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Der nächste EZB-Streit steht bevor!

06.07.2020  |  Christian Buntrock
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1282 (06:30 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1241 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107,71. In der Folge notiert EUR-JPY bei 121,52. EUR-CHF oszilliert bei 1,06436.

Ein Blick auf die letzten Wortmeldungen der EZB-Ratspräsidenten lässt aufhorchen. So warnte Klaas Knot, Präsident der niederländischen Zentralbank und EZB-Ratsmitglied, vor einem neuen Zentralbank Put. Die Maßnahmen der EZB könnten dazu führen, dass sich zu sehr auf die Geldpolitik als Verteidigungslinie gegen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie verlassen wird. Diese Art der Wahrnehmung sei riskant, da sie zu fortschreitenden Schuldenständen und massiven Leverage führen würde.

Aus seiner Sicht müsste die EZB ihre Möglichkeiten aus den neu aufgelegten Programmen nicht mehr voll ausnutzen, da die Eurozone bereits in eine Erholungsphase übergegangen sei.

Völlig andere Töne sind aus Frankreich zu hören. Das französische EZB-Ratsmitglied Villeroy sieht die EZB bei einer grundsätzlich neuen Zentralbankpolitik, bedingt durch COVID-19. Negativzinsen, quantitative Maßnahmen und langfristige Bankkredite der EZB sind langfristig angelegt und damit die neue Normalität. Bereits Ende Mai forderte er die Auflösung des Kapitalschlüssels, der die Höhe des Anleiheaufkaufprogramms je Land festlegt, da dies die Effektivität des Programms behindere.

Eine andere Formulierung wäre die Forderung der direkten Staatsfinanzierung gewesen, aber so darf das Kind eben nicht genannt werden, will man juristische Schwierigkeiten vermeiden.

Damit könnte die nächste EZB-Sitzung auf der verbalen Ebene an Spannung gewinnen, auf der inhaltlichen steht das Ergebnis bereits fest. Die Tauben sind in der klar stärkeren Position, so dass der Markt höchstens rätseln darf, wie die keynesianische Zentralbankpolitik begründet wird. Das "Ob" steht außer Frage.

Wird diese Politik langfristig funktionieren? Kurzfristig ist das Vorgehen problemlos. Die Schuldentragfähigkeit ist bei einem Nullzins immer gegeben. Vorausgesetzt, dass sich kein Land der Eurozone signifikant in Fremdwährungen verschuldet, kann die EZB jederzeit den Staatshaushalt finanzieren oder mit effektiven Maßnahmen die Volkswirtschaft stützen, wie Villeroy es ausdrücken würde.

Nebensächlich ist dabei, dass der Markt für Unternehmensanleihen bereits aktuell Ausfallwahrscheinlichkeiten de facto ignoriert. Die Anzahl der Unternehmen, deren Erträge geringer sind als die aktuellen Zinskosten, betrug vor Corona ca. 12 %. Es sei en passant angemerkt, dass man diese Zombieunternehmen direkt von möglichen Corona-Hilfen hätte ausschließen können, um eine langfristige positive Wirtschaftsstruktur zu fördern.

Wie die EZB mit den Nebenwirkungen ihrer Politik umgehen will, bleibt immer noch offen. Wir schauen gespannt auf das Jahresende, wenn die EZB ihre neue Politikausrichtung verkünden will, in dem diese Probleme berücksichtigt werden sollen.


Aktuelle Corona-Lage in den USA

Die Ausbreitung des Corona-Virus in den USA ist weiter auf einem kritischen Niveau. Insbesondere der Sunbelt verzeichnet hohe Wachstumszahlen, nachdem sich viele Bundesstaaten für eine (zu) frühe Aufhebung des Lockdown entschieden haben.

Die Rechnung wird jetzt in Form von lokalen und regionalen Schließungen und völlig unnötigen Toten bezahlt. Erst propagierten Teile der Republikaner, dass das Tragen eines Mundschutzes unpatriotisch sei, am Freitag verhängte dann das konservative Texas Maskenpflicht. Zwei Tage später lag die Krankenhausauslastung in Houston zwischenzeitig bei über 100 %. Notgedrungen müssen die Republikaner auf Bundesstaatsebene mit ihren Taten deutlich die Worte aus Washington konterkarieren.

Ideologie kann immer eine Fassade vor die Realität bauen. Am Ende bröckelt der Putz und eröffnet den Blick auf die unschöne Wahrheit.

Das Regierungsversagen in der Covid-19 Pandemie und der Schwung durch die Black Lives Matter Bewegung sollten den Demokraten weiter deutlichen Rückenwind für die Präsidentschaftswahl geben. Die Chancen sind hoch, dass sie ihren als energie- und kraftlos angesehen Kandidaten Joe Biden erfolgreich über die Ziellinie tragen können.

Gewinnen würde dieser aber, weil die Amerikaner Trump überdrüssig werden, nicht weil Biden sich als charismatischer Anführer anbietet. Aus unserer Sicht ist das Ergebnis der Wahl daher immer noch offen, mit einem Vorteil für die Demokraten.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.0850 - 70 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Christian Buntrock
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