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Doug Casey: Wie geht es mit China weiter? Kollaps oder Krieg mit USA?

13.07.2020
International Man: Während viele Leute von den Unruhen in den USA abgelenkt wurden, nehmen die Spannungen mit China zu. Kürzlich verabschiedete die chinesische Regierung ein nationales Sicherheitsgesetz, dass die Autonomie von Hongkong untergraben würde. Was steht für die Beziehungen zwischen USA und China als nächstes an?

Doug Casey: Von 1985 bis 2005 lebte ich immer mal wieder in Hongkong. Als ich erstmals dorthin zog, war es eine chinesische Stadt mit einer Menge westlicher Ausländer. Als ich kürzlich zurückkehrte, hatte es sich in eine chinesische Stadt mit sehr wenigen Ausländern verwandelt. Diese waren alle nach Singapur gegangen. Was in Hongkong geschieht, ist bedauerlich, doch ehrlich gesagt nicht unsere Angelegenheit. Bedauerliche Dinge passieren an hunderten Orten auf der Welt. Man kann die Probleme anderer Leute nicht einfach lösen, noch sollte man das versuchen. Niemand mag Wichtigtuer.

Wie ich bereits viele Male in der Vergangenheit erklärte: Die US-Regierung muss aufhören, ihre Nase in die Angelegenheiten anderer Leute zu stecken. Die USA agierten seit dem Zweiten Weltkrieg als selbsternannte Polizei in der Welt, standen sehr oft auf Seiten der Bösewichte - ob absichtlich oder unabsichtlich - und trieben sich selbst in den Bankrott, während gleichzeitig Feinde gemacht wurden.

Im Falle von Hongkong bin ich der Meinung, dass die chinesische Regierung vollkommen falsch liegt, doch es wäre ein desaströser Fehler, sich hier einzumischen. Dasselbe gilt für das Südchinesische und Ostchinesische Meer, die vor einigen Jahren in den Nachrichten waren. Die USA sendeten eine Reihe an Flugzeugen dorthin, um die Flagge zu zeigen, was gefährlich, provokativ und eigentlich nicht unsere Angelegenheit war. Ähnlich wie es China nicht interessieren sollte, wenn die USA entscheiden, den Golf von Mexiko zu ihrem privaten Hinterhofmeer zu machen. Sollte China versuchen, dies anzufechten? Sollte China eingreifen, wenn Mexiko entscheidet, dass der Golf Teil seiner territorialen Gewässer ist?

Es ist Fakt, dass sich die chinesischen und US-amerikanischen Geschäftsmänner gut verstehen. Wenn sich die Chinesen als unethisch oder unehrlich erweisen, dann sollte ein US-amerikanisches Unternehmen aufhören mit dem Unternehmen zu arbeiten, das es täuscht. Warum sollte sich hier die US-Regierung einmischen? Die Regierungen Chinas und der USA posieren, als wären sie eine Gruppe wütender Schimpansen. Die beiden Regierungen sind tote Hände ihrer Wirtschaften. Keine dient einem nützlichen Zweck. Sie sind das Problem, nicht chinesische oder amerikanische Geschäftsmänner.

Taiwan ist ein weiteres brodelndes Problem. Die chinesische Regierung sieht Taiwan als eine abgesplitterte, abtrünnige Provinz. Sie erkennen deren Unabhängigkeit nicht an, ähnlich wie Lincoln die Konföderierten nicht anerkannte. Ich denke, dass es großartig ist, dass die Taiwanesen unabhängig sind, doch das ist nicht unser Problem. Es ist genauso dumm für die US-Regierung dort einen Krieg zu beginnen, wie für die brasilianische Regierung sich in diese Angelegenheit einzumischen.


International Man: Was bedeutet dies für die Wirtschaft und die US-Politik?

Doug Casey: Nun, es gibt ein großes Handelsdefizit zwischen USA und China, wie Trump so gerne hervorhebt. Ich sehe das nicht wirklich als Problem. Die Chinesen produzieren Dinge und die USA konsumieren diese. Es ist einseitig - zum Vorteil der amerikanischen Verbraucher. Wir bezahlen sie in US-Dollar, der bald wie der schwarze Peter behandelt werden und zu Billionen gedruckt wird. Wenn die US-Regierung das Defizit stoppen möchte, dann müsste sie auch die Druckerpressen stoppen.

Fakt ist, dass die chinesische Wirtschaft außerordentlich erfolgreich war, weil sie den Kommunismus 1980 ablegte und zur freien Marktwirtschaft überging. Der Fortschritt, den das Land in den letzten 40 Jahren hinlegte, ist vollkommen präzedenzlos in der Weltgeschichte. Nun, zumindest präzedenzlos, was die Größe der Nation angeht - da sich Singapur, Hongkong, Dubai, alle Stadtstaaten zumindest durch Implementierung niedrigerer Steuern und weniger Regulierungen fast ebenso gut entwickelt haben.

Doch die chinesische Wirtschaft könnte tatsächlich zusammenbrechen. Warum? Weil die Expansion, die sie über die letzten 40 Jahre erlebte, von hunderten Millionen Chinesen finanziert wurde, die die Hälfte ihres Einkommens gespart haben. Sie haben es in chinesischen Yuan gespart und auf der Bank gelagert. Die Banken verleihen es an Regierungsentitäten und Unternehmen. Es ist eine durch Schulden angetriebene Wirtschaft, keine durch Eigenkapital angetriebene Wirtschaft. China hat großen Fortschritt gemacht, ist jedoch - anders als Hongkong, Singapur oder Taiwan - auf Bankschulden aufgebaut. Der Yuan ist keine solide Währung.

China hat einen aktiven Aktienmarkt und es stimmt, dass die Chinesen am Aktienmarkt involviert sind. Doch der chinesische Aktienmarkt erhöht weniger Kapital und dient vielmehr als ein Kasino-Ersatz. Die Chinesen handeln am Aktienmarkt, doch behandeln ihn mehr wie ein extravagantes Kasino.

Da die chinesische Wirtschaft auf Schulden von den Banken aufgebaut ist und die Regierung einen so großen Teil der Wirtschaft kontrolliert, wurde ein großer Teil dieser Schulden falsch allokiert; und kann nicht zurückgezahlt werden. Erinnern Sie sich: Wann immer der Staat involviert ist, werden die Dinge größtenteils aus politischen und nicht wirtschaftlichen Gründen getan. Und Korruption gibt es immer, wenn die Regierung im Spiel ist.


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