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Tollhaus EZB

20.12.2020  |  Manfred Gburek
Vorab eine Warnung: Trauen Sie in den kommenden Wochen und Monaten keinen Zahlen, auch nicht solchen, die Ihnen - jenseits von Konjunktur- und Börsenprognosen - scheinbar plausibel vorkommen. Denn allein schon das Daten-Konglomerat aus Statistiken und Analysen, nett gemeinten Absichtserklärungen und platten Lügen ist schier undurchdringlich. Machen Sie sich also am besten auf alles Ihren eigenen Reim. Je mehr Informationsquellen Sie dazu anzapfen und je gründlicher Sie jeder erfolgversprechenden Spur nachgehen, desto mehr werden Sie Ihre eigene Meinung festigen können.

Nehmen wir die Informations-Schleudermaschine namens EZB als Beispiel für eine Geldpolitik, die sämtlichen gut gemeinten, aber schlecht ausgeführten Vorgaben des Maastricht-Vertrags widerspricht: Nicht nur, dass sie mittlerweile in die Fiskalpolitik der Euroländer eingreift, mischt sie sich zusätzlich noch in die Finanzierung der Folgen von Covid-19 ein. Das Konstrukt, das sie dazu benutzt, trägt denn auch den Titel: "Pandemic Emergency Purchase Programme", kurz PEPP.

Nichts gegen die finanzielle Unterstützung zugunsten der Pandemie-Geschädigten. Doch wer steht dafür gerade, dass es dabei mit rechten Dingen zugeht? Nehmen wir uns dazu ein paar offizielle Zahlen vor, die Bände sprechen: Für PEPP sollten ursprünglich 1,35 Billionen Euro zur Seite gelegt werden, gültig bis Mitte 2021. Aber das gilt nun nicht mehr. Stattdessen sind daraus 1,85 Billionen Euro geworden, die sich mindestens bis März 2022 erstrecken sollen.

Das sind Zahlen, die einfach aus dem Ärmel geschüttelt wurden. Und was sagt EZB-Chefin Christine Lagarde dazu? Die zusätzlichen 500 PEPP- Milliarden bräuchten ja nicht vollständig ausgeschöpft zu werden. So etwas nennt man dann wohl moderne Geldpolitik.

Was folgt daraus? Die offizielle Antwort: Das aktuelle Zinsniveau soll weiter gelten, und die Kreditvergabe durch Banken darf nicht gefährdet werden. Daraus ist zu schließen: Bis Ende 2021 dürfte die EZB Anleihen in ihren Büchern stehen haben, die etwa 40 Prozent der Wirtschaftsleistung in der Eurozone entsprechen. Das wäre dann ein Wert vergleichbar mit dem der amerikanischen Fed. Das heißt nichts anderes, als dass die Eurozone auf Fed-Linie getrimmt werden soll, dass sie also Schulden auf Teufel komm raus auftürmt.

Bekanntlich mündet eine solche Entwicklung, historisch nachweisbar, immer in eine der folgenden Finanzkatastrophen: sukzessive Zinserhöhung, Schuldenschnitt oder Inflation. Die erste erfordert sehr viel Fingerspitzengefühl von Experten der Notenbanken und Regierungen, Opfer vonseiten der Banken und eine internationale Koordination. Die zweite entspricht einer Währungsreform an Haupt und Gliedern, wie sie sich niemand wünscht. Die dritte ist zwar am elegantesten, aber eine Inflation lässt sich nicht erzwingen.

Unser jetziges Währungssystem basiert auf einem Daten-Konglomerat, das wie eingangs erwähnt konkrete Zahlen vortäuscht, die in Wahrheit aus Informationsmüll bestehen. Es bringt Wechselwirkungen mit sich, die niemand im Voraus erahnen, geschweige denn zeitgenau vorhersagen kann. Folglich bleibt niemandem von uns erspart, alle von den drei genannten Alternativen ins Auge zu fassen.

Wie soll das gehen? Nun, aus der Crash-Erfahrung vom vergangenen März wissen wir, dass eine Radikalkur nicht zwangsläufig eine Währungsreform oder eine in ihren Auswirkungen ähnliche Finanzkatastrophe mit sich bringen muss. Vielmehr kann sie über die Jahre gesehen jeweils sukzessive wie ein Blitz einschlagen, um mehr oder weniger schnell wieder zu verschwinden. Eine solche Entwicklung wäre auch beim nächsten Crash plausibel.

Wer die Börsengeschichte bis in die 70er Jahre zurück verfolgt, erhält diesbezüglichen Anschauungsunterricht in Sachen Schaukelbörsen und wird darin bestätigt, dass die Abfolge vom Börsen-Rauf und -Runter viel häufiger vorkommt als ein großer Crash. In den 70er Jahren haben Börsianer sich dann halt mehr auf Gold und Silber als auf Aktien konzentriert, bevor sie diese in den 80er Jahren wieder entdeckten.

Aus den hier angestellten Überlegungen kann man schließen, dass flexible Anleger nicht allein im langfristigen Aufwärtstrend der Aktienkurse auf ihre Kosten kommen werden, sondern auch im Zuge der zu erwartenden Zyklen - wobei sich zwei von ihnen schon jetzt anbahnen: Der eine befördert die Aktienkurse zunächst nach oben, aber danach kurzfristig abrupt nach unten, sodass sich zum Zyklusende hin für Anleger interessante Kaufchancen ergeben.

Der andere besteht im zuletzt neu erwachten Interesse an Gold und Silber einschließlich Minenaktien. In beiden zyklischen Fällen wird es auf das genaue Timing ankommen - eine schwierige Aufgabe, bei der man erfahrungsgemäß Federn lässt. Doch wer sich darin übt, drückt die Fehlerquote bereits durch ständiges Verfolgen der Kurse.

Das alles ist keine Wahrsagerei, sondern eine aus der ständigen Beobachtung der Finanzmärkte entstandene Analyse, Irrtümer inbegriffen. Dabei spielen aus Sicht von Volkswirten zwar die EZB, die Fed und weitere Notenbanken die Hauptrolle. Doch aus Anlegersicht ist das entscheidend, was an der Börse herauskommt.

Deshalb noch ein abschließender Tipp: Achten Sie ab jetzt verstärkt auf die Entwicklung der Zinsen. Denn falls sie sich - in Gestalt der Renditen von Staatsanleihen - vom Boden erheben sollten, dürfte es weltweit zu einem starken, jedoch kurzfristigen Einbruch der Aktienkurse kommen.Ihnen Danach ergäben sich - vorausgesetzt, EZB, Fed & Co. halten an ihrer ultraexpansiven Geldpolitik fest, lukrative Kurschancen. Ähnliches gilt für Gold und Silber einschließlich Minenaktien.

Ich wünsche Ihnen ein in jeder Hinsicht besinnliches Weihnachtsfest!


© Manfred Gburek
www.gburek.eu



Manfred Gburek ist neben seiner Funktion als Kolumnist privater Investor und Buchautor.

Neu bei www.gburek.eu: Geld regiert die Welt


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