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Daten mit positiven Akzenten - Knickt EU gegenüber. UK ein? - Exkurs TikTok

04.08.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1770 (06:08 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1694 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106,08 In der Folge notiert EUR-JPY bei 124,85. EUR-CHF oszilliert bei 1,0804.

Gestern setzte der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe von Markit mit dem höchsten Indexstand seit Ende 2018 einen fulminanten positiven Akzent für die Eurozone. Auch die PMIs der USA (Markit und ISM) für diesen Sektor waren im Monatsvergleich stärker. Besonders ausgeprägt war das bei dem Pendant des ISM über dessen Datenqualität Diskussionen zulässig sind (siehe Datenpotpourri). Dagegen enttäuschte die Veröffentlichung des Datensatzes der US-Bauausgaben. Das Erholungsbild ist in den USA fragiler als in Kontinentaleuropa inklusive Irlands.

An den veröffentlichten Daten wird deutlich, dass die Sektoren, die vom Lockdown durch die Politik befreit werden, V-förmig anspringen. Die Sektoren, die vom Lockdown weiter betroffen sind, können unmöglich liefern. So ist das eben, wenn nicht Wirtschaft die Ökonomie macht, sondern Politik Wirtschaft bestimmt.

Wir freuen uns über eine Studie des italienischen Gesundheitsministeriums und der Statistikbehörde ISTAT, nach der sechs Mal mehr Personen in Italien Antikörper haben als angenommen. Das entschärft das Risikobild von Corona (Sterblichkeit). Laut dieser Studie des italienischen Gesundheitsministerium der Statistikbehörde ISTAT sind bei 1,5 Millionen Menschen oder 2,5% der Bevölkerung Antikörper gegen das Virus vorhanden (Testreihe mit 64.660 Menschen). Laut Johns Hopkins University wurden 248.229 Menschen bisher als positiv getestete Personen erfasst. 30% der Menschen mit Antikörpern waren laut der Studie symptomfrei.


Knickt die EU ein?

Die EU könnte dem UK bei dem angestrebten Handelsvertrag EU-Kreisen zufolge entgegenkommen. Laut EU-Diplomatemkreisen müsste die Prüfung von staatlichen Hilfen für britische Firmen nicht mehr nach den EU-Regeln umgesetzt werden. Man könne als Kompromiss ein Schlichtungsgremium einsetzen. Dieses müsse selbstredend auf festen Rahmenbedingungen fußen und unabhängig überwacht werden.

Die Frage von fairen Wettbewerbsbedingungen für Firmen auf beiden Seiten des Kanals ist ein wesentlicher Streitpunkt in den Verhandlungen. Die 27 EU-Staaten haben von den Briten Garantien verlangt, wenn sie weiter Waren auf dem Kontinent mit seinen 450 Millionen Einwohnern verkaufen wollen. Der britische Premierminister Boris Johnson will sich aber weder EU-Beihilferegeln noch Umwelt- oder Sozialstandards unterwerfen.

Wir warnen davor, den Briten faktisch "Rabatte" einzuräumen, für die jedes der 27 EU-Mitglieder zur Kasse gebeten wird. Das wäre eine Unterordnung von 27 EU-Staaten unter die Interessen des UK. So ein Schritt wäre nicht nur nicht demokratisch, sondern er würde das Wirtschaftspotential und Wohlstandsniveau Kontinentaleuropas schleifen zu Gunsten des UK.

Wir setzen auf Paris und Präsident Macron, eine solche Entwicklung zu unterbinden.


Exkurs TikTok:

Nachdem die App TikTok, auf der junge Menschen sich unterhaltsame, aber zumeist sinnentleerte Videos in ihrer Freizeit teilen, als Risiko für die nationale Sicherheit der USA identifiziert wurde (?!), hat Präsident Trump verfügt, dass das US-Geschäft (circa 100 Mio. Kunden bei 330 Mio. US-Bürgern) an ein US-Unternehmen verkauft werden müsse oder in den USA dicht gemacht würde.

"Nationale Sicherheit" ist in den USA heute für die Regierung ein Mittel der Beliebigkeit, um faktisch unmögliche Dinge möglich zu machen. Auch die deutschen Automobilhersteller waren als größte Kfz-Exporteure der USA bereits unter diese Klassifizierung der politischen Beliebigkeit und damit der faktischen Unberechenbarkeit gefallen(?!). So kann man selbstredend erfolgreiche Konkurrenten förmlich eliminieren. Hier wird deutlich, dass die USA sich nicht mehr an internationale Konventionen/Recht halten. Hier wird ein Teil eines wertvollen Unternehmens der IT-Branche zu Discountpreisen über politische Intervention an US-Interessenten verscherbelt.

