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Hoffnungswerte treiben Risikofreude - Klartext Richtung "Times"

29.09.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1675 (06:15 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1623 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,49. In der Folge notiert EUR-JPY bei 123,17. EUR-CHF oszilliert bei 1,0786.

Nachdem am Freitag wegen der sich abzeichnenden globalen Konjunkturverflachung (u.a. Lockdown Diskussion, aber ex-China!), der kritischer bewerteten Corona-Lage, der Unübersichtlichkeit bei den anstehenden US-Präsidentenwahlen, der US-Eskalation gegenüber China und kritischer Markttechnik Risikoaversion vom Markt gelebt wurde, ergab sich bereits im späten Handel am Freitag in den USA ein seichter Umdenkprozess, der dann gestern an Dynamik gewann.

Jetzt steht Risikofreude im Fokus. Entsprechend konnten die Aktienmärkte Boden gewinnen. Der USD verlor leicht an Boden. Die am Freitag virulenten Probleme sind weiter virulent, aber nicht mehr im Fokus des schnelllebigen Finanzmarkts. Es ist beinahe wie in der Modebranche, heute Mini, morgen Maxi.

Zwei Katalysatoren belebten die Finanzmärkte. Die US-Demokraten legten eine Gesetzesvorlage in Höhe von 2,2 Billionen USD vor. Der Vorschlag beinhalte laut Nancy Pelosi Maßnahmen, um eine Katastrophe von Schulen, kleinen Unternehmen, Restaurants, Veranstaltungsorten und von Mitarbeitern der Fluggesellschaften und anderen abzuwenden. Das ist ein voluminöses Vorhaben und liefert Phantasie für wirtschaftliche Belebung. Es ist aber auch bezüglich der Positionierung der Republikaner und der gegebenen Mehrheitsverhältnisse im US-Kongress nur eine Luftnummer, die Unterhaltungswert hat, aber vor den Wahlen und voraussichtlich darüber hinaus keine Cash-Flows generieren wird.

Ein Artikel der "Times" lieferte Hoffnungswerte auf einen EU/UK-Handelsdeal. Das GBP konnte kurzfristig Boden gut machen, die Laune am Finanzmarkt stieg.


Brexit: Hoffnungen auf einen Deal - Klartext Richtung "Times"

Vor der angeblich letzten Verhandlungsrunde über ein Handelsabkommen zwischen dem UK und der EU signalisiert Brüssel laut der "Times" Entgegenkommen. Verhandlungsführer Barnier sei bereit, diese Woche an einem gemeinsamen Entwurf eines Freihandelsabkommens zu arbeiten.

Diese Meldung ist nicht neu. Michel Barnier hat während des gesamten Verhandlungsprozesses die professionelle Bereitschaft Brüssels für einen auskömmlichen Interessensausgleich beider Parteien betont und gelebt und war dabei sehr geduldig und auch leidensfähig. Das aggressive und in Teilen verletzende Verhalten bezüglich diplomatischer Konventionen Londons war und ist ein Problem. Wir sind enttäuscht, dass die Times zu diesem diplomatischen und medialen Affront so laut und ausgiebig schweigt, denn an dieser Stelle besteht definitiv Handlungsbedarf. Ist dieser Artikel vor diesem Hintergrund ein politisches "Tool"?

Dem Bericht zufolge hätte die EU die Drohung zurückgezogen, Handels- und Sicherheitsgespräche auszusetzen.

Die Wortwahl Drohung ist seitens der Times interessant, denn die entscheidenden Drohungen kamen aus London, die seit 2016 öffentlich machten, was sogenannte "Rote Linien" seien und dass man in London bereit sei, den ungeregelten Brexit zu akzeptieren (= Drohung). Brüssel drohte nicht, sondern reagierte auf britische Drohungen. Hier entwickelt die Times ein nicht tolerierbares Narrativ.

Die Gespräche der Delegationen beider Seiten beginnen heute in Brüssel und dauern bis Freitag.

Diese Meldung beanstanden wir nicht ansatzweise. Hoffentlich ist es nicht wie bisher verschwendete Zeit, Mühe und Geld, denn das war seit 2016 latent der Fall. Londons Politik seit 2016 hat massive wirtschaftliche und finanzielle Schäden zur Folge gehabt und den Ruf Europas geschädigt. Danke für nichts London!

Zuletzt hatte sich Streit unter anderem an den Themen Fischerei und fairem Wettbewerb entzündet.

Das ist richtig. London will Zugang in die EU ohne Regeln der EU anzuerkennen. Würde das mit den USA klappen, dass das UK den US-Markt penetrieren könnte, ohne US-Regeln und US-Recht zu akzeptieren? Fragen sie Bayer, Volkswagen oder Huawei? Diese Forderung Londons ist Ausdruck nicht unerheblicher Hybris, die seitens der EU Selbstverachtung voraussetzte.

Zudem stieß das Gesetzesvorhaben des britischen Premiers Johnson, der das Abkommen mit der EU in Teilen aushebeln wollte (Bruch internationalen Rechts), auf harte Kritik der EU.

Diese vertragliche Unzuverlässigkeit Londons (vergleichbar mit USA) sollte für Brüssel eine Mahnung darstellen, die Interessen der EU-Bürger nicht auf dem Altar der britischen Hybris zu opfern. Was ist ein Abkommen mit dem UK wert, wenn Abkommen seitens des UK nicht honoriert werden?

Als Fazit lässt ich ziehen, dass der Times Artikel in weiten Teilen tendenziös ist und implizit Charaktermerkmale britischer Selbstgerechtigkeit ausdrückt. Vorsicht!


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Ein Blick in die Peripherie - starke Daten

In Österreich stieg der Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe per September von zuvor 51,0 auf 51,7 Punkte. In Irland nahmen die Einzelhandelsumsätze per August im Monatsvergleich um 1,3% nach zuvor 4,4% (revidiert von 1,5%) zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 9,1% nach zuvor 9,4% (revidiert von 6,4%).


USA: Starker regionaler Index

Der Dallas Fed Manufacturing Business Index legte per September von zuvor 8,00 auf 13,6 Punkte zu und markierte den höchsten Indexstand seit November 2018.


Südkorea: Stimmung aufgehellt - reale Lage etwas verschlechtert

Der von der BOK ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe nahm per Oktober von zuvor 68 auf 70 Zähler zu und erreichte den höchster Indexwert seit Februar 2020. Die Industrieproduktion sank per August im Jahresvergleich um 3,0% (Prognose -2,8%) nach zuvor -2,4% (revidiert von -2,5%).


Japan: Keine neuen Erkenntnisse

Die Verbraucherpreise stiegen per September im Jahresvergleich um 0,2% nach zuvor 0,3%. Die Kernrate sank um 0,2% nach zuvor -0,5%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in dem Währungspaar EUR-USD impliziert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1850 - 80 eröffnet neues Aufwärtspotential.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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