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Deflation oder Neujahrsrallye bei Gold?

23.11.2020  |  Markus Blaschzok
Über dreieinhalb Monate dauert bereits die Korrektur des starken Anstiegs des Goldpreises um 545 US-Dollar (+35%) in 2020. In den vergangenen acht Jahren bildete der Goldpreis fast immer Mitte Dezember bis Neujahr einen Boden aus, um im neuen Kalenderjahr wieder kräftig anzusteigen. Dieses Phänomen ist neu und zeigt, dass die landläufig bekannte Saisonalität, die dem Goldpreis von Anfang September bis Ende Dezember steigende Nachfrage und tendenziell steigende Preise bescheinigt, wertlos und falsch ist.

Angesichts der relativ langen Korrekturphase wäre eine Fortsetzung des Musters zum Jahreswechsel möglich. Es gibt jedoch auch politische Risiken, die dagegensprechen und den Goldpreis noch einmal bis in das neue Jahr hinein belasten könnten. Die Umverteilung von Geld über die Druckerpresse, zur Linderung der kurzfristigen Einbußen von Unternehmen und Verbrauchern, die unter dem erneuten Lockdown in Teilen Europas und den USA leiden, verzögert sich aktuell hüben wie drüben. Dadurch fehlt in der aktuellen Rezession neues Zentralbankgeld zur Bekämpfung deflationärer Tendenzen, die mit der wachsenden Kreditkontraktion aufgrund zunehmender Unternehmenspleiten wieder stärker werden.

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In sieben der letzten acht Jahre beendete der Goldpreis zum Jahreswechsel seine Korrektur


In den USA ist die Wahl des 46. Präsidenten immer noch nicht entschieden und Republikaner sowie Demokraten kämpfen mit allen Mitteln um das höchste Amt sowie die Mehrheit im US-Senat. Die Fronten sind verhärtet und es herrscht kalter Krieg zwischen den beiden großen Parteien Amerikas. Das von den Börsenbullen lang erhoffte Wirtschaftspaket in Höhe von zwei Billionen US-Dollar liegt damit auf Eis und wird womöglich erst nach der Vereidigung des neuen Präsidenten am 20. Januar 2021 beschlossen werden können, wobei auch dann noch einmal Zeit vergehen dürfte, bis letztlich die Schecks an die Bevölkerung verschickt werden.

Je nachdem wer die Wahl für sich entscheiden und die Mehrheit im Senat erringen kann, wird das Hilfspaket womöglich viel kleiner ausfallen, als es sich die Börsenbullen wünschen.

In Europa ist die Lage ähnlich, denn hier sperren Ungarn und Polen die Verabschiedung von 1,8 Billionen Euro für den EU-Haushalt und den „Corona-Wiederaufbaufonds“. Polen lehnt eine weitergehende Integration über den Rechtsstaatsmechanismus ab, mit dem die EU in letzter Konsequenz die Mittel kürzen kann, wenn ein Mitgliedsland nicht auf Linie ist. Polen und Ungarn wünschen unabhängige Nationen in einem Zusammenschluss von Staaten in einem Binnenmarkt zu sein, wogegen sie den EU-Superstaat ablehnen. Man nutzt die Gunst der Stunde und ruft zum Marsch auf Brüssel, um einen Kampf gegen eine zu mächtig gewordene politische Union zu führen.

Der polnische Ministerpräsident Mateusz Morawiecki erklärte, die schwachen Mitglieder der Union würden durch den Rechtsstaatsmechanismus in die Ecke gedrängt werden und man kenne "solche Propagandaknüppel aus dem Kommunismus sehr gut". Viktor Orban fürchtet gar, die EU könnte eine "zweite Sowjetunion" werden. Während die Verfechter eines EU-Superstaats kaum bereit sind eine Verwässerung des Rechtsstaatsmechanismus hinzunehmen, gehe es Polen und Ungarn an diesem Punkt nicht mehr um Geld, sondern um deren Identität und nationale Souveränität.

Die Europäische Union befindet sich an einem politischen Scheideweg, ebenso wie die USA, die aktuell so gespalten sind, wie zuletzt vor dem Bürgerkrieg. Bei der US-Wahl stehen sich die Parteien mit Werten und Ideen gegenüber, die nicht gegensätzlicher sein könnten. Die politische Handlungsunfähigkeit sorgt sowohl in Europa sowie den USA dafür, dass die rezessiven Marktkräfte wieder Überhand gewinnen und deflationäre Effekte ein kurzfristiges Problem für die Hausse an den Märkten werden könnten.

