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Goldtalfahrt am Freitag

20.01.2021  |  Adam Hamilton
Letzten Freitag legte Gold eine Talfahrt hin und zog Silber sowie Bergbauaktien mit nach unten. Das erinnerte an den brutalen Abstieg Anfang November. Während dies sicherlich ungewöhnlich ist, so jagen scharfe Selloffs den Tradern natürlich eine Heidenangst ein, was wiederum jegliche bullische Stimmung vernichtet. Ernsthafte Abwärtstage in Gold werden fast immer durch schwere Spekulantenverkäufe sehr gehebelter Goldfutures angetrieben. Das Risiko einer Eruption hängt von deren Positionierung ab.

Vor einer Woche, als der aktuelle Beschäftigungsbericht veröffentlicht wurde, brach der Goldpreis um hässliche 3,5% auf 1.847 Dollar ein! Diese monatlichen US-Beschäftigungsberichte sind in Sachen marktbewegendes Potenzial die wichtigsten Wirtschaftsdaten, die es gibt. Die Wahrscheinlichkeit, dass es nach Veröffentlichung dieser Zahlung zu deutlichen Goldentwicklungen kommt, ist also höher. Die Job-Situation wirkt sich tendenziell auf Gold aus, weil sie die Wahrnehmung der Trader dessen beeinflusst, was die Federal Reserve in Sachen geldpolitischer Lockerung als nächstes tun könnte.

Gold reagiert auf den Beschäftigungsbericht üblicherweise deutlich anders als erwartet. Ein überraschender Anstieg der monatlichen Beschäftigung in den USA führt oftmals zu Goldfutures-Verkäufen, da dies einen weniger aggressiven Ansatz der Fed andeutet. Und wenn der Bericht die Erwartungen nicht erfüllt, dann führt dies typischerweise zu deutlichen Goldkäufen, da dies laut den Tradern eine schwächere US-Wirtschaft andeuten würde, die die Fed dazu zwingt, mehr Geld zu drucken. Also hätten die Daten vom letzten Freitag also einen Goldpreisanstieg auslösen sollen.

Volkswirtschaftler erwarteten für Dezember ein schwaches Wachstum der US-amerikanischen Beschäftigtenzahlen, eine mickrige Zunahme um 50.000. Doch tatsächlich ergab sich ein Minus von 140.000! Normalerweise wäre Gold bei derart schlechten Zahlen um 1% bis 2% gestiegen. Also war der Rückgang um 3,5% an diesem Tag definitiv eine Anomalie. Trotz der Tatsache, dass diese Talfahrt am Berichtstag stattfand, waren die Daten nur teilweise dafür verantwortlich. Gold wird in der ganzen Welt über Nacht gehandelt und erlitt vor dem Bericht hohe Verluste.

Am vorherigen Nachmittag beendete Gold den Handelstag in den USA nahe 1.915 Dollar. Doch im späten, asiatischen Handel, als die Amerikaner schliefen, brach Gold rasch von etwa 1.909 Dollar auf 1.885 Dollar ein. Während des europäischen Handelstages bewegte sich Gold noch etwas weiter abwärts, bevor es den US-Handel am Freitagmorgen mit 1.882 Dollar betrat. Die Hälfte der Verluste, die Gold verzeichnete, war also bereits vor Veröffentlichung der Daten aufgetreten. Diese große Abwärtsüberraschung war tatsächlich bullisch.

Gold stieg nach Veröffentlichung des Berichts zurück auf 1.891 Dollar. Doch da das psychologisch wichtige Niveau von 1.900 Dollar über Nacht scheiterte, hatten die Goldfutures-Spekulanten Angst bekommen. Also verkauften sie, was Gold bis zum frühen Nachmittag auf 1.830 Dollar herabdrückte! Während es zum US-Handelsschluss zurück auf 1.847 Dollar stieg, war dies noch immer ein Verlust von 3,5%. Silber und der Goldaktien-ETF GDX brachen jeweils um 7% und 4,8% ein.

