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USA: Fortgesetzte Disruption! - Ökonomische Erholung setzt sich fort

23.07.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1577 (06:25 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1505 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 107,15. In der Folge notiert EUR-JPY bei 124,05. EUR-CHF oszilliert bei 1,0750.


Das Verhalten der USA im internationalen Kontext ist zunehmend unakzeptabel

Es ist bemerkenswert, wie wir einerseits im Westen mit Regelverletzungen dritter Staaten hart ins Gericht gehen und andererseits dabei die massivsten Verletzungen internationalen Rechts durch die USA (u.a. Regime-Change, Bruch der UN-Konventionen), den massivsten Aggressionen gegen das internationale Organigramm durch die USA (u.a. WTO), den massivsten Eingriffen in die Innenpolitik dritter Staaten durch die USA ohne jedwedes Mandat (u.a. North Stream II) nahezu blinden Auges zusehen. Die USA würden keine dieser Maßnahmen, die sie gegen Dritte verfügen, gegen sich auch nur in Ansätzen tolerieren. Genau das belegt den totalitären und undemokratischen US-Anspruch.

Diese Toleranz gegenüber den USA, die faktisch einen totalitären Anspruch auf Macht losgelöst vom internationalen Recht erheben, raubt dem Westen in der Gesamtheit den Anspruch auf das Argument der moralischen Überlegenheit. Kann diese Unglaubwürdigkeit Ziel Kontinentaleuropas inklusive Irlands sein oder erfordert das europäische moralische Gerüst eine Neupositionierung?

Die jüngsten Aggressionen der USA zielen weiter auf China. Die US-Regierung verfügte die Schließung des chinesischen Konsulats in Houston innerhalb von 72 Stunden. Außenminister Pompeo forderte Indien auf, unabhängiger von China zu werden.

Ja, Indien wäre wohl gut beraten, den ultimativen Schulterschluss mit den USA zu suchen, um sich damit in den Hort der außenpolitischen Unzuverlässigkeit der USA zu begeben (Stilmittel Ironie). "Food for a lot of thought and action!"

Für eine Neupositionierung Kontinentaleuropas inklusive Irlands spricht auch der prekäre Zustand, indem sich die US-Ökonomie bezüglich der Struktur befindet.

Die selbsttragenden US-Kräfte sind völlig unausgeprägt. Diplomatischer lässt sich das nicht ausdrücken. Kein anderes bedeutendes Land hat eine Dynamik der öffentlichen Neuverschuldung wie die USA in den letzten 12 Jahren. Kein anderes Land hat so stark auf Strukturreformen verzichtet (Aristoteles). Das Ausblenden dieser Fakten war und ist eine beachtliche Leistung der Finanzmärkte im Rahmen "Politischer Korrektheit".

Die Corona-Krise bringt das Debakel zum Vorschein. Die Neuverschuldung im laufenden Jahr liegt per Mitte Juli bereits bei mehr als 15% des BIP (IWF Prognose für Gesamtjahr 2020 bei gut 15%, Fiscal Monitor 04/2020).

Wir sind recht irritiert, dass die Ratingagenturen dieses offensichtliche Manko der nicht selbsttragenden Kräfte der US-Ökonomie nicht adressieren. Willfährigkeit mancher Institutionen hat bereits zum Debakel 2008/2009 geführt. Will man noch eine Demaskierung riskieren? "Food for thought and action!"

Übrigens sind die Anstiege der Gold- und Silberpreise, aber auch des Euros gegenüber dem USD unter Umständen Ausdruck des US-Dilemmas, das hier in einigen kurzen, hoffentlich prägnanten Statements zusammengefasst wurde.

Fakt ist, dass China sich trotz der Anfechtungen durch die USA mit vergleichsweise geringem Interventionsaufwand am schnellsten erholt. Das darf auch als Ausdruck selbsttragender ökonomischer Kräfte interpretiert werden.

Es lässt sich auch an den von der OECD veröffentlichten Frühindikatoren festmachen. Der nachfolgende Chart zeigt die Erholung der Frühindikatoren Chinas, der Eurozone und der Vereinigten Staaten von Amerika (06/2020). China (circa 19% des Welt-BIP, Basis KKP) liegt vorne, gefolgt von der Eurozone (circa 12% des Welt-BIP, Basis KKP) und den USA (circa 15% des Welt-BIP, Basis KKP).

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© OECD


Wer setzt die Impulse für die Weltwirtschaft? Wer ist wichtig, wer wichtiger und wer am wichtigsten?


