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Der Inflationsvirus erwischt die Fed

15.09.2020  |  John Mauldin
Ein wenig beachteter Aspekt der Zentralbankpolitik ist die Tatsache, wie selten "Politik" eintritt. Offizielle bei der Federal Reserve und andernorts haben gelernt, wie sie ihre Ziele erreichen können, ohne etwas dafür zu tun. Vorstellungen zu erschaffen, reicht oftmals aus, um das Verhalten von Menschen zu modifizieren.

Wenn Trader beispielsweise einfach glauben, dass die Fed eingreifen wird, sollten die Zinsen über oder unter ein bestimmtes Niveau steigen oder fallen, werden die Zinsen dieses Niveau wahrscheinlich nicht durchbrechen - oder sich diesem überhaupt annähern. Niemand möchte die Fed dazu veranlassen, ihren Abzug zu betätigen. Deshalb sind Zentralbanken so von der "Glaubwürdigkeit" besessen. Sie möchten ihre tatsächliche, geldpolitische Feuerkraft nicht benutzen und müssen das auch nicht, solange die Finanzmärkte sie respektieren. Ihre am häufigsten verwendete Waffe ist die Sprache.

Ende August beobachteten wir ein weiteres Beispiel, als die Fed Veränderungen ihrer langjährigen geldpolitischen Strategie enthüllte. Unter anderem erklärte man, dass man es der Inflation nun erlauben würde, eine Zeit lang "heiß zu laufen", um einen langfristigen Durchschnitt von 2% zu erzielen. Helle Köpfe können darüber diskutieren, ob dies eine gute Idee ist oder ob die Fed überhaupt dazu in der Lage ist. Doch die Fed möchte uns diesen neuen Plan sicherlich Glauben machen. Wir schlussfolgern dies aus den enormen Bemühungen, den Plan zu kommunizieren.

Das Problem ist, dass die "Politik" einer Person, die ungewollten Folgen einer anderen sind. Heute möchte ich argumentieren, dass die ungewollten Folgen der kürzlichen "politischen" Veränderungen der Fed - nicht zu vergessen diejenigen, die in vorherigen Jahrzehnten durchgeführt wurden - im Epizentrum einiger nationale Probleme standen, die wir haben. Die Fed würde dies natürlich vehement verleugnen, doch die Ergebnisse sind für jeden erkennbar. Wir beginnen mit einem Blick darauf, wie ein Teil meiner Quellen diese Handlung der Fed sieht. Doch zuerst lassen wir die Fed für sich selbst sprechen.


Worte sind Politik

Sie haben kürzlich vielleicht ein Muster entdeckt. Jerome Powells Reden und Medieninterviews fallen üblicherweise mit einer Art deutlicher, politischer Entwicklung zusammen. Ich bin sicher, dass Powell jede Menge Einladungen erhält. Nicht zufällig akzeptiert er diejenigen, die er für nützlich hält. Und tatsächlich war Powell kurz nach Enthüllung der kürzliche Veränderung online, um diese via seiner vorbereiteten, virtuellen Jackson-Hole-Rede zu erklären / zu verteidigen. Hier eine Auflistung dessen, was die Fed an sich in einer Pressemitteilung als "die wichtigsten Veränderungen" betitelt:
  • Was die maximale Beschäftigung angeht, so hob der FOMC hervor, dass maximale Beschäftigung ein allgemeines und eingeschlossenes Ziel ist und berichtet, dass dessen politische Entscheidungen durch "Bewertungen über die fehlende Beschäftigtenzahl von dessen Maximum" informiert werden wird. Das ursprüngliche Dokument bezog sich auf "Abweichungen von dessen Maximum."

  • Was die Preisstabilität angeht, so passte der FOMC seine Strategie für das Erreichen des langjährigen Inflationsziel von 2% an, indem angemerkt wurde, dass er "darauf aus ist, über die Zeit hinweg eine Inflation von durchschnittlichen 2% zu erreichen." Zu diesem Zweck erklärt das Statement, dass "angemessene Geldpolitik, nach Zeitspannen, in denen die Inflation konsistent unter 2% blieb, wahrscheinlich darauf abzielen wird, eine Inflation zu erreichen, die eine Zeit lang mäßig über den 2% liegt."

  • Die Veränderungen der Strategie erkennen explizit die Herausforderungen für die Geldpolitik an, die durch ein konsistentes Niedrigzinsumfeld verursacht werden. Hier in den Vereinigten Staaten und auf der Welt werden die geldpolitischen Zinsen wahrscheinlicher durch effektive Untergrenzen eingeschränkt werden als in der Vergangenheit.

Wir werden unten besprechen, was das alles bedeutet. Beachten Sie erst einmal die Ironie einer Zentralbank, die explizit zugibt, dass sie "Inflation erreichen möchte." Zentralbanken waren einst darauf aus, Inflation zu stoppen, nicht diese zu erzielen. Das Problem ist deren Erzeugung. Der Kongress, der die Fed erschaffen hat, verfügt, dass sie "stabile Preise" erschaffen soll. In einer orwellianischen Auslegung dieser Worte interpretiert die Fed das Mandat nun als eine Inflation von 2%. Das bedeutet, dass der Wert Ihrer Dollar alle 36 Jahre etwa die Hälfte seiner Kaufkraft verliert. Mindestens. Wie wir sehen werden, kann sich dies auch verschlimmern.

Da sie sich dessen zweifelsohne bewusst ist, unternahm die Fed große Anstrengungen, sich zu erklären. Warum eine so aufwendige Erklärung? Weil die Worte nicht nur die Politik erklären. Die Worte sind die Politik. Sie tun die Arbeit. Die Fed möchte uns Glauben machen, dass eine Inflation von 2% ein angemessenes Ziel ist und dass die Fed dies erzielen wird. Wenn wir das tun, wird die Fed erreichen, was sie möchte.


Preisinstabilität

Mein Freund, Peter Boockvar, ist vielleicht einer der schnellsten Denker, die ich kenne. Jeden Tag betrachtet er die aktuellsten Wirtschaftsdaten und Zentralbankstatements und veröffentlicht dann eine Analyse, üblicherweise innerhalb einer Stunde. Ich verstehe wirklich nicht, wie er das schafft, doch es ist ziemlich nützlich. Am Morgen, an den die Fed also diese Politik bekanntgab, schrieb Peter ein kurzes, jedoch entschiedenes Essay über die "10 Mängel der Inflationssymmetrie." Hier einige Auszüge:
  • Auf welchem Wert sich die Inflation in der Vergangenheit befand, sollte keine Auswirkung darauf haben, auf welchen Wert man es ihr erlaubt, zu steigen. Ist eine Inflation von 0% in einem Jahr und eine Inflation von 4% im nächsten die neue Definition von "Preisstabilität?"

  • Es der Inflation über ein Zeit hinweg zu erlauben, über 2% zu steigen, schadet denjenigen am meisten, die es sich am wenigsten leisten können. In anderen Worten: Niedrigere Realgehälter sind ein Sedativum für das Wachstum.

  • Es gibt nichts, das von niedriger Inflation auf niedriges Wachstum und von höherer Inflation auf höherer Wachstum schließen lässt.

  • Langfristigere Zinsen werden nicht einfach stillsitzen und die Inflation heißlaufen lassen - sie werden sich für die Fed verschärfen. Das würde dann dem Immobiliensektor und jedem überschuldeten Unternehmen schaden.


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