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Von Schuhputzern und Hafenarbeitern

19.09.2020  |  The Gold Report
Es gibt eine großartige Geschichte, die Joe Kennedy, Vater des ehemaligen US-Präsidenten John F. Kennedy, und Wall-Street-Diebesbaron erster Güte umgibt. Ein engagierter Marktteilnehmer in den 1920er Jahren, wie es laut Gerüchten (und Mythen) heißt, ließ sich an einem Morgen Ende September 1929 die Schuhe putzen und las dabei das Wall Street Journal. Der junge Schuhputzer bemerkte die Zeitung, die Joe las und gab ihm einen "Aktientipp" auf eine Aktie, die im vergangenen Jahr bereits um 4.000% gestiegen war. Der "Tipp" stellte sich als ein Unternehmensereignis heraus, von dem Joe gehört hatte und vor sechs Monaten untersucht hatte; und letztlich von wenig (oder gar keinem) Wert war.

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Dies markierte den Tag, an dem Joe Kennedy sein gesamtes Portfolio liquidierte und begann, die US-Märkte zu shorten. Als Grund dafür erklärte er: "Wenn selbst der Schuhputzer Aktientipps gibt, dann weiß man einfach, dass es Zeit ist, die Party zu verlassen."

Kürzlich (vor zwei Wochen) befand ich mich in unserem Yachthafen in Honey Harbour, stapelte Boxen und Kühltruhen und stopfte Kleidung in Taschen, während ich auf die Ankunft des Hafenarbeiters wartete, der unser Golfkart aufladen und unsere "Sachen" zum LKW bringen würde. Als er ankam, reagierte dieser sehr engagierte und schlaue College-Student in seiner üblichen freundlichen Manier und fragte mich, ob ich hier bleiben oder nach Hause gehen würde. Ich entgegnete, dass die kommende Woche "wahnsinnig" werden würde. Nachdem er mit einem "Warum?" konterte, versuchte ich ihn abzuwimmeln, indem ich einige Marktbegriffe verwendete - und meinen liebsten Silberdeal erwähnte.

Doch anstatt mir einen verwirrten Blick zu geben, bekam ich ein "Oh, ja? Welcher Silberdeal?" zurück. Ein Jungspund in Arbeitskleidung, einem Cowboy-Hut, Stiefeln und Sonnenbrille zückte sein iPhone und suchte nach dem Namen, den ich erwähnt hatte. Nachdem er mit unseren "Sachen" davonzog, nahm ich an, dass er die Sache bald darauf vergessen würde.

Fünfzehn Minuten später klopfte es gegen die Schiffswand. Ich wusste, dass ich nun in Schwierigkeiten steckte, da er von diesem "Aktientipp" profitieren wollte, den ich ihm unabsichtlich gegeben hatte. Ich hatte Panik, da ich nicht wollte, dass sich meine "Sachen" im Wasser wiederfinden, weil irgendein "Silberdeal" fehlgeschlagen war und der Junge seine College-Ersparnisse auf diesen Tipp verwettet hatte. Nichtsdestotrotz hatte ich keine andere Wahl, als ihm zu helfen, das Aktiensymbol zu finden. Dann ging er. Ich nahm (inkorrekt) an, dass er das Unternehmen einfach beobachten und daraus lernen würde; doch da lag ich leider falsch.

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In der folgenden Woche, nachdem ich geparkt hatte, drehte ich mich und sah den Jungen mit einem großen Lächeln auf dem Gesicht. Er blickte mir direkt in die Auge und dankte mir dafür, ihm (und auch seinem Vater) dabei geholfen zu haben, "einige Dollar" mit diesem Trade zu verdienen. Ich murmelte etwas wie "Gern geschehen" vor mich hin und betete, dass er mich nicht nach dem nächsten "heißen Tipp" fragen würde. Ich war dankbar, dass ich gerade nochmal davongekommen war.


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