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Was trägt unseren Wohlstand: Arbeitsertrag oder Beschäftigung?

24.01.2021  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
Nach Marx war nur die Arbeit der produktive Faktor, welcher Werte schafft. Deshalb müsse denen, die reale Arbeit leisten, auch der Gesamtertrag dieser Arbeit zugutekommen.

Übersehen hat Marx, dass auch der Boden produktiv ist und dass Kapital produktiv sein kann, wenn es z.B. in der Industrie durch mehr Kapitaleinsatz (Maschinen) höhere Produktivität bringt.

Der internationale Trend von der Agrar- über die Industrie- zur Dienstleistungsgesellschaft (ca. 70% BSP) hat jedoch die Messeinheit von Arbeit immer mehr vom Arbeitsertrag auf die eingesetzte Arbeitszeit verschoben. Nur Unternehmer und ihre Betriebe werden durch den Gewinn noch nach Arbeitsertrag belohnt, was z.B. im Handwerk die Folge hat, dass nicht die eingesetzte Zeit der Arbeit, sondern das Produkt - der Arbeitserfolg - geschuldet wird, abgeliefert werden muss und bezahlt wird. Kommt es nicht zu diesem Arbeitsergebnis, wird nicht bezahlt.

Das ist in der Dienstleistung ganz anders. Ein Arzt, ein Anwalt, ein Beamter und die Millionen in den Sozialberufen Beschäftigten werden nicht nach ihrem Arbeitsergebnis, sondern nach der eingesetzten Arbeitszeit (Stundenlohn bzw. Monatsgehalt) bezahlt. Sie bekommen diese Arbeitszeit unabhängig vom Ergebnis ihrer Arbeit vergütet. Bringt ihre Arbeit - wie z.B. in vielen Sozialberufen - kein Ergebnis, bekommen sie dennoch hohe Gehälter.

Und die Gehälter der Dienstleister sind durchweg höher als diejenigen der praktisch Arbeitenden. Viele "Zeitarbeiter" erzielen in der Regel höheren, etwa den doppelten, dreifachen oder vierfachen Lohn als ein "Erfolgsarbeiter", z.B. ein Handwerksgeselle. Kein Wunder, wenn deshalb die Jugend in die Angestelltenberufe drängt und hunderttausende von Handwerkslehrlingsstellen unbesetzt bleiben.

Schon seit einem Jahrzehnt vertreten vor allem amerikanische Wirtschaftstheorien die Ansicht, dass die Entwicklung zur Dienstleistung in der Volkswirtschaft ein notwendiger Fortschritt sei. Ihnen schien recht zu geben, dass die Geldflutungen vor allem des letzten Jahrzehnts vor allem denjenigen zugutekamen, die sich mit Geldgeschäften, mit Krediten, mit Spekulationen, mit Geldanlagen und mit Geldvermehrung beschäftigt haben. Deshalb haben Banker, Strukturvertriebe und Finanzspekulanten in den letzten 40 Jahren die größten Einkommen erzielt.

Der neue Dienstleistungstrend der Digitalisierung scheint wiederum Wachstums-, Wohlstands- und Zukunftstrend der Volkswirtschaften zu werden. Er wird nicht nur immer unverzichtbarer, sondern auch für diejenigen, welche diesen digitalen Zukunftstreiber bearbeiten, besonders ertragreich. Die Löhne in der digitalen Welt sind höher als in der realen Arbeitswelt.

Die beginnende Weltwirtschaftskrise ist nicht nur Corona-Krise, sondern deshalb die größte Weltwirtschaftskrise, weil sie wiederum einen Strukturwandel von zu viel unproduktiver Dienstleistung hin zu Realproduktion bringen wird.

Das Beispiel der USA steht für diese Entwicklung. Die USA haben ihre Realproduktion wegen billiger Arbeitskräfte weltweit ausgelagert, vor allem nach China, weil sie mehr am Kapitalgeschäft verdienen konnten, indem sie 192 Länder der Erde mit Dollarkrediten vollstopften und sich dafür Zinsen und Abzahlungsleistungen erzwangen - zum Teil sogar mit militärischen Mitteln. So wurde die Handelsbilanz der USA immer defizitärer, konnte aber durch die Zahlungsbilanz ausgeglichen werden. Wenn also die USA immer mehr für Zuliefererprodukte bezahlen mussten, konnten sie dies aus wachsenden Finanzeinnahmen finanzieren.

Inzwischen aber ist auch die Zahlungsbilanz der USA so defizitär (600 bis 800 Mrd. Dollar Defizit) und sogar existenzgefährlich. Nur durch unverantwortliche Dollarflutung der FED konnte bisher der finanzielle Zusammenbruch in den USA verhindert werden. Die Gewaltversuche von Trump, durch Sanktionen und Strafen Importe zu verhindern und die Realproduktion in den USA zurückzuholen ist am Widerstand der Finanzindustrie gescheitert.

Das Gegenbeispiel ist die Bundesrepublik, welche von allen europäischen Ländern mit fast einem Drittel immer noch den größten Realleistungssektor hat. Unsere Industrie- und Gewerbeproduktion hat mit ihrer Produktivität die Dienstleistung besser getragen als in allen anderen Ländern, was zu entsprechenden Handelsbilanzüberschüssen der Bundesrepublik geführt hat.

Schon immer hat die Mittelstandsökonomie darauf hingewiesen, dass unter Produktivitätsgesichtspunkten der Dienstleistungssektor überbewertet würde. Ein großer Teil der Dienstleitungssektoren sind nämlich wenig oder unproduktiv, dienen ganz anderen Zwecken, als wirtschaftliche Werte zu produzieren:
  • Den eigentlichen Staatsaufgaben der Ordnungs- und Rechtsdurchsetzung kann man zwar indirekte Produktivität auch für die Wirtschaft zumessen, der Schul- und Hochschulbildung ebenfalls, weil sie die Qualifikationen zu bringen hat, welche die Wirtschaft für den Produktivitätsfortschritt braucht.

  • Der Gesundheitssektor ist schon umstrittener, weil hier ein Staatsmonopol mit Nullpreis-Angebot eine unwirtschaftliche Übernachfrage erzeugt hat, wie in der Corona-Hysterie gerade am deutlichsten sichtbar wird.

  • Andere staatliche und private Sozialbereiche und vor allem ideologische Luxusverwaltungsbereiche wie Gender-, Gleichstellungs-, Öko- und Meinungssteuerungsverwaltungen bezahlen ihre Beschäftigten besser als Produktivarbeitskräfte, sind aber wirtschaftstheoretisch nicht produktiv, sondern meist unproduktive Kostenlast, in schlimmeren Fällen Wirtschaftsblockade.

  • Andere - vor allem private - Dienstleistungsbereiche sind ebenfalls nicht eigenproduktiv, sondern nur für andere Wirtschaftsbereiche hilfsproduktiv, wie z.B. der Transport, die Reinigung, die Kommunikation o.a.. Viele Beschäftigte in diesen minderproduktiven Bereichen verdienen in der privaten Wirtschaft, wo Arbeitsleistung von Produktertrag leben muss, weniger als die direkt produktiven Arbeitskräfte etwa in Handwerk oder Industrie, andere dagegen in Dienstleistungsbereichen, in denen die Arbeit nicht nach Ertrag, sondern nach Zeit bemessen wird, mehr als die gewerblichen Produktivkräfte.


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