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1-Euro- und 2-Eurocent-Münzen sollen weg

14.02.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Die Abschaffung des Münz-Bargeldes ist nach wie vor auf der politischen Tagesordnung. Obwohl das das Bargeld bei den Menschen nach wie vor sehr gefragt ist.

Die Kommission der Europäischen Union (EU) in Brüssel will die 1- und 2-Eurocent-Münzen abschaffen. Sie sagt, diese Münzen seien verzichtbar, und Einzelhändlern und Konsumenten würden auf diese Weise unnötige Kosten erspart. Doch sind das die wirklichen Gründe? In jedem Falle ist der Bürger gut beraten, den Vorstoß in Perspektive zu rücken. Denn die Bestrebungen, das Bargeld in kleinen Schritten abzuschaffen, ist in vollem Gange.

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Zunächst muss man wissen, dass gemäß EU-Verordnung (Nr. 1210/2020) die Banken seit 1. Januar 2015 verpflichtet sind, Münze auf Echtheit und Beschädigungen zu prüfen. Damit hat die Europäische Zentralbank (EZB) eine Aufgabe, die eigentlich sie als Euro-Geldmonopolist erfüllen muss, auf die Geldhäuser abgeladen. Die Banken kommt das teuer zu stehen, und sie wälzen die Kosten der Münzhandhabung auf ihre Kunden weiter. Wer Münzgeld auf sein Konto einzahlen will, muss dafür Gebühren zahlen. Dass vor allem der Handel seine Freude am Münzbargeld verliert, ist verständlich.

Die Bargeldgegner reiben sich die Hände. Zumal sie bereits geschafft haben, dass die 500-Euro-Banknote aus dem Verkehr gezogen wird. Seit Ende 2018 werden keine neuen Scheine mehr ausgegeben. Und die 500-Euro-Scheine, die an die Zentralbanken zurückfließen, werden nicht mehr ersetzt. Damit ist der 500-Euro-Schein stigmatisiert: Wer will ihn noch halten, wenn er im Verdacht steht, für Geldwäsche und Terrorfinanzierung eingesetzt zu werden? Muss man nicht fürchten, dass er auch noch verboten wird? Ohne 500-Euro-Schein verteuert sich die Bargeldhaltung: Um große Beträge darzustellen, muss man viel mehr kleine Scheine vorhalten, transportieren und zählen.

Die nun geplante Abschaffung der 1- und 2-Eurocent-Münzen ist nicht ohne. Sie sabotiert das Dezimalsystem des Münzwesens: Der Euro ist definiert als 100 Euro-Cent, und die kleinste Währungseinheit dabei ist die 1-Eurocent-Münze. Nun könnte man vielleicht geneigt sein zu sagen: Auf die Minimünzen kann man doch verzichten, dadurch wird niemand arm.

Doch man sollte die Volksweisheit "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert" nicht so leichtfertig abtun. Kleine Münzen stehen für die Wertschätzung auch kleiner Tätigkeiten, ermuntern, verantwortungsvoll und gewissenhaft mit dem Geld umzugehen und auf diese Weise zum finanziellen Erfolg gelangen zu können. Kleingeld hat etwas mit aufgeklärter und ausgereifter Geldkultur zu tun.

Fallen die kleinen Münzeinheiten weg, wird auch im Bewusstsein der Menschen die "Historie der Kaufkraft des Geldes" ausgelöscht. Die chronische Inflation der Güterpreise, für die die EZB mit ihrer Geldpolitik sorgt, machen zusehends höhere Nominalwerte bei Münzen und Noten erforderlich. Mit dem Verschwinden der kleinen Münzeinheiten verwischt sich daher auch die inflationäre Spur der Geldpolitik, und die Kritikmöglichkeit an der fortgesetzten Inflationspolitik wird geschwächt.

Und: Nach Logik, die der Abschaffung von Kleingeld zugrunde liegt, werden nach den 1- und 2-Eurocent-Münzen auch die 10- und 20-Eurocent-Münzen abgeschafft. Und so weiter. Und nicht letztlich wird auch die "Rundungssteuer" die Kunden ereilen - wenn aus Güterpreisen in Höhe von 0,96 Euro, 0,97 Euro, 0,98 Euro und 0,99 Euro 1 Euro werden.

Dezember 2020 liefen Münzen in Höhe von insgesamt 30,4 Mrd. Euro um; die 1-Eurocent-Münze hatte daran einen Anteil von 1,2 Prozent, die 2-Eurocent-Münze von 1,9 Prozent. (Das entsprach 37,4 Mrd. 1-Euro-Cent-Münzen und 29,9 2-Euro-Cent-Münzen). Es geht bei den Euro-Minimünzen folglich um relativ geringe Beträge - gemessen an der Euro-Geldmenge von (Stand Dezember 2020) 14.521 Mrd. Euro.

Selbst wenn man die vermeidbaren Produktions- und Handhabungskosten gegen die Minimünzen ins Feld führt, so wiegt doch für die Bürger etwas anderes viel schwerer: Die EZB hat das Monopol der Eurogeldproduktion. Sie und die politischen Kräfte, die auf sie einwirken, haben die Macht, das Bargeld abzuschaffen. Dafür führen sie einseitige und vielfach auch fadenscheinige Argumente an: Das Bargeld diene vor allem Geldwäschern, Terroristen und Drogendealern.

Das Bargeld ist jedoch für das produktive Wirtschaften vielfach unerlässlich, und das Bargeld ist vor allem auch ein Schutz gegen allzu ungehemmte Übergriffe der Staaten auf die Bürger. Ohne Bargeld geht auch das Bisschen, was von der finanziellen Privatsphäre noch übrig geblieben ist, verloren. In einer Welt ohne Bargeld können Konsumenten und Unternehmer nur noch elektronisch bezahlen. Sie sind dann vollkommen gläsern für den Staat.

Er kann fortan ganz ungeniert in die Konten seiner Untertanen blicken und vor allem auch immer höhere Steuern erheben, schließlich braucht der Staat ja nicht mehr zu fürchten, dass die Menschen aus dem elektronischen Geld und in das Bargeld flüchten, um dem staatlichen Drangsal zu entkommen. Wer die Bargeldfrage nur an den Kosten der Geldverwendung festmacht, verspielt die bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten, öffnet dem Staat die Tür zum Tyrannentum.

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Wie die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) vom 2. Februar 2020 berichtete, befürwortete eine Mehrheit der Fachpolitiker von CDU, SPD und Grünen im Bundestag die Abschaffung der 1- und 2-Eurocent-Münzen. Wenn das so ist, dann ist es ein weiteres Beispiel dafür, dass die Volksvertreter nicht im Sinne derjenigen Wähler handeln entscheiden, die gutgläubigerweise hoffen, sie könnten durch ihre Wahlentscheidung Deutschland und auch dem Euroraum Freiheit und Wohlstand bescheren.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass das Bargeld sowohl in den Vereinigten Staaten von Amerika als auch im Euroraum nach wie vor ein begehrtes Zahlungsmittel ist (Abb. 1) - gemessen anhand der Bargeldhaltung relativ zum Einkommen. Vor allem im Euroraum ist die Bargeldhaltung relativ hoch. Im Zuge der Coronavirus-Krise ist sie - natürlich auch bedingt durch den Rückgang des Bruttoinlandsproduktes - weiter in die Höhe geklettert.

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Quelle: Refinitiv; Berechnungen Degussa. Letzter Datenpunkt USA Q4 ‘20, Euroraum Q3 ’20.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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