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"Ewige Schulden"?

17.01.2021  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
Die derzeitige finanzwissenschaftliche Situation wirft alle finanzwissenschaftlichen Theorien um.
  • Wir haben immer gelehrt, dass der Zins Risikoprämie für verliehenes Geld sei, einschließlich der Inflationsprämie - inzwischen haben wir Nullzins bei dramatisch gestiegenen Risiken.

  • Wir haben ebenfalls gelehrt, dass wachsende Geldmenge eine Geldentwertung, also Inflation, erzeuge. - Bei der dramatischsten Geldmengenvermehrung unserer Geschichte haben wir heute nahezu keine Inflation.

  • Wir haben gelehrt, dass Banken sich nur bis zur Höhe ihrer Wertanlage und auch Staaten sich nicht unbegrenzt verschulden könnten - die größte Schuldenblase der Geschichte bei Banken und Staaten zeigt jedoch, dass Verschuldung unendlich ist, solange die Zentralbanken Geld dafür zur Verfügung stellen und das Publikum diesem Geld noch vertraut.

Ist das Leitbild des soliden Hamburger Kaufmanns und solider Finanzierung durch die Kasino-Mentalität und durch den Kreditmissbrauch des Dollarimperiums überholt?

Der Schlüssel aller dieser Probleme und Fragen liegt im Verständnismangel und politischen Missbrauch der Zentralbanken.

Nach klassischer Theorie sollte die Zentralbank eine neutrale, politisch unabhängige, nur dem Geldwert verpflichtete Instanz sein. Sie war "Hüterin der Währung", also auch des Währungswertes. Dieser wiederum war nur zu gewährleisten, wenn die Geldmenge an der Gütermenge orientiert gleichmäßig entwickelt wurde.

Vertrauensanker der Währungen war früher das Gold, welches sich nicht beliebig vermehren ließ und deshalb konstanten Wert hatte. Seit der Dollar 1961 vom Gold "befreit" und zur reinen Quantitätswährung wurde, gab es für die Lust der Politiker nach weiteren Ausgaben und deshalb weiteren Krediten kein Halten mehr und haben sich die Zentralbanken in den letzten 20 Jahren zu Finanzdienern der Politik entwickelt.

Ihre Vorstände wurden nicht nur von der Politik bestellt, sondern ihnen auch von der Politik aufgetragen, wie viel Geld sie schaffen sollten. Und die Zentralbankenvorstände haben ihre Unabhängigkeit und Immunität missbraucht, den Geldwert, dem sie verpflichtet waren, zu verraten. Deshalb war auch eine wegen Korruption verurteilte Politikerin geeignet als Präsidentin der EZB.

Die Federal Reserve Bank hat sich schon seit Jahrzehnten zum Hilfsdiener des US-Imperialismus degradieren lassen. Die USA haben fast 200 Länder der Erde mit Hilfe der FED, der Weltbank und des IMF mit Dollarkrediten vollgepumpt, auf diese Weise zu Tributzahlern (Zins- und Rückzahlern) gemacht, die Tributpflicht durch amerikanisches Militär abgesichert und sie so durch Geld zu Kolonien gemacht wie die Römer früher durch militärische Eroberung ihre Kolonien geschaffen und zum Wohle Roms ausgebeutet hatten¹.

Für dieses Dollarimperium brauchten die USA immer mehr Geld, haben sie mit Hilfe des von ihrer Hochfinanz beherrschten Dollar-Systems die Dollarmenge immer stärker vermehrt, aber den Zusammenfall dieser Blase dadurch verhindert, dass sie mit Sanktionen und militärischen Interventionen immer eingegriffen haben, wenn ein Land den Dollar nicht mehr als Zahlungsmittel für Öl oder andere Bodenschätze akzeptieren wollte².

Auch die Corona-Pandemie passt in dieses Bild der Schuldenorgie zu politischen Machtzwecken: Noch nie wurden von den Staaten und ihren Zentralbanken Geldsummen ohne Rücksicht auf Rückzahlungsmöglichkeit mobilisiert wie heute. Dabei wird national noch in Milliarden, international aber bereits in Billionen (EZB = 1,5 Billionen, USA = 3,7 Billionen) gerechnet.

Die Angst vor der Krankheit hat jede finanzielle Hemmung beiseite gespült. Es geht angeblich nur noch um "Leben oder Tod", nicht mehr um Geldwert, Schulden oder Rückzahlungsmöglichkeiten. Damit keine Stelle der weiter wachsenden Schuldenblase platzt, werden Pleiteländer mit großzügigen Geschenken künstlich am Leben gehalten, z. B. 50 Milliarden EU-Mittel für Italien und 30 Milliarden für Spanien; wobei die Länder nicht einmal Verwendungspläne für den Geldsegen haben und noch niemand weiß, womit die EU diese freigegebenen Gelder finanzieren soll.

