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Letzter Report - EZB liefert - EU: Erfolg, aber eine Mahnung!

11.12.2020  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2155 (06:12 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2081 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 104,02. In der Folge notiert EUR-JPY bei 126,42. EUR-CHF oszilliert bei 1,0766.

Die Finanzmärkte mäandern weiter auf den etablierten Niveaus, obwohl seitens der EZB in meinen Augen mehr geliefert wurde, als man im Vorwege unterstellen durfte. Zu der EZB-Politik mehr im weiteren Verlauf dieses Reports.

Das war es für das Jahr 2020 mit den Forex Reports, die wir Ihnen gerne kostenfrei täglich zur Verfügung stellten. Christian Buntrock und ich bedanken uns für Ihr Interesse und auch Ihre Treue. Dieses Jahr haben wir den 23. Geburtstag des Forex Reports begangen (gestartet bei der Helaba 1997, dann ab 2002 Bremer LB, ab 2018 SOLVECON Invest). Ebenso wissen wir ihre Anmerkungen, Ermunterungen und Kritik zu würdigen. Der nächste Forex Report wird am 5. Januar 2021 veröffentlicht.

Dieses Jahr wird es erstmalig seit 2002 keinen Jahresausblick geben. Es macht keinen Sinn, da das Volumen exogener Risiken durch unvorhersehbare Politiken weiter zu hoch ist. Es gibt Grundtendenzen mit hohen Wahrscheinlichkeiten. Eine kleine Auswahl dieses Spektrums biete ich gerne an.

  • USA: Wenn es Biden wird (85%), Chance auf etwas mehr Multilateralismus, aber dann auch mehr Regime-Change analog zu Obama?
  • Covid-19: Konsequenz grüne Welt-Umgestaltung

  • Asien: Makroökonomisch und strukturell stärkste Region

Sie haben zu unserem Meinungsspektrum über die Forex Reports, über Medienauftritte (TV, Print), über Veranstaltungen und Online-Seminare im kommenden Jahr Zugriff. Wir freuen uns auf Sie!


EZB-Stabprojektionen und EZB-Intervention:

Für das laufende Jahr erwartet die EZB laut Stabprojektionen einen BIP-Rückgang um 7,3% (Prognose bisher -8,0%). Im kommenden Jahr soll das BIP dann um 4,2% zulegen. Frau Lagarde betonte, dass Abwärtsrisiken dominant seien.

Die zweite Corona-Infektionswelle mit den korrespondierenden Maßnahmen wirkten auf die Inflationsentwicklung dämpfend. Das CPI soll 2020 um 0,2% (September-Prognose: 0,3%) und 2021 unverändert um 1% steigen.

Das PEPP Programm wird um 500 Mrd. auf 1,85 Billionen Euro aufgestockt und bis in das Jahr 2022 verlängert. Die Kreditversorgung des Finanzsektors wird umfangreicher gestaltet und zeitlich ausgeweitet. Die EZB behält sich vor, auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel zu reagieren.

Das Thema der Euro Aufwertung (deflationäre und die Konjunktur belastender Effekte) wurde angesprochen. Damit ist die EZB-Politik auch eine Funktion der Fed-Politik.

Die Maßnahmen, die die EZB verfügt hat, sind massiv, auch wenn die Finanzmärkte das bisher nicht diskontierten. Die Wirkung dieser opulenten Maßnahmen wird an den Finanzmärkten mittel- und langfristig nicht vorbeigehen, denn das Negativ-, Null-, und Niedrigzinsniveau wird damit absehbar dauerhaft verankert und faktisch verschärft.

Die Folgen sind messbar. Die Renditen der 10-jährigen Staatsanleihen markieren historische Tiefststände. Griechenland: 0,60%, Italien: 0,53%, Spanien 0,01%, Portugal -0,22%. Losgelöst von höheren Bruttoschulden steigt die staatliche Schuldentragfähigkeit. Das ist mit Sicherheit gewünscht.

Die Themen Anlagenotstand und die sich daraus ableitenden Konsequenzen werden uns im kommenden Jahr intensiv beschäftigen.

Der Blick geht jetzt in Richtung Federal Reserve. Was erwartet uns noch im Dezember?


