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Risikofreude an Märkten - EZB auf Fed-Pfad!

25.11.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1905 (06:19 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1842 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 104,46. In der Folge notiert EUR-JPY bei 124.35. EUR-CHF oszilliert bei 1,0842.

Die Aktienmärkte sind gut gelaunt. Der Dow schoss über 30.000 Punkte und markierte ein neues Allzeithoch. Auch der DAX reüssierte. Edle Metalle waren nicht gewünscht. Bitcoin ist dagegen sehr beliebt und bewegt sich jenseits der Marke von 19.000 USD. Der Euro konnte gegenüber dem USD an Boden gewinnen.

Die Berufung Janet Yellens als Finanzministerin unter dem voraussichtlichen Präsident Biden kommt gut an und war ein entscheidender Katalysator für die aktuellen Marktbewegungen, da damit eine "Taube" an der Spitze des Finanzministeriums stünde. Das passt zu den "Tauben" im Offenmarktausschuss der Federal Reserve. "Falken" sind im Zentralbankgeschäft vom Aussterben bedroht. Diesbezüglich waren auch Olli Rehns Äußerungen Richtung weisend.

Die Tatsache, dass "Tauben" stärker an Boden gewinnen, impliziert eine sukzessive Erosion der Werthaltigkeit der führenden westlichen Währungen. Diesbezüglich war der Anstieg von Krypto-Anlagen (z.B. Bitcoin) durchaus verständlich. Der Abverkauf der Währungen ohne Fehl und Tadel (Gold/Silber) wirft eher Fragen auf.


Wir stellen uns auf keine Seite - es geht um Sachlichkeit und US-Demokratie

Der gestrige Forex Report hat bezüglich des bei unseren Medien gepflegten Narratives, dass es keine ernsten Belege für Unregelmäßigkeiten bei der US-Wahl gäbe, irritiert. Unregelmäßigkeiten liegen vor. Dank eines aufmerksamen Lesers, der der Sache und nicht Narrativen verpflichtet ist, liefern wir heute eine umfassende Quelle: https://hereistheevidence.com/


EZB auf Pfad der Federal Reserve?

Die EZB macht sich auf den Weg, ihre Spielräume öffentlich neu zu definieren. Grundsätzlich galt das primäre Ziel der Preisstabilität. Darüber hinaus gab es ein sekundäres Ziel, für die Ökonomie der Eurozone unterstützend zu wirken.

Für dieses primäre Ziel der Preisstabilität wurden vor Alan Greenspan in der westlichen Hemisphäre auch konjunkturelle Kollateralschäden durch Zins- und Geldpolitik in Kauf genommen (z.B. Paul Volcker mit Hochzinspolitik oder Politik der Bundesbank).

Da Preisstabilität Ausdruck komplexer Zusammenhänge in Wirtschaft, Politik (auch Wirtschafts- und/oder Finanzkrieg, offen oder verdeckt) und Gesellschaft (Psychologie, Demographie) ist, wurde bereits unter Mario Draghis Führung der EZB auf diese komplexen Wirkungszusammenhänge in der Ausformung der Zins- und Geldpolitik verwiesen, um damit eine bis dato ungekannte Lockerung der Zins- und Geldpolitik als auch eine massive Interventionspolitik ins Leben zu rufen.

2012 gab es einen politischen Katalysator für die EZB, da Protagonisten vor und hinter den Kulissen der Finanz- und Politplätze New York/Washington/ London das Ziel des Scheiterns des Euros durch aggressive Spekulation (verdeckter Finanzkrieg) verfolgten.

Faktisch ergaben sich damit ab 2012 in der Zentralbankpolitik Parallelen zu dem Ansatz der Federal Reserve, die mit einem dualen Mandat für Preisstabilität und volkswirtschaftliches Wohlergehen als auch hohe Beschäftigung ausgestattet ist.

EZB-Ratsmitglied Rehn meldete sich gestern zu Wort. Diese Worte sind von tragender Bedeutung, da sie die Zentralbankpolitik der EZB, die seit 2012 als situationsgetriebene Ausnahmepolitik erschien, in ein neues Gewand der Permanenz heben.

