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Die zweite große Depression ... aber nicht wirklich

12.11.2020  |  John Mauldin
"Es ist eine Rezession, wenn Ihr Nachbar seinen Job verliert;
es ist eine Depression, wenn Sie Ihren verlieren."

- Harry S. Truman, 33. Präsident der USA

In den letzten Wochen haben viele Kommentatoren angedeutet, dass die USA und die Welt eine Depression betreten. In einigen Bereichen der Wirtschaft ist das offensichtlich richtig. Doch nicht in allen. Heute werden wir uns damit beschäftigen, was einige schlaue Köpfe über das aktuelle Wirtschaftsumfeld sagen. Ebenfalls möchte ich Ihnen dabei helfen, durch dessen Komplexität zu navigieren.

Einer Sache stimmen wir wohl alle zu: Diese Rezession/Depression ist anders als alles, was wir jemals in der Geschichte der USA erlebt haben. Wie haben noch nie zuvor ein derartiges wirtschaftliches Desaster erlebt - und ja, das ist die korrekte Phrase dafür. Des Weiteren wird die Erholung - wenn sie stattfindet, und das wird sie - sehr ungleichmäßig ausfallen:

- Ein Teil der Wirtschaft wird sich einige Zeit in einer Depression befinden.

- Ein anderer Teil wird sich erholen, wenn auch etwas langsamer, aber schneller als die Great Recession.

- Andere Teile der Wirtschaft werden wie eine Rakete in die Höhe schnellen.

Die Medien und Politiker sprechen tendenziell über die "Wirtschaft" als allgemeiner Begriff. Doch das halte ich für eine Fehlbezeichnung. Wie schnell es zu einer Erholung kommt, oder wie lange die Depression anhalten wird, hängt größtenteils davon ab, wo und in welchen Teil der Wirtschaft Sie sich befinden. Mein Freund George Friedman von Geopolitical Futures deutet an, dass unsere Suche nach Fragen im September beginnt:

"Ich habe argumentiert, dass die Wahrscheinlichkeit, dass die Rezession zu einer Depression werden könnte, zunimmt, wenn man bis September keine Lösung gefunden hat. Eine Rezession ist ein normaler Teil der Wirtschaft, ein primär finanzielles Ereignis, das Einschränkungen auf eine überhitzte Wirtschaft verhängt. Eine Depression, aus einem geopolitischen Standpunkt betrachtet, involviert die physische Zerstörung der Wirtschaft; etwas, das Unternehmen verwüstet, Arbeitsplätze auslöscht und Kapital vaporisiert. Eine Rezession ist ein wirtschaftlicher Verlauf. Eine Depression ist ein wirtschaftliches Zerbrechen.

Ich habe mich für September entschieden, weil zwei Quartale intensiver Wirtschaftskontraktion instruktiv sind. Laut Volkswirtschaftlern wird eine Rezession als zwei aufeinanderfolgende Quartale negatives Wachstum definiert. Das ist allgemein genug Zeit, um zu verstehen, wie widerstandsfähig eine Wirtschaft ist. Es ist ebenso der Punkt, an dem sich Wirtschaften in normalen Zyklen zu erholen beginnen. Unter normalen Umständen bleiben grundlegende Wirtschaftsstrukturen während Rezessionen intakt, also können Finanzstimuli das System neu starten."


In der Geschichte der USA gab es fünf Depressionen: 1807-1814; 1837-1844; 1873-1879; 1893-1898; 1929-1941. Ich denke, dass sie alle mit Bankenkrisen und Finanzpaniken zu tun hatten. Damit wir verstehen können, warum sich die aktuelle Situation so stark von allem unterscheidet, was wir je gesehen haben, ist eine kleine Geschichtslektion erforderlich: Die ersten vier "Depressionen" waren tatsächlich Bankenpaniken. Doch sie hingen ebenfalls mit dem landwirtschaftlichen Zyklus zusammen.

Bauern liehen sich im Frühling Geld und zahlten dieses nach der Ernte zurück. Geld floss von Geldzentren in großen Städten - vor allem New York - zu kleineren Banken auf dem Land. Und dann wieder zurück. In dem Buch "The Good Years" von Walter Lord wird beschrieben, wie JP Morgan essentiell Banker und Financiers dazu zwang, das Land zu retten. Es war eine ziemlich erschütternde Geschichte. Und das führte dazu, dass Regierungen und Banken die Federal Reserve im Jahr 1913 gründeten, um einen Kreditgeber letzter Instanz zu haben.

Die Dinge veränderten sich. Nicht lange danach wurden die USA weniger vom landwirtschaftlichen Zyklus und mehr vom Produktionszyklus dominiert. Wie mein Freund Dr. Woody Brock sagt: Wenn Henry Ford 10.000 Arbeiter kündigte, dann bedeutete das auch, dass Stahlarbeiter, Reifenhersteller in Akron, etc. gefeuert wurden. Das sickerte durch die Wirtschaft und es kam zu dem, was wir als Weltwirtschaftskrise bezeichnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden "Rezessionen" häufiger. Bis zum Jahr 2000 wurden Rezessionen mit Produktionszyklen assoziiert. Doch diese fielen über die Zeit hinweg milder aus, weil der Produktionssektor immer weniger Einfluss auf die Wirtschaft hatte. Im Jahr 2020 waren 85% der US-Wirtschaft im Dienstleistungssektor verankert. Die Great Recession wurde von einem finanziellen Überschuss verursacht, doch wir kämpften uns hindurch. Und dann kam die aktuelle Krise. Und etwas, das noch nie zuvor geschehen war...

Wir haben praktisch 30% bis 40% der Dienstleistungswirtschaft stillgelegt. Weggefegt. Restaurants, Hotels, Fitnessstudios, Fluglinien, Tourismus, alle möglichen persönlichen Dienstleistungen. Die Liste ist endlos. Die Independent Restaurant Coalition führte eine Umfrage via Compass Lexecon durch, einem in Chicago ansässigen Beratungsunternehmen. Der Bericht prognostiziert eine düstere Zukunft für etwa 500.000 (der 660.000) Main-Street-Restaurants, sollte kein robusteres Finanzhilfeprogramm etabliert werden.

Das sind mögliche 85% der unabhängigen Lebensmitteletablissements, die für immer verschwinden würden. Mir wurde von einem Mitglied der National Restaurant Association gesagt, dass etwa 30% bis 40% der Restaurants ohne weitere Hilfe wahrscheinlich bis Ende des Jahres schließen werden. Yelp ist eine überraschend gute Quelle für Informationen bezüglich Geschäftsschließungen. Etwa 55% der Geschäfte, die auf Yelp als geschlossen gelten, haben ihre Türen für immer verschlossen.


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