Aktuelle Corona-Lage gemäß der Johns-Hopkins-Universität:

Wir weisen darauf hin, dass die Darstellung der JHU global eine unzureichende Annäherung an die reale Lage liefert. Insbesondere das fehlende Nachhalten diverser Länder bei Genesungszahlen vermittelt eine Überzeichnung der Situation der aktiven Fälle und damit des Krisenszenarios. Transparenz sieht anders aus.

Werfen wir einen Blick auf die Lage aus einem anderen Blickwinkel. Von den 32.792 Intensivbetten in Deutschlands Krankenhäusern sind derzeit 21.528 belegt. Darunter befinden sich per heute früh 251 Covid-19 Fälle.

Die Daten aus den USA werfen zunehmend Qualitätsfragen auf. Am 3. Juli waren 2.739.879 akute Fälle gemeldet. Die Genesungszeit dauert circa 2-3 Wochen, Wir unterstellen, dass das für 85% der Infizierten gilt. Dann müsste die Zahl der Genesenden (inklusive der Todesfälle) derzeit bei circa 2.400.000 liegen. Sie steht jedoch bei lediglich 1.354.039.

In Asien ist die Lage stabil auf entspanntem Niveau. In China liegen 1.014 akute Infektionen vor. In Südkorea stellt sich die Zahl auf 883. In Japan liegt sie bei 5.664. In Singapur sind es 3.922.

In Kontinentaleuropa ist die Lage stabil. Einige Länder liefern keine aktuellen Genesungszahlen laut Johns-Hopkins, so dass wir uns hier nur auf ausgewählte Länder fokussieren, die ihren Aufgaben nachkommen. In Deutschland liegt die Zahl der akuten Infektionen bei 6.546. Österreich liegt bei 1.369 Fällen. Die Schweiz bringt es auf 1.411. In Italien sind es noch 12.322. Irritierend und partiell grotesk sind u.a. die Genesungszahlen aus den Niederlanden, Belgien, Spanien, Frankreich und Schweden.

Die Problemländer sind vor allen Dingen die USA (2.616.867 aktive Fälle), Brasilien (552.768) und Indien (426.330) bezüglich Tendenz und Amplitude der Ausbreitung. In Russland beginnt sich die Situation zu beruhigen (204.115).


Datenpotpourri der letzten 48 Handelsstunden:

Eurozone: Trendwende erkennbar

Das Volumen der Verbraucherausgaben sank in den Niederlanden per Mai im Jahresvergleich um 12,8%, nachdem es im April zu einem Einbruch um 17,3% kam. In Finnland sank die Arbeitslosenquote per Berichtsmonat Juni von zuvor 6,8% auf 6,7% (Allzeittief 03/2008 bei 6,2%, Tief der letzten 10 Jahre bei 6,4% Anfang 2019). Der deutsche GfK Konsumklimaindex legte per Berichtsmonat August von zuvor -9,4 (revidiert von -9,6) auf -0,3 Zähler zu (Prognose -5,0). Der Geschäftsklimaindex Frankreichs stieg per Juli von zuvor 78 (revidiert von 77) auf 82 Zähler.


Ungarn: Zinssenkungserwartung erfüllt

Die ungarische Zentralbank senkte den Basiszinssatz von 0,75% auf 0,60% (Prognose 0,60%).


USA: Positive Entwicklungen

Laut FHFA fielen die Wohnimmobilienpreise per Mai im Monatsvergleich um 0,3% nach zuvor +0,1%. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 4,9% nach zuvor 5,5%. Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien stellte sich in der annualisierten Fassung auf 4,72 Mio. (Prognose 4,78 Mio.) nach zuvor 3,91 Mio. Objekten. Der Chicago Fed National Activity Index (Sammelindex aus 85 US-Einzelindikatoren) nahm per Juni auf 4,11 Punkte zu (Vormonat +3,50, revidiert von +2,61).


Japan: Erholung setzt sich fort!

Der Jibun Bank Manufacturing PMI legte gemäß Erstschätzung per Juli von 40,1 auf 42,6 Punkte zu. Der Umsatz im stationären Handel (Handelsketten) stieg per Juni im Jahresvergleich um 3,4% nach zuvor +1,3%.


Australien: PMIs ziehen stark an!

Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe nahm per Juli von zuvor 49,8 auf 53,4 Zähler zu. Der PMI für den Dienstleistungssektor stieg von zuvor 53,2 auf 58,5 Punkte. Als Konsequenz legte der Composite PMI per Juli von zuvor 52,6 auf 57,9 Zähler zu.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1120 - 50 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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