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Käufe der Gold-ETFs sind verschollen

16.09.2020  |  Adam Hamilton
Die großen Käufe der Gold-ETFs, die das gelbe Edelmetall Anfang August in die Höhe katapultierten, sind mittlerweile verschollen. Deshalb geriet Gold seitdem zum Stillstand, während es seitwärts mit einer Korrektur pendelt. Um weiter zu steigen, müssen diese Zuflüsse via ETFs weitergehen. Die kurzfristigen Gewinne für den Edelmetallkomplex hängen stark davon ab, wie sich amerikanische Trader in Gold-ETFs positionieren.

ETFs dominieren zunehmend die Goldpreistrends. Ihre relative Wichtigkeit hat in den letzten Jahren zugenommen und kann nicht übertrieben werden. Große Gold-ETFs werden zum weltweiten Goldmarkt. Trotz anhaltender Sorgen um die physischen Bullionbestände von Gold-ETFs scharen sich Spekulanten und Investoren um sie. Sie sind die einfachste Möglichkeit, eine Goldposition ins Portfolio zu bekommen, schnell und einfach.

Die aktuellsten Daten des World Gold Council bezüglich weltweitem Goldangebot und -nachfrage enthüllten erneut die Dominanz der Gold-ETFs. Im Bericht des WGCs hieß es, dass die weltweite Nachfrage von Gold-ETFs verschlungen wurde! Gold stieg in Q2 um 12,9% und erlebte den bullischsten, psychologischen Hintergrund überhaupt. Eine weltweite Pandemie wütete, die gerade erst zu einer Aktienpanik geführt hatte.

Im letzten Quartal waren Unsicherheit und Sorgen jenseits von Gut und Böse, während die drakonischen Lockdowns der Regierungen, um die Ausbreitung des Virus einzudämmen, die Wirtschaft tiefgreifend verwundete. Man würde denken, dass die Goldnachfrage in einem derart extremen Umfeld in die Höhe schnellen würde, richtig? Laut dem WGC, der die verfügbaren Daten bezüglich der Gold-Fundamentaldaten sammelt, war die weltweite Nachfrage in Q2 tatsächlich schwach. Sie fiel im Jahresvergleich um 10,7% auf 1.015,7 Tonnen!

Jede größere Nachfrage-Kategorie - mit Ausnahme von Gold-ETFs - brach ein. Schmucknachfrage, die normalerweise etwa die Hälfte der weltweiten Gesamtnachfrage ausmacht, ging im Jahresvergleich um 52,5% auf 251,5 Tonnen zurück! Selbst traditionelle Investitionsnachfrage nach physischen Barren und Münzen brach um 32% im Jahresvergleich auf 148,8 Tonnen ein. Zentralbanknachfrage sank im Jahresvergleich um 50,5% auf 114,7 Tonnen. Und die Nachfrage aus dem Technologiesektor ging im Jahresvergleich um 17,5% auf 66,6 Tonnen zurück. Die Goldnachfrage in Q2 war ein absolutes Desaster.

Zusammengerechnet implodierten diese Nachfrage-Kategorien im Jahresvergleich um 45,2% auf 581,6 Tonnen! Nachdem sie in Q2 2019 etwa 93% der Gesamtgoldnachfrage ausmachten, brachen sie in Q2 2020 auf nur 57% ein. Der einzige Lichtblick für die weltweite Goldnachfrage im letzten Quartal waren die Käufe der Gold-ETFs. Die Nachfrage der Aktienhändler nach Gold-ETF-Anteilen war so extrem, dass die physischen Goldbullion, die diese ETFs kaufen mussten, um 470,5% im Jahresvergleich auf 434,1 Tonnen in die Höhe schossen!

Diese hohen Niveaus zerschmetterten das vorherige Rekordhoch von 341,1 Tonnen in Q1 2016. Es gibt keinen Zweifel, dass der Goldpreis im letzten Quartal stark eingebrochen wäre, wenn es nicht die epische Gold-ETF-Nachfrage gegeben hätte. Und zwei amerikanische Gold-ETF-Giganten dominierten die weltweite Gold-ETF-Nachfrage, der GLD SPDR Gold Shares und der IAU iShares Gold Trust. Deren Beständen zu folgen, ist heutzutage essentiell für das Ausnutzen der Goldtrends.

