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Corona kein Thema für Märkte - US-Wahlen auch nicht - Brexit Klartext

12.10.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1819 (06:18 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1771 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,48. In der Folge notiert EUR-JPY bei 124,66. EUR-CHF oszilliert bei 1,0762.

Die Finanzmärkte, allen voran der Aktienmarkt, diskontieren die verschärfte Corona-Lage bezüglich der Zahl der positiv getesteten Personen, der zunehmenden Inanspruchnahme der Krankenhausfazilitäten und der der im Raum stehenden Einschränkungen des öffentlichen als auch des ökonomischen Lebens in erstaunlicher Form. Offensichtlich wird daraus Stärke für die Finanzmärkte abgeleitet. Das war im März/April völlig anders. Es hatte den dynamischsten Einbruch in der Historie der Aktienmärkte zur Folge. Es führte zu einer Wiederbelebung des Genres der Weltuntergangspropheten. Wir nehmen die aktuelle Form der Risikoverarbeitung zur Kenntnis.

Das Thema der US-Wahlen wird unter Risikogesichtspunkten vollständig ausgeblendet. Das ist irritierend, denn nie zuvor haben sich bezüglich der Verfassung der USA größere Fragen gestellt. Diese Fragen haben einen Zusammenhang mit der strukturellen und konjunkturellen US-Wirtschaftslage. Es geht auch um das durch Trump schon geschliffene Eigentumsrecht (u.a. TikTok).

In ambitionierter Form fokussiert sich der Markt auf das nächste US-Hilfspaket. Damit wird konstatiert, dass die selbsttragenden Kräfte der US-Wirtschaft nicht ausreichend sind. Die aktuelle Politlage deutet an, dass es noch dauern wird.

Währenddessen kollabieren die US-Finanzen weiter, die Grundlage des neuen Hilfspakets sein sollen. Per 8. Okt0ber 2020 wurde ein neuer historischer Höchstwert bei 27.073,1 Mrd. USD markiert (NVS 2020 bei 3.872 Mrd. USD oder knapp 19,4% des BIP).

„Chapeau! Ist das alles bis zum Ende risikotechnisch erfasst?“


Brexit: X-te Verlängerung der Verlängerung!

Seit 2016 „terrorisiert“ das UK die EU bezüglich des Brexits mit Verhöhnen, Unprofessionalität, dem Prinzip des „Brinkmanship“ und grundsätzlicher Respektlosigkeit. Dabei wurden für beide Wirtschaftsräume durch London messbare wirtschaftliche Schäden, aber auch Reputationsschäden generiert. Das Maß an Toleranz/Gelassenheit, dass die EU gezeigt hat, ist bemerkenswert.

Sofern die EU in elementaren Feldern zu Lasten der Menschen in Kontinentaleuropa (Fortsetzung des EU-Selbstbedienungsladens für das UK) auf den letzten Metern nachgäbe, würde die Zukunft der Errungenschaften der EU in Wirtschaft, Politik und Binnenfrieden riskiert. Es wäre für jeden überzeugten Europäer ein Schlag in das Gesicht, denn es wäre eine Unterordnung unter Interessen dritter Kräfte unter Missachtung der eigenen Interessen und Errungenschaften (Möglichkeiten für UK, Standards der EU zu arbitrieren).

Die EU und das UK sollten laut Ansicht des französischen Europaministers Beaune bis Anfang November eine Einigung über ihre künftigen Beziehungen festzurren. Das ist dann die X-te Verlängerung der Verlängerung. Nimmt man sich in Brüssel, aber wichtiger die EU-Bürger eigentlich noch ernst?

Beaune sagte, dass die EU keine schlechte Vereinbarung zulassen würde, nur um einen Kompromiss zu erreichen. Man dürfe in den letzten Verhandlungstagen nicht die Ruhe verlieren, denn dann würden manchmal schlechte Zugeständnisse gemacht.

Ja, ich höre diese Positionierung und ich erwarte, dass sie nicht aufgegeben wird!

