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Aktienmärkte: Gewinnmitnahmen - UK: Dreist und prekär - EZB: Klartext

22.01.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2173 (06:20 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2116 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 103,57. In der Folge notiert EUR-JPY bei 126,07. EUR-CHF oszilliert bei 1,0772.

An den Aktienmärkten bestimmten Gewinnmitnahmen das Bild. Das gilt grundsätzlich sowohl für Asien als auch die westlichen Märkte.

Der Wille für Neuausrichtungen an den Finanzmärkten ist grundsätzlich unausgeprägt. Das gilt auch für die Bewertung des USD. Das gilt nicht für Bitcoin. Nach aggressiven Käufen in Vorwochen dominieren derzeit sportliche Abverkäufe.


UK: Dreist und prekär

Das Verhältnis zwischen EU und UK wird durch London weiter zerrüttet. Laut BBC verweigert London EU-Diplomaten den gleichen Status wie Vertretern von Staaten. Die EU-Kommission betonte, ihre weltweit 143 Delegationen bekämen denselben Status eingeräumt, wie ihn Botschaften von Staaten hätten. Dies sei das Vorgehen unter gleichberechtigten Partnern, sagte ein EU-Kommissionssprecher mit Verweis auf die Wiener Konvention für Diplomatische Beziehungen.

Wir erinnern daran, dass London die EU während der Brexit-Gespräche sehr wohl als Vertretung staatlicher Instanzen akzeptiert hat. Hier findet eine dreiste Fortsetzung der von Hybris geprägten britischen Provokationen statt.

Diese britische Politik mag ambitioniert sein, denn derzeit fliegt dem UK viel um die Ohren. Dem Brexit-Fan-Club der britischen Fischereiindustrie wird deutlich, dass mit der EU die Bürokratie dramatisch geringer war. Die jetzige Disruption kostet britische Existenzen. Die Konjunktur fliegt London um die Ohren (siehe heutiger Datenpotpourri) und die Haushaltsdefizite gehen durch die Decke.

Vor diesem Hintergrund ist die aktuelle Stabilität des GBP äußerst bemerkenswert.


EZB: Klartext zwischen den Zeilen

Die EZB legte nach dem Stützungspaket vom Dezember erwartungsgemäß in Zins- und Geldpolitik eine Pause ein. Hinsichtlich der Risikolage durch die Corona-Pandemie sei man in der EZB bereit, nötigenfalls alle Instrumente anzupassen. Das ist einerseits Ausdruck von Flexibilität, es ist andererseits das erste "whatever it takes".

Lagarde sagte, dass der Beginn der Impfstoffverteilung jetzt mehr Zuversicht erlaube. Es brauche aber einige Zeit, bis eine nennenswerte Immunität erreicht würde. Wir stimmen perspektivisch zu.


Lagarde weiter zu der Ökonomie:
  • Im 4. Quartal 2020 schrumpfte die Wirtschaft in der Eurozone laut EZB voraussichtlich. Ja, sehr wahrscheinlich!

  • Eine zügige Erholung im 1. Quartal 2021 sei angesichts verschärfter Lockdowns unwahrscheinlich. Auch naheliegend!

  • Die Latenz der Pandemie und die daraus folgenden Maßnahmen belasteten im Auftaktquartal die Wirtschaftsaktivität. Stimmige Kausalität.

  • Zusätzlich planten die Geschäftsbanken, ihre Vergabestandards für Unternehmenskredite in den ersten drei Monaten 2021 verschärfen zu wollen. Ja, aber abgewürgt wird nichts!

  • Sorge bereite, dass die Inflationsrate bereits seit fünf Monaten negativ sei. Im Dezember lag sie bei -0,3%. Vor dem Hintergrund der erwarteten Erholung würde die Teuerungsrate in den kommenden Monaten zulegen. Auch hier stimmen wir zu.

Lagarde zufolge seien inzwischen einige zentrale Unsicherheiten ausgeräumt (z.B. Brexit). Die Risiken für die Konjunktur seien etwas weniger ausgeprägt, sagte sie. So ist es (aber nicht für das UK, gehört ja auch nicht zur Eurozone).