Obgleich sie stimmungstechnisch überraschend waren, torpedierten diese scharfen Selloffs die neueren Aufwärtstrend der Edelmetalle nicht. Der Breakout der Goldaktien, der im GDX sichtbar war und den ich im letzten Artikel diskutiert habe, blieb intakt. Gold, Silber und deren Bergbauaktien blieben aus technischer Sicht in einer jungen Bullenmarkt-Aufwärtsphase. Deren höhere Tiefs und höheren Hochs überlebten die Schlappe.

Einige Tage zuvor habe ich in unserem wöchentlichen Newsletter gewarnt, dass ein scharfer Gold-Selloff noch immer eine echte Bedrohung sei. "Ein sich beschleunigender Massenexodus der Gold-Futures-Longs ist noch immer das größte, kurzfristige Risiko für Gold, also müssen wir vorsichtig bleiben." Wenn Sie das verstehen und der kollektiven Goldfutures-Positionierung der Spekulanten folgen, dann werden Sie von scharfen Gold-Selloffs nicht dazu gebracht, hastige, emotionale Handelsentscheidungen zu treffen, die sich letztlich als schlecht herausstellen werden.

Der Goldfutures-Handel der Spekulanten ist der dominante, kurzfristige Treiber für Gold. Wann immer Gold eine große Auf- oder Abwärtsbewegung am Tag verzeichnet, ist dies üblicherweise das Resultat von Spekulanten, die am Goldfuturesmarkt tätig sind. Der Futureshandel unterscheidet sich aufgrund seines extremen, innewohnenden Leverages deutlich vom Aktienhandel. Dies vervielfacht den Effekt des Goldpreises auf das Kapital der Futures-Spekulanten.

Jeder Goldfutureskontrakt an der amerikanischen COMEX kontrolliert 100 Unzen des gelben Edelmetalls. Bei einem Goldpreis von 1.850 Dollar sind dies 185.000 Dollar. Doch in dieser Woche müssen Spekulanten nur 10.000 Dollar Bargeld für jeden gehandelten Goldfutureskontrakt in ihren Konten halten. Dies ermöglicht es ihnen, den maximalen Hebel auf 18,5x zu erhöhen. Jeder Dollar kann denselben Effekt auf Gold haben wie 18,50 Dollar, die direkt gekauft oder verkauft wurden!

Und das ist tatsächlich relativ niedrig. Die Margins der Goldfutures steigen, wenn der Goldpreis volatil ist, um das Risiko zu reduzieren, dass Trader ihre Kontrakte nicht erfüllen können. Jahrelang reichte das maximale Leverage der Goldfutures für Spekulanten von 25x bis 35x! Mit extremen Leverage geht extremes Risiko einher, was die Trader der Goldfutures dazu zwang, in den Zeitspannen, in denen sie operieren, extrem kurzsichtig zu sein.

Ein Rückgang wie der um 3,5% am letzten Freitag ist ein handhabbarer Verlust von 3,5% für Investoren, die keine Margin verwenden. Doch mit einem Leverage von 18,5x macht dies insgesamt 64,8%! Stellen Sie sich vor, Sie wären extrem Long gegenüber Gold positioniert und könnten beobachten, wie fast zwei Drittel Ihres Kapitals in nur wenigen Stunden vernichtet wird. Wenn Gold anfängt, aus praktisch irgendeinem Grund verkauft zu werden, dann müssen Goldfutures-Spekulanten rasch aufspringen, um katastrophale Verluste zu verhindern.

Das trifft auch trotz des funkelnden Katalysators zu. Ende der letzten Woche gab es einige wenige. Die US-Aktienmärkte waren gerade erst auf ein weiteres Rekordhoch gestiegen und schwächten somit die Nachfrage nach alternativen Investitionen, angeführt von Gold. Bitcoin, das von Millenials und einigen institutionellen Investoren als digitales Gold angesehen wird, ist in nur vier Handelstagen um 35,8% auf neue Hochs gestiegen!


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