Johnson hatte Frankreichs Präsident vorgestern zugesichert, er werde alle Möglichkeiten für ein Handelsabkommen mit der EU ausloten. Aber in den kommenden Tagen müsse es Fortschritte geben, um Unterschiede in den jeweiligen Standpunkten zu überbrücken. Johnson hat für eine Einigung eine Frist bis zum EU-Gipfel am 15. Oktober gesetzt. Was der Johnson nicht alles setzt. Er ver“setzt“ aber noch mehr. Was ist sein Wort wert, wenn seine Unterschrift unter bindende internationale Verträge nichts wert ist? Physisch mag er ein Schwergewicht sein, mehr nicht!

Kommen wir zu pragmatischen Lösungen: Die EU und Großbritannien wollen laut Times bei einem Scheitern der Brexit-Gespräche kleinere Vereinbarungen im Bereich des Luft- und Straßengüterverkehrs umsetzen. Im November wolle man versuchen, „Mini-Deals“ zu vereinbaren, um beispielsweise Störungen im Lieferverkehr zu verhindern. Das erscheint sinnvoll. Pragmatismus ist besser als EU-Unterordnung!

Das Handeln der britischen Regierung impliziert, dass man von einem Scheitern der Verhandlungen mit der EU ausgeht. Die Regierung hat die Unternehmer aufgefordert, sich auf das Ende der Brexit-Übergangsphase vorzubereiten. Die Unternehmen müssten jetzt (!?!?) handeln, um sicherzustellen, dass sie sind für den Neustart des UK im Januar bereit seien. Die Übergangsphase würde nicht verlängert. Es sei also keine Zeit zu verschwenden.“ Es ist gut, dass unsere EU-Unternehmen nicht so spät dran sind!

Fazit: Man darf sich auf das neue Jahr freuen, denn dann ist dieses Thema, das uns von wichtigen anderen Themen in Kontinentaleuropa fernhielt, endlich Historie! Ciao UK!


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Italien sticht positiv hervor

In Frankreich legte die Industrieproduktion per August im Monatsvergleich um 1,3% (Prognose 1,7%) nach zuvor 3,8% zu.

In Italien stieg die Industrieproduktion per August im Monatsvergleich um 7,7% (Prognose 1,3%) nach zuvor 7,0% (revidiert von 7,4%). Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 0,3% (Prognose -6,6%) nach zuvor -8,3% (revidiert von -8,0%).

Die deutschen Großhandelspreise waren per September im Monatsvergleich unverändert. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 1,8% nach zuvor -2,2%.


UK: Prognose klar verfehlt

Das BIP sank per Berichtsmonat August im Jahresvergleich um 9,3% (Prognose -7,3%) nach zuvor –11,7%.

Die Industrieproduktion sank per August im Jahresvergleich um 6,4% (Prognose -4,6%) nach zuvor -7,4% (revidiert von -7,8%).


USA:

Die Lagerbestände im US-Großhandel nahmen per August im Monatsvergleich um 0,4% (Prognose 0,5%) nach zuvor 0,5% zu. Der Absatz verzeichnete einen Anstieg im Monatsvergleich um 1,4% (Prognose 2,0%) nach zuvor 4,8% (revidiert von 4,6%).


China: Starker Dienstleistungssektor

Der von Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor legte per September von zuvor 54,0 auf 54,8 Punkte zu.


Japan: So lala

Die Erzeugerpreise sanken per September im Monatsvergleich 0,2% (Prognose 0,0%) nach zuvor 0,1% (revidiert von 0,2%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 0,8% (Prognose -05%) nach zuvor –0,6% (revidiert von -0,5%).

„Machinery Orders“ stiegen per Berichtsmonat August im Monatsvergleich um 0,2% (Prognose -1,0%) nach zuvor 6,3%. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 15,2% (Prognose -15,6%) nach zuvor -16,2%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in dem Währungspaar EUR-USD impliziert. Ein Überwinden der Widerstandszone bei 1.1850 – 80 eröffnet neues Aufwärtspotential.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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