Im März hatte die US-Regierung ein Stimuluspaket in Höhe von 2,2 Billionen US-Dollar geschnürt, doch acht Monate später beginnt es bereits seine inflationäre Wirkung zu verlieren. Die Banken könnten durch eine weitere Pleitewelle und weitere Kreditausfälle in Schieflage geraten und somit die Aktienmärkte wieder unter Druck bringen. Deshalb drängt der CEO von JP Morgan, Jamie Dimon, den US-Kongress auch zur Verabschiedung eines zweiten Stimuluspaketes, selbst wenn die Wahl noch nicht entschieden ist.

In Europa sieht die EZB Kredite im Volumen von 1,4 Billionen Euro als gefährdet an, was die besonders schwachen europäischen Banken an den Rand des Abgrunds bringen könnte, wenn die Geldbasis nicht wieder erhöht wird.

Die fehlende Inflation zum Jahresende in Kombination mit den neuerlichen Lockdowns könnte nun noch einmal zu einer Korrektur am Aktien- sowie am Edelmetallmarkt in den nächsten Wochen führen. In der letzten Woche gab es bereits den stärksten Abfluss aus physisch hinterlegten Gold-ETF-Produkten seit dem Jahr 2013 und das Sentiment am Terminmarkt ist immer noch extrem bullisch, weshalb auch von dort Angebot auf den Markt kommen könnte. Wir rechnen jedoch damit, dass womöglich gegen Jahresende oder spätestens Ende Januar den Märkten wieder neue Liquidität zur Verfügung stehen und somit weitere Pleiten und Ausfälle verschoben werden können.

Die neuen Schulden werden über die Schaffung von Geld aus dem Nichts über die Notenbanken, als Käufer der emittierten Staatsanleihen, finanziert werden, was den Euro sowie den US-Dollar abwerten wird. Gold und Silber dürften dann ihre Korrektur beenden und wieder die Vorjahreshochs anvisieren im kommenden ersten Quartal. Im neuen Jahr 2021 erwarten wir eine weitere massive Inflation der Zentralbankgeldmenge und somit weiter steigende Edelmetallpreise.


Technische Analyse zu Gold: Auf der Lauer - der Kaufzeitpunkt rückt näher!

Terminmarkt: Schwäche in den letzten Handelswochen

Der Preis stieg zur Vorwoche um 3 $, während die Spekulanten ihre Nettoposition um 11 Tsd. Kontrakte erhöhten. Das ist zu wenig und zeigt Schwäche zur Vorwoche. Diese Schwäche ist in dieser Woche jedoch auf den Positionsaufbau bei den BIG4 in Höhe von 4 Tagen der Weltproduktion zurückzuführen. Nach der sehr schwachen Vorwoche hätte sich in dieser Woche relative Stärke gezeigt, was durch die BIG4 verhindert wurde.

Der CoT-Index fiel leicht auf 22 Punkte und verschlechterte sich damit. Der CoT-Index für die Kleinspekulanten fiel von 90 auf 89 Punkte, was zeigt, dass immer noch viele Kleinspekulanten bullisch sind, was eher als ein Kontraindikator zu werten wäre. Das darf man in dem Umfeld der QE-Programme jedoch nicht so eng sehen. Ohne QE wäre das jedoch ein sehr bärisches Indiz.

FAZIT: Die Terminmarktdaten haben sich verschlechtert und der Preis blieb schwach, da wahrscheinlich gegengehalten wurde. Der Aufbau der Netto-Shortposition bei den BIG4 irritiert uns weiterhin, denn vor der Corona-Krise wäre dies ein sicheres Indiz für weiter fallende Preise gewesen. Wir stellen uns die Frage, ob diese Trader womöglich mehr wissen und auf die Märkte doch noch mehr Deflationsdruck zukommen wird, der den Goldpreis noch deutlich tiefer drücken könnte? Wir haben dieses Warnsignal jedenfalls im Hinterkopf!

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Die Terminmarktdaten Gold sind im neutralen Bereich und zeigten Schwäche zur Vorwoche



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