Suche
 

Fiskal- und geldpolitischer Drahtseilakt

14.08.2020  |  Michael Pento
Die US-Staatsschulden sind nun auf 130% des BIPs angestiegen; diese 26,6 Billionen Dollar machen 1.000% des staatlichen Umsatzes aus. Unsere Regierung wird alleine in diesem Jahr weitere 4 Billionen Dollar zu diesem Berg hinzufügen, was unglaubliche 20% des BIPs wären. Der Wuhan-Virus hat die Bilanz des US-Finanzministeriums vollkommen zerstört. Gäbe es das Versprechen der Fed nicht, unbegrenzte Mengen an Staatsanleihen zu erwerben, wäre der Anleihemarkt bereits zusammengebrochen.

Bilanzen staatlicher und lokaler Regierungen leiden ebenfalls. Die Umsätze brechen ein, während Ausgaben zunehmen und viele Unternehmen ihre Türen schließen und mehrere Millionen Arbeiter entlassen werden. Tatsächlich wird prognostiziert, dass viele Staaten zwischen 20% bis 25% ihres Umsatzes verlieren werden. Das Center on Budget and Policy Priorities berichtete, dass die staatlichen und lokalen Regierungen innerhalb der letzten vier Monate 1,5 Millionen Arbeiter beurlaubt oder gekündigt haben - doppelt so viel wie während der Great Recession. Und nun werden sich die Staatshaushaltsdefizite, die von den wirtschaftlichen Folgen des Virus erwartet werden, auf kumulative 555 Milliarden Dollar über die Finanzjahre 2020 bis 2022 belaufen, so die Daten der Federal Reserve und CBO. Zusätzlich dazu befanden sich große US-Städte, wie New York, L.A. und Chicago bereits vor der Pandemie auf dünnem fiskalpolitischen Eis. Der Wuhan-Virus hat nun all diese staatliche Unterstützung zerfließen lassen.

Den Unternehmensbilanzen ergeht es nicht viel besser. In der ersten Hälfte 2020 verzeichnete man die höchste Zahl von Insolvenzen im Einzelhandelssektor, so Bloomberg. In den letzten drei Monaten gab es 75 Insolvenzanträge von Unternehmen mit Verbindlichkeiten in Höhe von mindestens 50 Millionen Dollar, was mit demselben Zeitraum 2009 übereinstimmt - und es zum zweitschlimmsten Quartal überhaupt machte. Unternehmensschulden befanden sich bereits auf einem Rekordhoch als Prozentsatz des BIPs, bevor die Krise ausbrach. Und nun haben nicht-finanzielle Unternehmensschulden unglaubliche 17 Billionen Dollar erreicht - stiegen im ersten Quartal also um weitere 24,27%. Deswegen sind Unternehmens- und Regierungsbilanzen mit Schulden durchtränkt.

Nun zu den guten Neuigkeiten. Verbraucherbilanzen ergeht es im Vergleich deutlich besser. Doch das ist alleine den Bemühungen Washingtons zu verdanken, den Verbrauchercrash auszugleichen, indem die eigenen fiskalpolitischen Schieflagen weiter verschlimmert werden. Ende März genehmigten die Gesetzgeber die Verteilung von Helikoptergeld an die meisten Amerikaner; mit 1.200 Dollar für jeden Erwachsenen, der weniger als 198.000 Dollar bei Zusammenverlagerung der Ehegatten verdiente sowie 500 Dollar je Kind unter 17 Jahren - auch wenn man seine Arbeitsstelle nicht verloren hatte. Und diejenigen, die arbeitslos wurden, erhielten erweiterten Arbeitslosenschutz in Form von etwa 1.000 Dollar in der Woche, was in den meisten Fällen das vorherige Einkommen überstieg.

Und das ist der entscheidende Moment; da die Regierungsbilanz bereits vollkommen zerstört ist, ist dessen Fähigkeit Geld straffrei zu leihen und zu drucken fast vorbei. Deshalb muss der Virus innerhalb der nächsten paar Monate aufhören ein Problem zu sein, wenn wir die Verbrauchergewohnheiten beibehalten möchten. Andernfalls wird die durch Konsum angetriebene Wirtschaft zusammenbrechen. Außerdem muss es einen Ort für die Verbraucher geben, an dem sie Beschäftigung zurückerlangen, sobald die Gefahr endlich vorüber ist.

Wie ich jedoch in anderen Artikeln dargelegt habe, sollte dies leider nicht der Fall sein. Die Ankündigung der FDA-Zulassung eines COVID-19-Impfstoffes ist nicht mit automatischer Immunität gleichzusetzen. Doch dies markiert den Zeitpunkt, zu dem die echten Herausforderungen beginnen könnten: Wie lange wird es dauern, bis der Impfstoff auf der ganzen Welt verteilt wurde? Wird es eine einmalige Sache sein oder wird es mehrere Dosen brauchen? Welcher Prozentsatz der Bevölkerung wird sich auf einen Impfstoff stürzen, der mit "Warpgeschwindigkeit" entwickelt wurde? Und wie effektiv ist die Impfung und wie lange hält die Immunität an?

