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Doug Casey: Die verdorbene Sprache

01.10.2020
Lassen Sie uns heute Worte diskutieren. Viele Wörter, die wir hören, vor allem im Fernsehen und via anderer Medien, werden verwechselt, vermischt oder vollkommen falsch verwendet. Viele Veränderungen der Art und Weise, wie wir Wörter verwenden, haben die Sprache verdorben. Das Verderben der Sprache kommt zum Verderben der Zivilisation an sich hinzu.

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Wörter sind extrem wichtig, weil sie uns das wichtigste Kommunikationsmedium zur Verfügung stellen. Wenn Sie nicht meinen, was Sie sagen und sagen, was Sie meinen, dann ist es unmöglich, exakt zu kommunizieren. In der englischen Sprache gibt es mehrere Millionen Wörter. Ich habe einige gewählt, die vor allem für Investoren und Freiheitsliebende relevant sind. Viele dieser Wörter sind auch bei den politischen Klassen beliebt.

Beispielsweise, "die Wirtschaft stimulieren." Diese Phrase kommt aus den 1960er Jahren. Es bedeutet praktisch nur "Geld drucken." Dieser Begriff wird nicht mehr so häufig verwendet, da man sehen kann, dass es nicht länger in Stimulus resultiert; vielmehr dem Gegenteil. Nun wird es als quantitative Lockerung bezeichnet. Und jeder verwendet diesen Begriff ohne die Tatsache zu hinterfragen, dass es "Geld drucken", "Inflation von Währung" oder "Abwertung von Währung" bedeutet.

Sie nennen es ohne Ironie "quantitative Lockerung." Das lässt mich annehmen, dass die diskutierenden Klassen tatsächlich recht dumm sind. Ich diskutiere das Wort - "dumm" - später mit Ihnen. Die "Machthaber" verwenden ein Wort und alle plappernden Affen folgen ihrem Beispiel und verwenden dasselbe Wort. Ich empfehle Ihnen, das nicht zu tun. Wenn Sie die Sprache des Feindes verwenden, dann spielen Sie auf seinem Spielfeld. Und so kann man keinen Kampf gewinnen.

Sie haben beispielsweise vielleicht erkannt, dass man in den letzten 10 Jahren von Gold in Tonnen sprach. Nicht Unzen, Tonnen. Das ist vor allem für Otto Normalverbraucher doppelt verwirrend. Denn diese Leute sind praktisch unfähig zu zählen. Die meisten Menschen sind sich nicht bewusst, dass es im Englischen zwei Arten von Tonnen gibt. Es gibt die metrischen Tonnen - englisch "Tonnes" - was 1.000 Kilo oder 2.204 Pfund entsprechen. Und "Tons", die 2.000 Pfund entsprechen. Und oftmals sehe ich, dass jemand diese "Tons" verwendet, anstatt "Tonnes." Da gibt es einen Unterschied, den jedoch keiner zu kennen scheint; auch nicht die ignoranten Journalisten.

Doch man sollte weder die "Tonnes" noch die "Tons" verwenden. Wenn man etwas in Unzen bepreist, in Unzen verwendet und die Bergbauunternehmen ihre Produktion in Unzen angegeben, dann ist es idiotisch hier "Tonnen" zu verwenden. Niemand kauft, verkauft oder benutzt eine Tonne Gold. Auch wenn Gold in Dollar je Unze bepreist ist, gibt es immer noch Trottel, die hier von Tonnen sprechen - und nicht wissen, wie viele Unzen das überhaupt sind. Oder wissen, was eine Tonne Gold überhaupt wert ist. Doch es dient dazu, das Thema Gold noch verwirrender und irrelevanter für Otto Normalverbraucher zu machen.

Sprechen wir über Anleihen. Ich bin derzeit short gegenüber Anleihen positioniert. Doch erinnern Sie sich daran, als Schuldeninstrumente Anleihen und Schuldscheine genannt wurden? Das ist eine wichtige, jedoch vollständige verloren gegangene Unterscheidung. Eine Anleihe ist ein Schuldeninstrument, das zusätzlich zum Guthaben des Unternehmens von einem spezifischen Asset garantiert wird. Ein Schuldschein ist ein Schuldeninstrument, das durch das allgemeine Guthaben des Herausgebers garantiert wird.

