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Jeff Thomas: Desaster & Gelegenheit

21.02.2021
Das Wort "weiqi" bedeutet in Mandarin "Krise." Doch weiqi besteht tatsächlich aus zwei Worten - "wei", das Desaster bedeutet, und "qi", das Gelegenheit bedeutet. Tausende Jahre lang hat es das chinesische Volk verstanden, dass Desaster und Gelegenheiten Hand in Hand gehen. Wann immer eine dramatische Veränderung stattfand, erkannten die Chinesen, dass diese Veränderung - neben möglichem Desaster - auch Gelegenheiten darstellte.

Für den westlichen Geist ist eine Krise nur ein negativer Zustand und da die Leute der Negativität so schnell wie möglich entkommen möchten, unterstützen Westländer typischerweise Staatsoberhäupter, die versprechen, das Problem schnell aus der Welt zu schaffen. Dies führt tatsächlich zu einer Gesellschaft, in der diese Oberhäupter, denen man am meisten vertraut, die einfachste Lösung versprechen; egal wie unrealistisch diese auch erscheinen mag. Wir haben also eine Kultur von Leuten, die ein Übertünchen der Probleme unterstützen.

Der Haken an der Sache ist, dass wir dies zwar temporär tun können, doch das Unausweichliche nur aufgeschoben wird, wenn sich systemische Probleme entwickeln und diese, wenn sie endlich angesprochen werden, deutlich schwerwiegender sind. Seit Jahrzehnten wählten Westländer - vor allem in den USA - diejenigen Kandidaten, die "Hoffnung und Veränderung" sowie "Make America Great Again" versprachen.

Natürlich sind dies nur papierdünne Slogans, die in keinster Weise einer Überprüfung standhalten. Sie vermitteln nicht einmal die Andeutung eines tatsächlichen Plans. Letztlich gewinnt die Regierung nur ein neues Gesicht, während dieselben Leute im Hintergrund weiterarbeiten. Irgendwie scheinen die amerikanischen Wähler interessierter am ausgestellten Staatsoberhaupt zu sein als an denen, die tatsächlich reagieren sowie der Frage, ob es überhaupt einen echten Plan gibt.

Doch sobald die Wahlparty vorbei ist, hofft man, dass sich die Staatsoberhäupter der Problemlösung verschreiben werden. Doch im Westen ist dies selten der Fall. Stattdessen sehen wir üblicherweise endloses Posieren, während weitere vier Jahre vergehen, in denen Probleme übertüncht werden.

Natürlich kann dies nicht ewig so weitergehen. Irgendwann bricht die fragile Struktur zusammen und die Krise muss gehandhabt werden. Wir haben kürzlich eine derartige Krise betreten. Und somit können wir uns im Westen darauf verlassen, dass die politische Klasse weiterhin das Einzige tut, was sie kann: weiterhin alles vertuschen. Es werden deutlich größere Defizite, Schulen und Leistungen erschaffen werden sowie höhere Besteuerung und letztlich Konfiszierung stattfinden.

Bis jetzt haben wir ein fragiles Gebilde gesehen, das mehrfach mit Papier plakatiert wurde und bald zusammenbrechen wird. Sobald sich der Staub gelegt hat, können wir erwarten, dass die politische Klasse damit beschäftigt sein wird, stattdessen die verbleibenden Bruchstücke weiter zu plakatieren. Historisch betrachtet, sterben Weltreiche auf diese Art und Weise.

Und die USA werden nicht die einzige Struktur sein, die zusammenbrechen wird. Die EU, UK, Kanada und einige andere Länder, die bisher als die Erste Welt angesehen wurden, haben es den USA in den letzten 75 Jahren nachgemacht. Sie haben dieselbe Philosophie bezüglich Krisen verwendet und werden dieselben Resultate erleben.

Ist es das also? Wird die ganze Welt kollabieren? Nun, nein. Historisch gab es immer andere Weltreiche, die sich in den Startlöchern befanden, wann immer ein anderes Reich kollabierte. Und das entspricht auch heute noch der Wahrheit. Die politische Welt verabscheut Vakuum und wann immer ein Land fällt, gibt es immer ein anderes, das die Lücke schließt.

Und natürlich fürchten die Westländer den Aufstieg Chinas, das vielleicht das größte Wachstum in der Geschichte eines Landes verzeichnete. Von einer verarmten Nation hin zum Weltführer in nur einigen wenigen Jahrzehnten. Doch die Chinesen leben auch nach dem Prinzip, dass Desaster und Gelegenheit in einer Krise Hand in Hand gehen.

Und in Diskussionen mit chinesischen Geschäftsleuten wird dies offensichtlich. Viele sind begierig auf die Krise, da dies eine Gelegenheit darstellt, neue Unternehmen und neue Märkte zu erschaffen sowie neue Wohlstandmöglichkeiten zu ergründen. Doch mit Fokus auf China als größte Bedrohung für die westliche Dominanz ignorieren die Westländer die Tatsache, dass weiqi kein rein chinesisches Konzept ist; es ist das Leitprinzip der Asiaten allgemein. In Korea nennt sich das Konzept "gihoe" und in Japan "kikai." Das zugrundeliegende Prinzip ist jedoch dasselbe. Und von einem asiatischen Land zum nächsten können wir die Auswirkungen dieser Wahrnehmung von Gelegenheiten als integraler Teil jeder Krise beobachten.

In jedem asiatischen Land können wir eine Fahrt unternehmen und hunderte, große Apartmentblöcke sehen, die bisher noch ungenutzt sind. Wenn wir unsere asiatischen Gefährten fragen, warum diese Anomalie existiert, dann scheinen sie überrascht. Sie erklären, dass selbst diese Apartments in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht ausreichen werden, wenn mehr Leute in die Stadt ziehen, um den erwarteten Produktionsanstieg zu händeln, wenn Asien die Warenlieferungen an andere Teile der Welt übernimmt.

Sicher verstehen die Westländer, dass derartige Vorbereitungen notwendig sind, wenn der Prozess schnell stattfinden soll? Selbst die asiatischen Lokale, die die Westländer tendenziell als kriegsgeschundene Opfer ansehen, befinden sich im Vorbereitungsmodus. Es wurde schon oft gesagt, dass das 21. Jahrhundert das asiatische Jahrhundert sein wird und das zu Recht.

Wenn wir eine IQ-Karte der Welt betrachten, dann finden wir heraus, dass der asiatische IQ tendenziell höher als auf jedem anderen Kontinent ist. Auch wenn wir es nicht gerne zugeben, so sind sie intellektuell überlegen. Während die Westländer das "wei" - das Desaster - sehen, erkennen die Asiaten auch "qi" - die Gelegenheit. Sie verstehen, dass wir nun eine Zeit der großartigen Gelegenheiten betreten. Und die Zukunft wird primär ihnen gehören.


© Jeff Thomas



Dieser Artikel wurde am 14. Februar auf www.internationalman.com veröffentlicht und exklusiv für GoldSeiten übersetzt.


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