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Jeff Thomas: Die sozioökonomische Zielscheibe

28.11.2020
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Stellen Sie sich vor, es ist der 5. August 1945 und Sie sind die einzige Person in Hiroshima, die weiß, dass die USA am folgenden Tag eine Atombombe in ihren Garten fallen lassen werden. Es ist selbstverständlich, dass Sie das schnellste, verfügbare Transportmittel nutzen würden, um die Stadt so schnell wie möglich zu verlassen. Wohin würden Sie gehen? Das wäre nicht sonderlich wichtig. Das Ziel wäre es, sich so weit von Hiroshima zu entfernen wie möglich, da Sie nicht wissen, wie weitläufig der Schaden ausfallen wird.

Jahrelang habe ich Menschen darüber beraten, was ich als eine kommende Wirtschaftskrise wahrnahm, die sowohl mit einer politischen als auch gesellschaftlichen Krise epischen Ausmaßes einhergehen würde. Diese drei Pfeile wären simultan, wobei jeder vorhergehende Pfeil den nächstfolgenden verschlimmert.

Es ist nicht sonderlich überraschend, dass viele Menschen entweder unwillig oder nicht in der Lage waren, zu akzeptieren, dass eine derartige Reihe an Ereignissen stattfinden könnte. Doch die Stunde hat geschlagen und selbst diejenigen, die die Krise nicht wirklich verstehen, haben das ungute Gefühl in ihrer Magengegend, dass die Ereignisse sehr schlimm enden werden.

Wir befinden uns also vor einem Hiroshima-Moment - der kurze Augenblick vor der Kollapsphase der Krise, wenn es noch möglich ist, "die Fliege zu machen." Und genau wie Hiroshima wird die Zerstörungswut ihre Epizentren haben. Es werden die großen Städte dieser Länder sein, die am meisten betroffen sein werden.

Wir können erwarten, dass New York City, London, Toronto, Tokio, Melbourne und andere Städte einen dramatischen Rückgang der Lebensqualität verzeichnen werden. Tatsächlich ist dies bereits im Gange und die Leute haben bereits begonnen, die betroffenen Städte zu verlassen - ohne die Absicht, zurückzukehren. Wir können uns diese Epizentren als die gelbe Mitte der obigen Zielscheibe vorstellen. Sie stellen die schlimmsten Orte da, in denen man in den kommenden Jahren der Krise gefangen sein könnte.

Doch wie Hiroshima werden die Orte direkt außerhalb der Stadt die Standorte mit dem zweithöchsten Risiko darstellen. Wir könnten sie als den roten Ring um das Ziel herum im obigen Bild ansehen. Welche Orte könnten das sein? Nun, die Tatsache, dass einige der bekanntesten Städte der Welt Epizentren sein werden, erzählt uns, dass die Länder, in denen sie sich befinden, so stark dezentralisiert wurden, dass sich ihre Wirtschaften in ernsten Schwierigkeiten befinden.

Nach einem anfänglichen Schlag in den großen Städten wird der Rest jedes Landes wirtschaftliche Schwierigkeiten durchlaufen, die dann zu politischen und gesellschaftlichen Unruhen führen werden. Und das hat in Ländern wie den USA, dem UK, Kanada, der EU und Australien bereits begonnen.

Demnach sind beispielsweise diejenigen, die einst aus New York waren, vielleicht bereits nach Colorado, Texas oder Florida ausgewandert. Doch diese Lösung könnte sich sehr wohl als sehr temporär herausstellen, da dieselben Regierungen, die diese Schwierigkeiten ausgelöst haben, diejenigen beeinflussen werden, die zwar geflohen sind, jedoch noch immer innerhalb der Landesgrenzen verbleiben. Außerdem füllen sich diese Standorte nun mit "Flüchtlingen" aus den Städten, die oftmals nicht von langjährigen Einwohnern willkommen geheißen werden.

Welche Orte würden dann den blauen Ring der obigen Zielscheibe darstellen? Nun, das könnten diejenigen Länder sein, die nicht Teil der ehemaligen freien Welt sind, die Länder, die der USA nach dem Zweiten Weltkrieg zum Wohlstand folgten und Jahrzehnte später in die destruktive Schuldenfalle. Es wären diejenigen Länder, die auf einer niedrigeren Wirtschaftsstufe existiert haben - jedoch noch immer auf der Erfolgswelle der USA ritten, via Handelsabkommen.

Derartige Länder würden durch den Kollaps schwer getroffen, hätten jedoch weniger Falldistanz. Sie würden demnach keine so dramatische Veränderung verzeichnen. Derartige Länder wären Mexiko, Spanien, Kolumbien, etc. Noch weiter vom Epizentrum entfernt, wäre der schwarze Ring der Zielscheibe - die Länder, die minimal Handel mit und/oder Abhängigkeit von USA und dessen Hauptpartnern unterhalten. Das wären Thailand, Uruguay und andere "Versager."

Uruguay importiert beispielsweise nur etwa 10% von dem, was es konsumiert und fast alles davon stammt aus anderen spanischsprachigen Ländern. Es exportiert ebenfalls nur 10% von dem, was es produziert. Während dies Uruguay zu einem schläfrigen, kleinen Land mit minimaler Dynamik machte, so schützte dies das Land vor größeren Ereignissen in der Welt.

Diejenigen, die also erkennen, dass ihr Heimatland und deren Bevölkerungszentren bald weniger lebensfähig werden könnten, finden vielleicht heraus, dass ein Umzug nach Cafayate, Argentinien, Chiang Mai, Thailand oder Lake Chapala, Mexiko, die Wahrscheinlichkeit, ein Opfer der kommenden Krise zu werden, dramatisch reduzieren könnte.

Doch es gibt noch einen letzten Ring in der obigen Zielscheibe: der weiße Ring. Dieser geht einen Schritt weiter. In Zeiten der Krise verschwindet Reichtum nicht einfach. Er wechselt nur die Hände und oftmals geografische Position. Während Reichtum also die unruhigeren Länder der Welt verlässt, wird er zu weniger unruhigen Rechtsprechungen fließen.

Wenn das der Fall ist, werden die Zielländer Entwicklung, Wohlstand und Fortschritte der gesellschaftlichen Bedingungen verzeichnen. Es wird demnach Orte auf der Welt geben, die sich im Aufstieg befinden, während andere zusammenbrechen.

Im Werten gibt es nur eine handvoll von Rechtsprechungen, die als Resultat der Krise aufsteigen werden. Doch in Asien gibt es viele. Tatsächlich ist die Stimmung auf den Straßen der produktiveren Länder Asiens positiv. In Korea, Malaysia, Vietnam, etc. ist die Stimmung gut. Die Asiaten verstehen vollkommen, dass dies ihr Jahrhundert ist. Je näher man sich am Epizentrum der Krise befindet, desto schlechter die Chancen, in dieser Zeitspanne dramatischer Veränderung zu florieren.


© Jeff Thomas



Dieser Artikel wurde am 23. November 2020 auf www.internationalman.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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