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Schon wieder Hyperinflation in Simbabwe

05.07.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Zentralbank von Simbabwe erzeugt die zweite Hyperinflation in einem Jahrzehnt.

Der Simbabwe-Dollar (oder: Z$) wurde 1980 eingeführt und verlor per Dekret am 12. April 2009 seinen Geldstatus. Der Grund: Die staatliche Zentralbank von Simbabwe hatte von 2007 bis 2009 für Hyperinflation gesorgt, die die Kaufkraft des Simbabwe-Dollar völlig zerstörte. Es wurde zunächst keine neue eigene Währung eingeführt, sondern man verwendete fortan Auslandsgeld in Simbabwe: wie zum Beispiel den Südafrikanischen Rand, chinesischen Yuan, vor allem US-Dollar.

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Quelle: Refinitiv; Graphik Degussa.


Faktisch wurde im Februar 2019 eine neue Währung, der RTGS-Dollar, eingeführt und am 24. Juni 2019 offiziell zur neuen offizielle Währung erklärt. Sie sollte der Verwendung von Auslandswährungen in Simbabwe ein Ende setzen. Noch im Februar 2019 betrug die Geldmenge 104 Mrd. Z$. Bis April 2020 war sie auf 519 Mrd. Z$ angewachsen. Im Mai 2020 betrug der Anstieg der Konsumgüterpreise (glaubt man den offiziellen Zahlen) 786 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

(Im Juli 2019 hatte die Regierung aufgehört, Inflationsdaten zu publizieren: Man wollte die Bevölkerung nicht verunsichern! Erstmals werden Inflationszahlen wieder seit Februar 2020 veröffentlicht.)

Die Zentralbank von Simbabwe teilte der Öffentlichkeit mit, dass die hohe Inflation Folge der Liberalisierung des Z$-Wechselkurses und der "Konsolidierung der Staatsfinanzen" sei. Doch das kann nicht überzeugen. Wenn die Geldmenge in kurzer Zeit derart stark ansteigt, ist es nicht verwunderlich, dass es zu Hyperinflation kommt. Und es ist die Zentralbank, die dafür die Verantwortung trägt. (Zur Erklärung: Wenn die monatliche Preisinflation 30 Prozent beträgt, beträgt die Jahresinflation 2230 Prozent! Das heißt, eine Tasse Kaffee, die heute 2 Geldeinheiten kostet, kostet in einem Jahr 45,5 Geldeinheiten.)

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Quelle: Reserve Bank of Zimbabwe; Graphik Degussa.


Es ist die zweite Hyperinflation, für die die Zentralbank von Simbabwe innerhalb eines Jahrzehnts sorgt. Die kolossale Hyperinflation von 2007 bis 2009 wurde durch eine gewaltige, nicht enden wollende Geldmengenvermehrung von Seiten der Zentralbank verursacht. Bleibt zu hoffen für die Menschen in Simbabwe, dass diejenigen, die dort die Hoheit über die Notenpresse innehaben, zur Besinnung kommen und die Geldmengenvermehrung beenden!

Zurück zu Abb. 1: Gut zu erkennen ist, wie die Kurse auf dem Simbabwe-Aktienmarkt in die Höhe geschnellt sind als Folge der gewaltigen Geldmengenvermehrung. Die Anteilsscheine an Unternehmen dienen offensichtlich als Inflationsschutz, ihr Kursanstieg illustriert eindrücklich die "Flucht aus dem Geld", die typisch ist für eine Hyperinflation. Letztere ist übrigens stets eine Gefahr im ungedeckten Geldsystem, in dem der Staat beziehungsweise seine Zentralbank das Monopol der Geldproduktion. Die ungedeckten Geldarten - und dazu gehören auch US-Dollar, Euro & Co - lassen sich quasi jederzeit in jeder beliebigen Menge vermehren. Nicht nur in Zimbabwe.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Quelle: Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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