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Der Moment der Wahrheit für das Geldsystem

14.08.2020  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Diese Politiken verursachen jedoch Folgeschäden. Die Krisen, für die das Fiat-Geldsystem sorgt, sind ein Einfallstor par excellence für markt- und freiheitsfeindliche Politiken. In Krisenzeiten werden ungezügelte Märkte oder der Kapitalismus als Schuldige angeprangert. Vom Staat wird Hilfe erwartet - obwohl das von ihm getragetragene Schuldgeldsystem die eigentliche Krisenursache ist.

Der Staat lässt sich nicht lange bitten, er erlässt mehr Ge- und Verbote, Regulierungen, weitet Subventionszahlungen aus. Spätestens jetzt verschwindet, was vom System der freien Märkte übriggeblieben ist. Die freie Marktwirtschaft wird so nach und nach transponiert in eine Befehls- und Lenkungswirtschaft, in der Privateigentum zwar nicht abgeschafft, doch die Verfügungsrechte der Eigentümer über ihr Eigentum bis zur Unkenntlichkeit verwässert werden und nur dem Namen nach noch bestehen. Das Fiat-Geld bereitet dem allmächtigen Staat den Weg.


Vergemeinschaftung von Schulden

Billiges Papiergeld ist das Wachstums- und Überlebenselixier des Staates. Der Staat erlangt durch das Fiat-Geld eine gewaltige Finanzkraft, die er für seine Zwecke zu nutzen weiss: Er wird zum Arbeitgeber, Auftraggeber und Transfer- und Pensionszahler, dem die Begünstigten dankbar die Treue halten. Ein einmal vollzogener Vorstoss der Staatsmacht und seiner Bürokratie lässt sich kaum mehr zurückbauen. Mittlerweile ist die Abhängigkeit vom Fiat-Geld weltweit so gross geworden, dass Regierenden und Regierten kein Preis mehr zu hoch ist, um das Fiat-Geldsystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

Im Euroraum hat das beispielsweise dazu geführt, dass die Europäische Union (EU) als neue supranationale Verschuldungsebene ermächtigt werden soll. Was beschönigend als «Wiederaufbaufonds» mit einer Anfangsausstattung von 750 Mrd. Euro, rund 6 Prozent des Euroraum-BIP, angepriesen wird, ist nichts anderes als ein weiterer Schritt in Richtung Schuldenvergemeinschaftung, nachdem bereits durch die Errichtung des Europäischen Stabilitätsfonds (ESM) im Jahr 2012 die Budgethoheit der nationalen Parlamente gehörig unterhöhlt worden ist.

Die politischen Zwänge, die der Erhalt der Euro-Einheitswährung verursacht, sind nun einmal nicht vereinbar mit der Bewahrung der nationalen Souveränitätsrechte der Teilnehmerländer.

Wie schlimm kann die Geldentwertung werden? US-Dollar, Euro und Co. repräsentieren ungedecktes Geld, und das kann bekanntlich im Extremfall seine Kaufkraft völlig verlieren - wie die leidvolle Währungsgeschichte schon so häufig gezeigt hat. Wenn die Menschen das Vertrauen in das Geld verlieren, wird es haarig. Das ist dann der Fall, wenn sich die Erwartung einstellt, die Geldmenge werde mit immer höheren Raten zunehmen, das werde kein Ende mehr finden.

Bewahrheitet sich die Erwartung, kommt es zur Hyperinflation. Die «Flucht aus dem Geld» setzt ein. Niemand möchte mehr Geld halten, jeder ist bemüht, das wertlose Papier gegen Sachgüter aller Art einzutauschen. Die Güterpreise steigen ins Unermessliche, die Kaufkraft des Geldes verfällt.

Das aber ist ein Extremszenario. Es gibt auch Beispiele, die zeigen, dass die Geldentwertung vom Staat und den von ihm begünstigten Interessengruppen dauerhaft als Bereicherungs- und Umverteilungspolitik betrieben werden konnte, ohne dass das zur Hyperinflation geführt hätte - etwa die «finanzielle Repression» in den USA von 1942 bis 1951 oder die weltweite «Grosse Inflation » von etwa 1965 bis Anfang der 1980er Jahre.

Eine Inflationspolitik bietet recht weit gespannte Möglichkeiten, bevor sie explosiv wird. Wenn es beispielsweise den Zentralbankräten gelingt, der Öffentlichkeit glaubhaft zu vermitteln, eine starke Geldmengenvermehrung sei nur eine «einmalige Sache», dann lässt sich der Geldwert herabsetzen, ohne dass die Menschen vollends aus dem Geld fliehen. Inflationsschübe von 10 bis 15 Prozent pro Jahr bedeuten wohl noch nicht das Ende des ungedeckten Geldes, wohl aber einen starken Kaufkraftverlust des Geldes.



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