In jedem Quartal listet der WGC die weltweit größten, physisch gedeckten Gold-ETFs nach ihren Bullionbeständen. Ende Q2 besaßen GLD und IAU jeweils 32,5% und 12,6% allen Goldes, das sich im Besitz der weltweiten Gold-ETFs befand! Der nächste Konkurrent, der nach den beiden ETFs an dritte Stelle folgt und aus dem UK stammt, hält einen Anteil von nur 6,3%. Und der kombinierte Anteil von GLD und IAU von 45,1% des Weltanteils untertreibt deren Wichtigkeit tatsächlich, weil sie so aktiv gehandelt werden.

Von Q1 2020 bis Q2 2020 stiegen die Gesamtgoldbestände der weltweiten ETFs um 13,7% auf 3.620,7 Tonnen physischen Bullion. Das war ein quartalsweiser Rekord von 435,9 Tonnen. Doch die Anstiege in Q2 von GLD und IAU übertrafen den Gesamtwert; deren Bestände stiegen um 21,9% oder 211, 9 Tonnen und 16,6% oder 64,9 Tonnen. Diese massiven 276,8 Tonnen der beiden Unternehmen machten fast 64% der gesamten Gold-ETF-Zuflüsse aus!

Die Goldnachfrage und der Goldpreis wären also demnach kollabiert, wenn es nicht diese epische Gold-ETF-Nachfrage gegeben hätte; und gemeinsam machten GLD und IAU fast zwei Drittel davon aus. Jeder, der also an den Preistrends von Gold, Silber und deren Bergbauaktien interessiert ist, sollte den GLD und den IAU im Auge behalten. Die Edelmetalle können ohne deutliche Zuflüsse von Aktienmarktkapital hin zu diesen zunehmend dominanten ETFs nicht wesentlich steigen.

Die Gold-ETF-Dynamik dahinter ist einfach, wird jedoch wenig verstanden. Die Mission von Gold-ETFs ist es, den zugrundeliegenden Goldpreis zu verfolgen. Doch das Angebot von und die Nachfrage nach Gold-ETF-Anteilen ist unabhängig von Angebot/Nachfrage von/nach Gold. Wenn die Käufe oder Verkäufe von Gold-ETF-Anteilen also die von Gold übertrifft oder ihnen nachhinkt, werden sich die ETF-Anteilspreise vom Goldpreis ablösen und in ihrer Mission scheitern. Es gibt nur eine Möglichkeit, diese wichtige Verbindung beizubehalten.

Überschüssiges Angebot oder Nachfrage von Gold-ETF-Anteilen müssen direkt zum zugrundeliegenden physischen Gold rangiert werden, auf einer fast Echtzeitbasis. Dies gleicht Angebots- und Nachfrageunterschiede an und synchronisiert ETF-Anteilspreise mit dem Goldpreis. Wenn die ETF-Anteilspreise den Goldpreis übersteigen, drohen sich Anteilspreise nach oben hin vom Goldpreis abzulösen. Gold-ETF-Manager umgehen dieses Problem, indem sie genug neue Anteile ausgeben, um diesen Nachfrageunterschied auszugleichen.

Sie stecken das Kapital, das aus dem Verkauf dieser Anteile hervorgeht, sofort in den Kauf weiterer physischer Goldbullion. Wenn die Bestände der Gold-ETFs also steigen, dann fließt Aktienmarktkapital zu Gold. Natürlich hilft dies üblicherweise dabei, dessen Preis anzuheben. Das Gegenteil ist der Fall, wenn Gold-ETF-Anteile schneller verkauft werden als Gold, was zu einer abwärtsgerichtete Ablösung führt. Wieder müssen Gold-ETF-Manager agieren, um dies zu verhindern.

Sie verkaufen genug Gold-Bullion, um ausreichend Geld aufzubringen, um die überschüssigen Gold-ETF-Anteile zurückzukaufen. Wenn die Bestände der Gold-ETFs fallen, fließt das Aktienmarktkapital aus Gold. Da GLD und IAU ihre physischen Bestände täglich veröffentlichen, enthüllen ihre Trends, ob amerikanische Aktienhändler Gold via dieser ETFs kaufen oder verkaufen. Das ist der Schlüssel zum Goldvermögen.


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