Rehn verwies auf das duale Mandat der EZB, das im EU-Vertrag verankert sei. Es verpflichte die EZB nach ausgewogenem Wachstum, Vollbeschäftigung und Nachhaltigkeit zu streben, solange die Preisstabilität nicht gefährdet würde. EZB-Ratsmitglied Rehn definiert das bisherige Sekundärziel zu einem Primärziel. Damit stellt Rehn die Mandatierung der EZB auf eine Stufe mit der Mandatierung der Fed.

Das Problem dieses Mandats der Federal Reserve und offensichtlich jetzt auch der EZB nach ihrem Selbstverständnis und der Auslegung der EU-Verträge liegt darin, dass die Ziele der Verfolgung der Preisstabilität verbunden mit Zielen der faktischen Konjunktursteuerung erhebliches Konfliktpotential liefern. Mehr noch ist das Thema Konjunktursteuerung im Westen grundsätzlich Aufgabe der Regierungen und nicht Aufgabe einer Zentralbank, deren Köpfe nicht demokratisch legitimiert sind.

Passend dazu meldete sich EZB-Direktorin Schnabel zu Wort. Sie lieferte eine Implikation der voraussichtlichen Folgen dieser Politik. Die EZB sollte laut Direktorin Schnabel angesichts der Corona-Krise von einer längeren Zeitspanne bis zum Erreichen ihre 2% Inflationsziels ausgehen. Sofern sich Notenbanken auf eine längere geldpolitische Unterstützung konzentrierten, könnten Risiken für die Finanzstabilität besser abgefedert werden.

Fazit: Der Produktionsfaktor Kapital bleibt längerfristiger billiger als vermutet (Erosion der Werthaltigkeit). Das werterhaltende Organigramm der Vergangenheit leidet.


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Klimaindices geben nach

Der Geschäftsklimaindex Frankreichs sank per November von zuvor 90 auf 79 Punkte und markierte den tiefsten Indexwert seit Juni 2020. Der deutsche IFO-Geschäftsklimaindex fiel per November von zuvor 92,5 (revidiert von 92,7) auf 90,7 Punkte (Prognose 90,1). Damit erreichte der Index den schwächsten Wert seit Juli 2020. Der Lageindex verlor von 90,4 (revidiert von 90,3) auf 90,0 Zähler (Prognose 87,0), während der Erwartungsindex von 94,7 (revidiert von 95,0) auf 91,5 Punkte (Prognose 93,5) sank.


UK: Schwach, aber besser als erwartet

Der vom CBI ermittelte Index für den britischen Einzelhandel (Distributive Trades) sank per November von zuvor -23 auf -15 Punkte (Prognose -35) und erreichte den niedrigsten Wert seit Juni 2020.


USA: Immobilieninflation und schwächere Stimmung

Der von Case/Shiller ermittelte Hauspreisindex für den 20 Städtevergleich stieg im Monatsvergleich um 1,3% (Prognose 0,7%) nach zuvor 1,4% (revidiert von 0,5%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 6,6% (Prognose 5,1%) nach zuvor 5,3% (revidiert von 5,2%). Dieser Sektor läuft maßgeblich dank des Niedrigzinsregimes, das in diesem Jahr von der US-Notenbank verfügt wurde.

Der Index des Verbrauchervertrauens nach Lesart des Conference Board fiel per November von zuvor 101,4 (revidiert von 100,9) auf 96,1 Zähler (Prognose 98,0). Der Richmond Fed Composite Index sank per November von zuvor 29 auf 15 Punkte und markierte den tiefsten Stand seit Juli 2020.


Südkorea: Stimmung im Verarbeitenden Gewerbe auf hohem Niveau

Der Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe legte per Dezember von zuvor 78 auf 84 Zähler zu und erreichte den höchsten Wert seit Dezember 2017.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1580 - 1.1610 negiert den positiven Bias.

Bleiben Sie gesund, viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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