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EU/Russland Klartext - EU will aktive Handelspolitik

19.02.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2091 (06:16 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2054 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,60. In der Folge notiert EUR-JPY bei 127,68. EUR-CHF oszilliert bei 1,0839.

Gestern standen Aktienmärkte unter Druck. Das Thema Zinsversteifung am Kapitalmarkt belastete, aber auch die Markttechnik liefert derzeit negative Impulse. Der USD hat gegenüber Hauptwährungen an Boden verloren, aber gegenüber den edlen Metallen, den Währungen ohne Fehl und Tadel, an Boden gewonnen. Auch die zinslosen Krypto-Anlagen konnten an Boden gewinnen. Die markante Divergenz der Preisentwicklung der zinslosen Aktiva der Krypto-Anlagen versus der zinslosen Edelmetall-Anlagen eröffnet Spielraum für Diskussionen …

Es gibt positive Entwicklungen in der Arena der Politik. Die USA würden die Einladung der EU zu Iran-Gesprächen annehmen. Die USA sind unter Bedingungen bereit, zum Atomabkommen zurückzukehren. Dieser Schritt wäre in der Tat in Richtung Weltfrieden Ziel führend.

Es gibt aber auch negative Entwicklungen. Die EU wird im März weitere Sanktionen gegen Russland in der Causa Nawalny verhängen. Die Causa Nawalny ist kompliziert. Nawalny hat sich nach seiner Gesundung nicht in Moskau gemeldet. Dazu war er gerichtlich verpflichtet. Er soll mit Vertretern westlicher Geheimdienste das "Präsidentenpalast-Video" produziert haben. Die westliche Einmischung in dieses Rechtsverfahren in Russland ist diesbezüglich mehr als ambitioniert.

Würde sich ein westliches Land eine derartige Einmischung gefallen lassen? Auf diese Einmischung in die Innenpolitik Russlands jetzt auch noch Sanktionen zu setzen, muss als bewusste Eskalation definiert werden. Moskau hat für den Fall neuer Sanktionen der EU angekündigt, zu erwägen, den diplomatischen Verkehr mit der EU einzustellen. Diejenigen in Europa, die Konfrontation forcieren wollen, scheinen sich durchgesetzt zu haben.

Deutlich wurde das im Interview des Chefs des Instituts für Weltwirtschaft, Herrn Felbermayr, mit dem Deutschlandfunk. Es wird klar, dass es um Regime-Change geht. Nur ist Regime-Change nicht durch die UN-Charta gedeckt, ganz im Gegenteil.

Link: https://www.deutschlandfunk.de/neue-eu-sanktionen-gegen-russland-europa-allein-kann-nicht.795.de.html?dram:article_id=492386

Wo stellen sich Deutschland und die EU damit auf? Dabei ist Nawalny, der einen nationalistischen und rassistischen Hintergrund hat und in Deutschland mit derartigen politischen Positionen politisch diskriminiert und möglicherweise rechtlich verfolgt würde, nur eine Marionette. Wissen wir, was wir tun?


EU will aktive Handelspolitik

Die EU plant laut Strategieüberprüfung der EU-Kommission eine aktivere Handelspolitik gegenüber den USA und China. Das begrüßen wir, weil es überfällig ist. Auch soll die WTO gestärkt werden. Die EU hofft auf Joe Biden, denn sein Vorgänger Donald Trump hat die WTO handlungsunfähig gemacht. Das deckt sich vollständig mit meiner Position, denn die WTO ist das „Skelett“, das die globale Ökonomie trägt.

EU-Handelskommissar Dombrovskis erklärte, dass das Pariser Klima-Abkommen ein wichtiger Gegenstand in künftigen Handelsgesprächen sein werde. Es sei Ziel, dass sich die G20 zu den Zielen der Klimaneutralität bekennen soll. Das ist richtig, wird aber nicht einfach. Klimapolitik muss man sich leisten können, deswegen gilt es, pragmatisch und nicht ideologisch voranzuschreiten. Die letzten Jahre hat der ideologische Ansatz zu Lasten des Pragmatismus in manchen Ländern dominiert (diplomatischer lässt sich das nicht ausdrücken).