Damit kommen wir zum wesentlichsten Teil, der in der Pressekonferenz geliefert wurde: Frau Lagarde hatte für alle, die in und zwischen Zeilen lesen können, profunde Nachrichten. Sie sagte, dass die EZB alles unternehmen werde, um für vorteilhafte Finanzierungsbedingungen in der Eurozone zu sorgen. Das war das zweite und wichtigere "whatever it takes".


Bedeutung:
  • Die EZB wird nachhaltige/dauerhafte Crashs verhindern.
  • Die EZB wird Spekulationen gegen einzelne Staaten verhindern (Anleihemarkt).
  • Die EZB wird angemessene Kreditvergabe für Privatwirtschaft forcieren.
  • Die EZB wird nachhaltigen Spread-Ausweitung bei Corporates entgegenwirken.
  • Die EZB wird einer zu hohen Bewertung des Euros entgegenwirken (Konjunktur)

Diese Ansagen waren nicht explizit, sie waren implizit. Was hier von Seiten der EZB gekommen ist, wird analog jenseits des Atlantiks im Sinne der USA und des USD praktiziert werden. Auch die Bank of Japan wird sich diesem Kurs nicht verweigern.

Ich habe lange Zeit (seit Greenspan) das Thema Vollkaskopolitik der Zentralbanken kritisch begleitet. Diese Politik ist ausgeprägter denn je. Losgelöst von meiner "strukturellen Kritik" ist diese Politik unsere Realität und wird sie absehbar bleiben.


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Frankreich setzt positiven Akzent

Die EZB hat erwartungsgemäß die Leitzinsen und das quantitative Programm unverändert belassen.

Laut Erstschätzung sank der Index des Verbrauchervertrauens der Eurozone von zuvor -13,9 auf -15,5 Punkte (Prognose -15,0).

In Frankreich legte der Geschäftsklimaindex für die Gesamtwirtschaft per Januar von zuvor 91 auf 92 Punkte zu. Der Index bewegt sich damit auf dem höchsten Niveau seit März 2020. Der Geschäftsklimaindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg per Januar von zuvor 94 (revidiert von 93) auf 98 Zähler (Prognose 94, Höchstwert seit 03/2020).

In Italien sank der Auftragseingang der Industrie per November im Monatsvergleich um 1,3% nach zuvor +3,0%. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 5,3% nach zuvor 1,2%. Der Absatz der Industrie sank im Monatsvergleich um 2,0% nach zuvor +2,1% (revidiert von 2,2%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 4,6% nach zuvor -2,0% (revidiert von -1,7%).


Großbritannien: In der prekären Spur

Der von CBI ermittelte Geschäftsklimaindex sank per 1. Quartal von zuvor 0 auf -22 Punkte und markierte den tiefsten Wert seit dem 2. Quartal 2020. Der vom CBI ermittelte Auftragsindex der Industrie sank per Januar von zuvor -25 auf -38 Punkte (Prognose -35). Der GfK Konsumklimaindex fiel per Januar von zuvor -26 auf -28 Punkte


USA: Durchgehend besser als erwartet

Die Neubaubeginne legten in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung per Dezember von zuvor 1,578 Mio. (revidiert von 1,547 Mio.) auf 1,669 Mio. (Prognose 1,560 Mio.) zu. Baugenehmigungen verzeichneten per Dezember eine Zunahme in der annualisierten Darstellung von 1,635 Mio. auf 1,709 Mio. (Prognose 1,604 Mio.). Die Arbeitslosenerstanträge sanken in der Berichtswoche per 16. Januar von zuvor 926.000 (revidiert von 965.000) auf 900.000 (Prognose 910.000). Der Philadelphia Fed Business Index stieg per Januar von zuvor 9,1 auf 26,5 Punkte (Prognose 12,0).


Japan: Mehr Deflation und leichter Dynamikverlust

Die Verbraucherpreise Japans sanken per Dezember im Jahresvergleich um 1,2% nach zuvor -0,9%. Die Kernrate wies einen Rückgang um 1,1% nach zuvor -0,9% aus. Der von der Jibun Bank ermittelte Einkaufsmanagerindex fiel per Januar von zuvor 50,0 auf 49,7 Punkte (Erstschätzung)

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten des Unterstützungsniveaus bei 1.2020 - 1.2050 negiert den positiven Bias.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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