Doch an dieser Stelle werden falsche Vermutungen angestellt. Es wird der falsche Gedanke verbreitet, dass die schlimmste wirtschaftliche Kontraktion der US-Geschichte alleine auf den Virus zurückzuführen ist und nichts mit den wirtschaftlichen Daten hinter einer typischen Wirtschaftskontraktion zu tun hat. Doch Fakt ist, dass wir uns bereits weit vor 2020 auf dem Pfad hin zur Rezession befanden. Deshalb hatte die Fed bereits die Zinsen dreimal gesenkt und hatte wieder mit QE begonnen, bevor die Pandemie eintrat. Der Wuhan-Virus diente dazu, die Bilanzen deutlich zu schwächen, die sich bereits in Schwierigkeiten befanden. Nun haben wir also eine abnormal schwerwiegende Rezession, die sehr normale Bestandteile einer überschuldeten Wirtschaft besitzt.

Was nun geschieht, ist wichtig. Werden Verbraucherbilanzen so durch Schulden behindert werden, wie bereits im Unternehmens- und Regierungssektor der Fall? Die Antwort lautet wahrscheinlich ja, da die Bereitschaft und Fähigkeit der Regierung, den privaten Sektor weiter zu unterstützen, zu Ende geht.

Lassen Sie uns klar sein. Der Verbraucher befand sich bereits vor der Gesundheitskrise in keiner guten Verfassung. Haushaltsschulden befanden sich bereits vor dem Virusausbruch auf rekordverdächtigen 16 Billionen Dollar. Doch diese Zahl ist als Prozentsatz des BIPs deutlich geringer als vor der Great Recession. Doch nun sind 30 Millionen Menschen arbeitslos und eine weitere Runde Regierungsunterstützung ist unterwegs. Die Haushaltsbilanz sollte innerhalb der nächsten Monate wie in anderen Sektoren zerbröckeln. Also sobald die Helikopter, die Regierungsgelder enthalten, wieder gelandet sind.

Unsere Regierung wird folglich nicht in der Lage sein, weitere 4 Billionen Dollar Defizite im Jahr zu leihen. Noch kann das Verhältnis zwischen Staatsschulden und BIP über 130% steigen und dann von diesem Niveau aus ohne Folgen weiter zunehmen. Und die Fed kann keiner Erweiterung ihrer Bilanz zu einer Rate zustimmen, die dazu führte, dass deren Assetbestände alleine in den letzten sechs Monaten um 75% gestiegen sind. Diese Billionen Dollar wurden monetisiert, um Kreditkosten zu unterdrücken und Assetblasen weiter aufzublasen. Doch wie lang kann sie das mit dieser Geschwindigkeit tun, ohne die Kaufkraft des Dollar zu zerstören?

Die Hoffnung ist, dass die Wissenschaft den Virus in den nächsten Monaten mit Medizin und Impfstoff töten kann, die nun entwickelt werden. Dann werden Verbraucher wieder vollbeschäftigt werden. Doch wie realistisch ist dieses Szenario? Nun, Yelp - ein Unternehmen, das eine Plattform für Unternehmen und Verbraucher bietet - berichtete, dass 132.440 Unternehmen, die auf ihrer Seite gelistet waren, ihre Türen seit dem Ausbruch geschlossen haben. Und von diesen haben 72.842 ihre Türen permanent geschlossen. Natürlich geben uns die Daten von Yelp nur einen teilweisen Blick auf den Gesamtschaden.

In welchem Zustand wird sich die Nation befinden, wenn der Virus letztlich unter Kontrolle ist und etwas Normalität zurückkehrt? Der Katalysator hin zur "Normalität" (ein Impfstoff) könnte ebenfalls das Ende des fiskal- und geldpolitischen Drahtseilaktes der Regierung bedeuten. Denn schließlich ist es eine unhaltbare Position, dass der Geldregen des Finanzministerium für die meisten Amerikaner - der von der Fed monetisiert wird - länger durchhalten kann ohne Dollar und Anleihemarkt zu zerstören. Wir müssen in der Geschichte nach Antworten suchen... und das Urteil ist klar. Die Langlebigkeit von Viren hält tendenziell länger durch als diese Nationen, die Wohlstand durch die Druckerpresse erwerben, solvent bleiben können.


© Michael Pento
www.pentoport.com



Der Artikel wurde am 11. August 2020 auf www.pentoport.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


Bewerten 
A A A
PDF Versenden Drucken

Für den Inhalt des Beitrages ist allein der Autor verantwortlich bzw. die aufgeführte Quelle. Bild- oder Filmrechte liegen beim Autor/Quelle bzw. bei der vom ihm benannten Quelle. Bei Übersetzungen können Fehler nicht ausgeschlossen werden. Der vertretene Standpunkt eines Autors spiegelt generell nicht die Meinung des Webseiten-Betreibers wieder. Mittels der Veröffentlichung will dieser lediglich ein pluralistisches Meinungsbild darstellen. Direkte oder indirekte Aussagen in einem Beitrag stellen keinerlei Aufforderung zum Kauf-/Verkauf von Wertpapieren dar. Wir wehren uns gegen jede Form von Hass, Diskriminierung und Verletzung der Menschenwürde. Beachten Sie bitte auch unsere AGB/Disclaimer!




Alle Angaben ohne Gewähr! Copyright © by GoldSeiten.de 1999-2020.
Die Reproduktion, Modifikation oder Verwendung der Inhalte ganz oder teilweise ohne schriftliche Genehmigung ist untersagt!

"Wir weisen Sie ausdrücklich auf unser virtuelles Hausrecht hin!"