisiert wird, müssen sie sich auf die nächste Hiobsbotschaft vorbereiten. Eine Krise im politischen oder Bankensystem der USA - oder im US-Dollar an sich - könnte anstehen.

Dies sind Zeiten, die Gold (und Silber) erfordern. Der Besitz einer finanziellen Absicherung war niemals wichtiger. Gold- und Silbermärkte verzeichneten im zweiten Quartal selbst erstaunliche Preiszunahmen. Gold vor allem beendete es in guter Stimmung - es schloss am Dienstag bei 1.789 Dollar, sein höchstes Niveau seit 2012. Wenn Gold seinen kürzlichen Aufwärtsbreakout fortsetzt, dann könnte es ein neues Rekordhoch in nur wenigen Tagen verzeichnen.

Gold ist im bisherigen Jahr um 18% gestiegen und übertraf den Aktienmarkt bei Weitem. Trotz der starken Rally von seinen Tiefs ist der Dow 2020 noch immer um 9% gefallen. Der Nasdaq ist im Jahr um 12% gestiegen, entwickelt sich jedoch schlechter als Gold. Ungeachtet der künstlichen Stimuli, die die Aktienindices in nominalen Dollar nach oben treiben, könnten sie in Sachen soliden Geldes (Gold und Silber) weiterhin an Wert verlieren.

Wenn die wirtschaftlichen und politischen Ängste stark sind und die Druckerei der Fed in Fahrt kommt, dann ist diese Kombination wie Raketentreibstoff für die Edelmetallmärkte. Um Thomas Paine zu zitieren: "Was wir billig erhalten, achten wir zu wenig." Eine Flut aus Noten der Federal Reserve, die ins Bankensystem, in den Staatsanleihemarkt, den Schrottanleihemarkt und direkt in die Taschen der Amerikaner durch "Stimuli"-Schecks gepumpt wurde, wertet den Wert der Währung ab und kappt die Verbindung zwischen wirtschaftlicher Produktivität (d.h. Arbeit) und Ertrag.

Es ist viel schwieriger, Gold und Silber aus dem Boden zu fördern, als die Menge an Fiatwährung zu erhöhen. Das macht hartes Geld aus Sicht von Politikern und Bankern weniger praktisch. Doch es versichert ebenso, dass Gold- und Silbermünzen - anders als Papier- und digitale Repräsentationen von Geld - immer für ihren innewohnenden Wert wertgeschätzt werden.


© Stefan Gleason
Money Metals Exchange



Der Artikel wurde am 1. Juli 2020 auf www.moneymetals.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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