EU-Gipfel: Haushalt steht, um Klima wird gerungen - eine Mahnung

Die EU-Staats- und Regierungschefs haben sich einvernehmlich auf das Finanzpaket im Volumen von 1,8 Billionen Euro geeinigt. Alle 27 Mitgliedstaaten stimmten für den von Kanzlerin Merkel vorgelegten Kompromissvorschlag. Das freut uns! Dennoch wird etwas haften bleiben. Polen und Ungarn sind in der Union isolierter denn je.

Anders läuft es bei dem Thema Klima. Bis heute früh wurde keine Einigung über die Klimapolitik erzielt. Ziel der EU-Kommission ist es, die Treibhausgas-Emissionen bis 2030 im Vergleich zu 1990 um 55% (bisher 40%). zu reduzieren.

Wir stehen für Nachhaltigkeitspolitik mit grünem Daumen aus Verantwortung für kommende Generationen (siehe unsere Asset-Alllokation im SOLVECON Global Opportunities Fund). Die EU-Politik, der letzten Jahre, die Klimaziele immer weiter zu forcieren, wirft Fragen auf, denn die EU rettet die Welt nicht allein. Verschärften wir im relativen Vergleich zu scharf, verlöre der Standort EU an Boden.

Es wäre für die EU angemessen, nicht nach grüner Ideologie (intellektuelle Eindimensionalität, Ideologien sind brandgefährlich) vorzustürmen, sondern zu berücksichtigen, wozu der Kapitalstock (Unternehmen, Kontext Beschäftigung) und die Gesellschaften in der Lage sind. Ansonsten könnte die ökonomische und politische Stabilität und damit die Finanzierungsfähigkeit der grünen Politik gefährdet werden (= Zielverfehlung).


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Für die deutsche und europäische Automobilwirtschaft ist die Entwicklung des größten Kfz-Marktes der Welt China von profunder Bedeutung. Der chinesische Automobilherstellerverband CAAM erwartet, dass dieses Jahr der Absatz trotz der Corona-Krise mit 25 Millionen Kfz nur knapp das Vorjahresergebnis bei 25,77 Millionen verfehlen wird. Für das kommende Jahr wird ein moderater Anstieg erwartet (2025 30 Mio.).

Das US-Volumen liegt bei circa 17 Mio. Kfz. Das ist wichtig, aber auch deswegen sekundär, weil die Bonität der Käufer im Vergleich zu China schwach ist.

Wo stünde Europa und wo stünde die Welt ohne den Ökonomie-Stabilisator China? Das galt für die Krise 2008/2009, es gilt für die aktuelle Krise. "Food for a lot of thought!" Zwecks Visualisierung bedienen wir uns der Prognose-Grafik von Statista bezüglich des PKW-Markts (Teilmenge).

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Wo liegt noch einmal die ökonomische Zukunft, Wirtschaftskrieg hin oder her?


Eurozone: Frankreich mit starken IP-Daten

Die Industrieproduktion Frankreichs nahm per Berichtsmonat Oktober im Monatsvergleich um 1,6% (Prognose 0,4%) zu. Der Vorm0natswert wurde von 1,4% auf 1,6% nach oben revidiert. Die deutschen Verbraucherpreise verzeichneten per finaler Berechnung per November im Monatsvergleich einen Rückgang um 0,8% (Prognose -0,8%). Im Jahresvergleich sanken die Verbraucherpreise um 0,3% (Prognose -0,3%).


Russland: Stabilität auf hohem Niveau

Die Devisenreserven stellten sich per 4. Dezember auf 587,7 nach zuvor 583,2 Mrd. USD.


USA: Licht und Schatten

Die Verbraucherpreise legten per November im Monatsvergleich um 0,2% (Prognose 0,1%) zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,2% (Prognose 1,1%) nach zuvor 1,2%. Die Kernrate der Verbraucherpreise verzeichnete eine Zunahme um 0,2% (Prognose 0,1%) nach zuvor 0,0%. Im Jahresvergleich stellte sich der Anstieg auf 1,6% (Prognose 1,6%) nach zuvor 1,6%.

Die Arbeitslosenerstanträge lagen in der Berichtswoche per 5. Dezember bei 853.000 (Prognose 725.000) nach zuvor 716.000 (revidiert von 712.000). Sie markierten den höchsten Wert seit 15. Oktober 2020. Das Federal Budget lieferte als Teil der öffentlichen US-Staatshaushalts per November ein Defizit in Höhe von 145 Mrd. USD (Prognose -200 Mrd. USD) nach zuvor -284 Mrd. USD.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.1580 - 1.1610 negiert den positiven Bias.


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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