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Europa bereitete seit den 1970er Jahren einen weltweiten Goldstandard vor

01.09.2020  |  Jan Nieuwenhuijs
- Seite 3 -
"Die Käufer sind Entwicklungsländer, deren internationale Reserven wachsen, oder historisch geringe Goldbestände besitzen."

Laut de Jager verkaufte die niederländische Zentralbank Gold, um seine Reserven international anzupassen. Er erwähnte keine anderen Gründe für die Verkäufe. (De Jager bestritt, dass die niederländische Zentralbank Gold verkaufte, um die Staatsschulden der Niederlande zu begleichen, was ein häufig genannter Grund für europäische Goldverkäufe ist.) Zusätzlich berichtete die niederländische Zeitung NRC Handelsblad im Jahr 1993, dass die niederländische Zentralbank 400 Tonnen via Bank für Internationalen Zahlungsausgleich verkauft habe und dieses teilweise von der chinesischen Zentralbank gekauft worden war.

Ich schlussfolgere, dass die Niederlande 1.100 Tonnen verkauften, um den Entwicklungsländern dabei zu helfen, proportional in Sachen Goldreserven gleichzuziehen und ein neues Währungssystem vorzubereiten, das Gold einbinden würde. Warum sonst - wenn nicht, um Gold im internationalen Währungssystem zu repositionieren - würden die Niederlande ihre Goldreserven an die anderer "wichtiger Nationen, die sich im Besitz von Gold befinden", anpassen wollen?

Andere Zentralbanken Europas haben dasselbe getan. Im Jahr 1999 überraschten 14 (west)europäische Zentralbanken den Goldmarkt mit einem Statement in Bezug auf "abgestimmte Programme zum [Gold]verkauf in den nächsten fünf Jahren." Das Programm wurde als Zentralbankgoldvereinbarungen bezeichnet und die Unterzeichner erklärten:

"Gold wird ein wichtiges Element weltweiter Geldreserven bleiben... Jährliche [durchschnittliche] Verkäufe werden etwa 400 Tonnen nicht übersteigen und die Gesamtverkäufe über den Zeitraum werden nicht mehr als 2.000 Tonnen betragen... Diese Vereinbarung wird nach fünf Jahren überprüft werden."

Die Goldverkäufe wurden eng koordiniert. Mit dem Wissen, dass Europa die Goldreserven international anpassen wollte (unten folgen weitere Beweise), macht diese Aussage absolut Sinn.

Der World Gold Council interpretierte diese Vereinbarung als Beseitigung von "Sorgen, dass unkoordinierte Zentralbankgoldverkäufe den Markt destabilisieren und den Goldpreis deutlich nach unten ziehen könnten." Es stimmt, dass einige europäische Länder deutliche Mengen Gold vor dieser Vereinbarung verkauften, was den Preis nach unten zog, doch direkt nachdem diese Zentralbankgoldvereinbarungen angekündigt wurden, begann der Goldpreis zu steigen. Mission erfüllt, würde ich sagen. Letztlich wurde diese Vereinbarung dreimal verlängert und zehn weitere europäische Länder schlossen sich an. Während dieser vier Phasen wurden mehr als 4.000 Tonnen Gold verkauft, praktisch alles vor 2009.

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Ein Mitglied des Beratungsausschusses von Voima Gold ist Pentti Pikkarainen, der von 2001 bis 2010 Leiter für Bankenoperationen bei der finnischen Zentralbank war - einer der Unterzeichner der Zentralbankgoldvereinbarungen. Als ich Pikkarainen fragte, ob auch andere Zentralbanken - neben der niederländischen Zentralbank - verkauft hatten, um ihre "relativen Goldbestände an die anderer, wichtiger Nationen im Besitz von Gold anzupassen", so entgegnete er:

"Es stimmt, dass einige Zentralbanken ihren Goldreserven mit denen anderer Zentralbanken verglichen haben und zur selben Schlussfolgerung gelangten."

Mehrere Zentralbanken Europas verkaufen also Gold, um Reserven international anzupassen. Um ein Gefühl für den Anpassungsprozess innerhalb Europas zu erhalten, habe ich einen Chart erstellt, der die Goldverkäufe je Land vor und während des Programms sowie aktuelle Goldreserven und Bruttoinlandsprodukt (BIP) zeigt.

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Vor und während des Programms verkauften größtenteils mittelgroße Wirtschaften Gold, um einen ähnlichen Anteil gegenüber anderen zu halten. Es passt nicht perfekt, ist jedoch dennoch erstaunlich. Auch, weil Zypern, Estland, Italien und Litauen Unterzeichner der Zentralbankgoldvereinbarungen waren, jedoch während des "vereinbarten Verkaufsprogramm" keine Unze Gold verkauften.

Finnland und Irland waren unter dem Programm Käufer, wenn auch mit geringen Mengen, was Sinn macht, wenn man die Reserven allgemein vergleicht. Es scheint, dass es kein gemeinsames Programm zum Verkauf von Gold, sondern vielmehr zur Anpassung der Goldreserven war. Der primäre Außenseiter ist das Vereinigte Königreich. Die offiziellen Goldreserven auf der Welt sind seit der 1970er Jahre gleichmäßiger verteilt. Eurasien minus Westeuropa hielt 1971 etwa 2.000 Tonnen gegenüber den aktuellen 9.300 Tonnen.

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Der Anpassungsprozess geht bis heute weiter. Im Jahr 2018 erwarb die ungarische Zentralbank (MNB) 31,5 Tonnen Gold, das Zehnfache ihrer offiziellen Bestände. Die MNB gab an, man habe Gold erworben, "weil es eine stabilisierende Rolle in Zeiten der strukturellen Veränderungen im internationalen Finanzsystem spielen könnte", doch ebenfalls, um die Goldreserven an die anderer Länder anzupassen. Die polnische Zentralbank (NBP) kaufte 2019 etwa 125,7 Tonnen und gab dasselbe an:

"Der Anteil an Gold innerhalb der Devisenreserven der NBP lag unter dem Durchschnitt aller Zentralbanken (10,5%) und deutlich unter dem Durchschnitt in europäischen Ländern (20,5%). Der Kauf von Gold erlaubte es nicht nur, den strategischen Finanzpuffer des Landes zu erhöhen, sondern auch die NBP in Sachen Gold als Devisenreserven näher an den Durchschnitt aller Zentralbanken (10,5%) heranzubringen."

Wir haben zweifelsohne über die Vorbereitung auf eine Veränderung im internationalen Finanzsystem und eine proportionale Anpassung der Goldreserven gelesen. Ich bin mir bewusst, dass de Jager, MNB, NBP darüber sprechen, "Goldreserven als Prozentsatz der Gesamtbestände" anzugleichen, doch ich sehe ein deutlicheres Muster bei Goldreserven gegenüber BIP. Unten finden Sie einen Chart, der die offiziellen Goldreserven als Prozentsatz der Gesamtbestände (Devisen, Gold und SDRs) der europäischen Länder zeigt.

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