Die CDU-Politikerin Katja Leikert reagierte auf diese grundsätzlichen Einlassungen mit konkreten Vorschlägen. Die EU-Kommission sollte den USA ein Moratorium aller gegenseitigen Handelssanktionen vorschlagen. Man brauche positive Signale, die Vertrauen schafften. Sie zielte zurecht auch gen China. Die EU hatte China zuletzt immer wieder vorgeworfen, seine Märkte nicht im gleichen Maße zu öffnen.

Ja, hier sind noch Hausaufgaben zu machen. In der Handelsstrategie gebe es nur wenig Ansätze, wie die EU neue Absatzmärkte in Asien erschließen könne. China sei dabei, seine Standards auf wichtigen Märkten wie in Asien und Afrika durchzusetzen. Es reiche für Europa nicht aus, auf bewährte Partnerschaften zu setzen. Korrekt!


Fazit:

Die EU hat die Handlungsfelder erkannt, wenn auch spät. Hätte man bei der Seidenstraße/BRI am Anfang mitgemacht (2010/2012), hätte man auch bei Standards mitreden können. Man wollte aber aus außenpolitischen Gründen nicht denen zuhören, die sich für diese Ausrichtung der frühen Kooperation einsetzten.

Ich "bedanke" mich für die Ignoranz und Arroganz, deren Preis für Europa mittlerweile deutlich erkennbar ist. Wenn politische Korrektheit in Staaten höher bewertet wird als weitsichtiger sachlicher Pragmatismus, ist der Preis dafür hoch (auch Russland!).


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Verbraucher etwas zuversichtlicher

Der Index des Verbrauchervertrauens der Eurozone stieg laut Erstschätzung per Februar von zuvor -15,5 auf -14,8 Punkte (Prognose -15,0).


USA: Durchwachsen, steigende Import- und Exportpreise

Neubaubeginne stellten sich in der annualisierten Fassung per Januar auf 1,580 (Prognose 1,658) nach zuvor 1,680 (revidiert von 1,669) Mio. Objekte. Baugenehmigungen lagen in der annualisierten Fassung per Januar bei 1,881 (Prognose 1,678) nach zuvor 1,704 Millionen. Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe nahmen in der Berichtswoche per 13. Februar von zuvor 848.000 (revidiert von 793.000) auf 861.000 (Prognose 765.000) zu.

Der Philadelphia Fed Business Index sank per Februar von zuvor 26,5 auf 23,1 Zähler (Prognose 20,0). US-Importpreise stiegen per Januar im Monatsvergleich um 1,4% (Prognose 1,0%) nach zuvor 1,0% (revidiert von 0,9%). Im Jahresvergleich kam es zu einer Zunahme um 0,9% nach zuvor -0,3%. US-Exportpreise zogen im Monatsvergleich per Januar um 2,5% (Prognose 0,7%) nach zuvor 1,3% (revidiert von 1,1%) an.


Japan: Deflation nimmt ab, Produktion legt zu

Die Verbraucherpreise sanken per Berichtsmonat Januar im Jahresvergleich um 0,6% nach zuvor -1,0%. Die Kernrate verzeichnete im Jahresvergleich einen Rückgang um 0,6% (Prognose -0,7%) nach zuvor -1,0%. Der von der Jibun Bank ermittelte Einkaufsmanagerindex für das Verarbeitende Gewerbe stieg per Februar von zuvor 49,8 auf 50,6 Zähler.


Russland: Positiv, besser als erwartet

Die Devisenreserven legten in der Berichtswoche per 12. Februar von zuvor 586,1 auf 591,5 Mrd. USD zu. Die Einzelhandelsumsätze sanken im Jahresvergleich per Berichtsmonat Januar um 0,1% (Prognose -3,0%) nach zuvor -3,6%. Die Arbeitslosenrate fiel per Berichtsmonat Januar von zuvor 5,9% auf 5,8% (Prognose 6,0%). Reale Löhne verzeichneten per Dezember einen Anstieg im Jahresvergleich um 4,6% (Prognose -1,5%) nach zuvor +0,2%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Positionierung EUR/USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.2200 - 1.1910 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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