Die amerikanische FED hat inzwischen 7,2 Billionen Dollar in den Büchern stehen = 36% des BIP. Dazu hat der Kongress weitere 900 Milliarden "Corona-Mittel" zur allgemeinen Verteilung beschlossen,

Auch die EZB hat 6,83 Billionen Schulden in ihren Büchern = 68% BIP.

Dass die Täter unserer Geldexplosion nicht mehr an Morgen oder an Rückzahlungsmöglichkeit denken, zeigt auch die Verwendung des ohne Gegenwert geschaffenen "Fiat"-Geldes: Früher diente der Kredit Investitionen, aus deren Rendite man die Rückzahlung bediente. Inzwischen werden aber die geschaffenen Unsummen nicht mehr für Sachinvestitionen, nicht einmal mehr für die Wirtschaft ausgegeben, sondern zur Bereicherung des Großkapitals und für den Konsum:
  • Die Bundesregierung hat Milliardenbeträge an die internationalen Konzerne als "Corona-Entschädigung" gezahlt, um den internationalen Eigentümern ihre Aktienwerte zu erhalten.

  • Die Lufthansa konnte sogar von diesem Geld das Kurzarbeitergeld ihrer Piloten von 5.000 auf monatlich 15.000 Euro erhöhen.

  • Die Banken werden zur Aufnahme von Zentralbankkrediten statt Einlagen gedrängt und die Einlagen mit Negativzins bestraft. Die Folgen sind Aktienhöchstkurse und die Immobilienblase.

  • Dagegen wurde nicht nur in Deutschland "Lockdown" erklärt, also "Schluss mit Wirtschaft". Den Kapitalgesellschaften wurden dafür 75% des Vorjahreseinkommens gesichert, den 94 % Inhaberunternehmen unseres Mittelstandes dagegen nicht. Bei ihnen nimmt die Politik millionenfaches Sterben in den nächsten Monaten in Kauf.

  • Deutschland zahlt fast 10 Millionen eigentlich Arbeitslosen "Corona-Kurzarbeitergeld" bis nach der kommenden Wahl Ende des Jahres 2021. Und die EU hat sogar Ländern, in denen es kein Kurzarbeitergeld gibt, 100 Milliarden "Kurzarbeitergeld für alle" versprochen. Das Bundessozialgericht hat überdies entschieden, dass die Hartz-IV-Versorgung nicht nur bei Verlust von Arbeit bestehe, sondern "Menschenrecht" sei, also für alle gelte, die nicht arbeiten können, wollen oder arbeitslos zu uns kommen. Die Grünen tönen schon lange vom allgemeinen Grundeinkommen von 1.200 Euro, "weil das Geld ja da sei".

Per saldo werden also Unsummen in den Konsum versenkt, ohne künftige Rentabilitätswirkung, während der produktivsten Gruppe des Mittelstandes, die 80% aller Steuern und Sozialabgaben aufbringt, das Überleben durch staatliche Zwangsmaßnahmen erschwert bzw. beendet wird.

Was geschieht nun mit den Billionenbeträgen, welche durch die Corona-Hysterie in den Kreislauf gepumpt werden? Eine Rückzahlung wird in den nächsten 100 Jahren nicht möglich sein, ist aber auch nicht vorgesehen. US-Politik, Zentralbanken, das Großkapital und die Sozialpolitik gehen längst von "ewigen Schulden" (so Soros), von Dauerleistungen aus.

Wie lange geht das gut? Noch keine Finanzblase hat sich ewig ausdehnen können. Man weiß nur nie, aus welchem Anlass und wann die Blase platzt.

Sowohl die EZB als auch die FED arbeiten aber längst an neuen digitalen Währungen, die Ersatz für die platzenden Geldwährungen werden sollen. Sie rechnen also auch mit einem Platzen der Blase.

Der Drang der Anleger in "Betongold" und andere Sachwerte zeigt, dass viele bereits unruhig werden und dem Geld zu misstrauen beginnen. Aber erst wenn auch die Dummen dem Geld zu misstrauen beginnen, steigt wieder die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes, besteht nicht nur Inflation, sondern wird sie dann galoppieren und zwanghaft auf den Abgrund zulaufen.

In der Zwischenzeit sollten wir die öffentlichen Gaben genießen, aber wissen, dass wir selbst mit unserem Wohlstand dafür zu zahlen haben werden.


© Prof. Dr. Eberhard Hamer

¹ Vgl. dazu: John Perkins "Bekenntnisse eines Economic Hitman", 7. Aufl., Goldmann 2007 und Hamer, Eberhard "Der Welt-Geldbetrug", Hannover 2005, S. 61 ff.
² Dies war der eigentliche Grund für den Irak-Krieg, die Libyen-Revolution und jetzt die Feindschaft gegen Russland und China.



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