Sind den europäischen Unternehmen die existentiellen Risiken am Standort USA bewusst? Trump setzte nach. Ein sehr substanzieller Teil dieses Preises müsste laut Trump an das US-Finanzministerium fließen, da die Regierung diesen Deal möglich machen würde. Diese geforderte Provision hat Qualitäten eines Schutzgelds. Dieses Niveau der US-interventionspolitik ohne belastbare Rechtsbasis (Beliebigkeit durch Missbrauch des Begriffs der „Nationalen Sicherheit“) generiert Fassungslosigkeit. Diese Politik unterstreicht die mit dem US-Standort verbundenen Risiken, die weder kleinzureden noch kleinzuschreiben sind!


Aktuelle Corona-Lage gemäß der Johns-Hopkins-Universität:

Wir weisen darauf hin, dass die Darstellung der JHU global eine unzureichende Annäherung an die reale Lage liefert. Insbesondere das fehlende Nachhalten diverser Länder bei Genesungszahlen vermittelt eine Überzeichnung der Situation der positiv getesteten Personen und damit des Krisenszenarios.

Aktuell ergeben sich in stabilisierten Regionen regionale Ausbrüche, die den Themenkomplex der 2. Welle beleben. Wir nehmen diese Debatten zur Kenntnis und erwarten weiter regionale Antworten auf regionale Probleme.

In Asien ist die Lage stabil auf entspanntem Niveau. In China liegen 2.314 positiv getestete Personen vor. In Südkorea stellt sich die Zahl auf 770. In Japan liegt sie bei 12.579. In Singapur sind es 5.845.

In Kontinentaleuropa ist die Lage weitgehend stabil. Einige Länder liefern keine aktuellen Genesungszahlen laut Johns-Hopkins, so dass wir uns hier nur auf ausgewählte Länder fokussieren, die ihren Aufgaben nachkommen.

In Deutschland liegt die Zahl der positiv getesteten Personen bei 9.363. Werfen wir einen Blick auf die Lage in Deutschland aus einem anderen Blickwinkel. Von den 33.040 Intensivbetten in Deutschlands Krankenhäusern sind derzeit 20.791 belegt. Darunter befinden sich per heute früh 271 Covid-19 Fälle. Österreich liegt bei 1.604 Fällen. Die Schweiz bringt es auf 2.135. In Italien sind es 12.474.

Die Problemländer sind vor allen Dingen die USA (3.044.652 positiv getestete Personen), Brasilien (556.677) und Indien (579.357) bezüglich Tendenz und Amplitude der Ausbreitung. In Russland beginnt sich die Situation zu beruhigen (188.086).


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden

Eurozone: Markit PMI mehr als V-förmig

Gemäß finaler Berechnung stieg der von Markit ermittelte PMI für das Verarbeitende Gewerbe per Juli gegenüber dem vorläufigen Wert von 51,1 auf 51,8 Punkte und markierte den höchsten Indexstand seit Dezember 2018. In Österreich sank die Arbeitslosenquote per Berichtsmonat Juli von 10,1% auf 9,2%. Der PMI für das Verarbeitende Gewerbe Irlands legte per Juli sportlich von 51,0 auf 57,3 Zähler zu und erreichte den höchsten Wert seit August 2018.


USA: ISM-Index hat einen politischen Beigeschmack

Gemäß finaler Berechnung sank der von Markit ermittelte PMI für das Verarbeitende Gewerbe per Juli gegenüber dem vorläufigen Wert von 51,3 auf 50,9 Punkte (Vormonat 49,8). Dagegen stieg der von ISM ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe per Berichtsmonat Juli deutlich von 52,6 auf 54,2 Zähler (Prognose 53,6). Hinsichtlich Amplitude und Niveau liefert der ISM-Index einen politischen Beigeschmack (das war auch schon in der Vergangenheit der Fall). Unerwartet sanken die Bauausgaben in den USA per Juni im Monatsvergleich um 0,7%. Die Prognose war bei +1,0% angesiedelt. Der Vormonatswert wurde von -2,1% auf -1,7% revidiert.


Japan: Verbraucherpreise ziehen an

Die Verbraucherpreise legten per Berichtsmonat Juli im Jahresvergleich um 0,6% nach zuvor 0,3% zu. Die Kernrate nahm um 0,4% nach zuvor 0,1% zu.


Australien: RBA mit Politik der ruhigen Hand auf Extremniveau

Die Notenbank Australiens hat auf der aktuellen Augustsitzung den Leitzins unverändert auf dem Allzeittief bei 0,25% belassen.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1400 - 30 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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