Was ist mit Schuldscheinen passiert? Anscheinend existieren sie nicht länger. Warum? Weil sie nun Anleihen genannt werden - die besser als Schuldscheine sind - auch wenn fast alle Schuldeninstrumente heute Schuldscheine sind. Es ist subtil, unehrlich und steht stellvertretend für das, was derzeit allgemein im Kredituniversum geschieht. Die Dinge werden besser dargestellt, als sie tatsächlich sind.

Ein weiteres Beispiel sind Termineinlagen und Sichteinlagen. Einige von Ihnen erinnern sich vielleicht noch an die richtigen Verwendungszwecke dieser Begriffe. Doch nun wurden sie vollständig vermischt. Das Bankwesen besteht tatsächlich aus zwei vollkommen separaten Unternehmen, die zu einem kombiniert wurden. Bei Termineinlagen händigen Sie der Bank X Dollar für eine spezifische Zeitspanne aus und die Bank garantiert Ihnen dann eine bestimmte Menge Zinsen. Warum? Damit es dieses Geld zu höheren Zinsen über denselben Zeitraum verleihen kann. Das passiert meist allgemein im Rahmen eines selbst-liquidierenden, gesicherten Unternehmenskredits. Verbraucher- und Hypothekenkredite sind für einen vernünftigen Banker außer Frage.

Termineinlagen existieren noch immer - irgendwie - in Form von Geldmarkteinlagen, doch haben sich im Volksmund allgemein zu Sparkonten entwickelt. Und selbst die sind verschwunden und wurden mit Sichteinlagen vermischt - von den meisten Leuten als Girokonto bezeichnet. Das sind zwei verschiedene Paar Schuhe. Zumindest wenn man eine vernünftige Bank führt. Bei einem Girokonto erhält man von der Bank keine Zinsen; man zahlt der Bank vielmehr eine Gebühr.

Warum? Um das Geld einzulagern und Überweisungen tätigen zu können. Als würde man seine Möbel bei einem Lagerunternehmen einlagern und dieses dafür bezahlen. Nun ist diese Unterscheidung vollkommen verloren gegangen und das Lagerunternehmen kann ihre Möbel tatsächlich verleihen. Diese Tatsache - sowie das Reservebanksystem - ist der Grund, warum die Banken der Welt illiquide und praktisch bankrott sind.

Investment. Ersparnisse. Jeder verwendet diese Worte, oftmals synonym. Doch niemand definiert sie, weil nicht verstanden wird, was sie tatsächlich bedeuten. Also werden sie falsch verwendet und vermischt. Was ist Investment? "Investment" ist die Allokation einer bestimmten Menge Kapital an ein produktives Unternehmen, die dazu gedacht ist, mehr Kapital zu erschaffen.

Es ist wie das Pflanzen eines Samens. "Ersparnisse" bedeutet einfach, dass man die Früchte vergangener Produktion auf die hohe Kante legt. Sie sollten mehr produzieren, als Sie konsumieren. Wenn man den Überschuss beiseite legt, kann man investieren. Doch nun haben sich die Konzepte von Ersparnissen und Investment vermischt. Der Unterschied ist undefiniert und in den Geistern der Bevölkerung demnach unsicher.

Spekulation. Viele Menschen denken: "Spekulation? Oh, das ist Glücksspiel." Nun, eigentlich nicht. Spekulation ist das Verteilen von Kapital, um nicht mehr Kapital zu erwirtschaften, sondern Vorteile aus Verzerrungen und Fehlallokationen zu ziehen, die am Markt geschaffen werden - üblicherweise durch Eingreifen der Regierung. Glücksspiel ist das Teilnehmen an Zufallsspielen - Roulette, Würfelspiele, etc. Da die meisten Menschen an den Märkten keine Ahnung von dem haben, was sie tun, betreiben sie tatsächlich Glücksspiel - und verwenden ihr Brokerhaus als Casino. Vielleicht verwechseln die Leute deshalb diese beiden Begriffe.


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