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Kunst der Diplomatie nach Disruption und Eskalation?

22.02.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2119 (06:07 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2108 im US-Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,67. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128,06. EUR-CHF oszilliert bei 1,0882.

Die Finanzmärkte zeigen sich in fortgesetzter leichter Unruhe. Das Thema der Zinsversteifung an westlichen Kapitalmärkten wegen des nicht überraschenden Inflationsanstiegs (auch Basiseffekte, Rohstoffe) bewegt die Gemüter weiter.

Man fokussiert sich derzeit gerne auf die nominalen Zinsniveaus und ist bereit, das viel wesentlichere Thema des erhöhten negativen Realzinses vollständig auszublenden. Letzterer ist im Niedrigzinsregime die entscheidende Größe für die Realwirtschaft und damit die potenziellen Cash-Flows Die Verweigerung dieses Themas an Finanzmärkten garantiert zunächst weitere Nervosität.


Kunst der Diplomatie nach Disruption und Eskalation?

Seit vier Jahren wurden wir durch die USA mit Disruptionen und Eskalationen losgelöst vom internationalen Rechtsrahmen konfrontiert. Die Reaktion der EU war bezüglich der damit einhergehenden Wertebrüche der USA ebenso wie bei internationalen Rechtsbrüchen durch "Regime-Change-Politik" zuvor durch Clinton, Bush und Obama, die dann in Teilen Grundlage der Migrationsströme nach Europa war, sehr leise und still. Es ergab sich im internationalen US-Verkehr eine Entwicklung hin zu archaischen Verhaltensmustern.

Das nehmen wir hinsichtlich der lauten Wertediskussion bezüglich Russland und China zur Kenntnis und bedenken die Anzahl der Toten, die diese US-Politik mit sich brachte im Verhältnis zu den durch China und Russland ausgelösten Kollateralschäden in den letzten 20 Jahren am Humankapital dieser Welt. Wir reden hier über offensichtliche Fakten versus offensichtliche Narrative.


Iran: Atombehörde setzt Kontrollen fort

Die Atombehörde IAEO und Teheran haben für einen Zeitraum von drei Monaten vereinbart, dass die IAEO die Kontrollen der iranischen Atomanlagen fortsetzen kann. Die jetzt erkennbare Konzilianz seitens Teherans ist Realpolitik. Es ist ein Angebot, die US-Disruptions- und Eskalationspolitik bezüglich dieses Konflikts zu überwinden. Es ist die Chance, der Kunst der Diplomatie Raum und Luft zu geben.


China macht USA Angebot

China macht den USA ein Angebot für einen Neubeginn der Beziehungen. In den letzten Jahren hätten die USA den bilateralen Dialog auf allen Ebenen im Grunde abgeschnitten. Damit wurde die Basis für die Kunst der Diplomatie bewusst seitens der USA entzogen. Diese Tatsache belegt den Willen der USA zur Eskalation. China sei bereit, eine offene Kommunikation mit der US-Seite zu führen und sich an Gesprächen zur Lösung von Problemen zu beteiligen. Das ist Ausdruck des Willens zur Kunst der Diplomatie.

Gleichzeitig forderte Peking die US-Regierung auf, von den Strafzöllen abzurücken und die Unterdrückung des chinesischen Technologiesektors aufzugeben. Diese Maßnahmen wurden losgelöst vom internationalen Regelwerk verfügt. So wie deutschen Automobilbauern willkürlich die Gefährdung der "Nationalen Sicherheit der USA" vorgeworfen wurde. Chinas Position ist sachlich nachvollziehbar. Peking reicht den USA die Hand, der Kunst der Diplomatie eine Chance zu geben.
Ifo-Chef Fuest warnt vor einer transatlantischen Allianz gegen China

Der Präsident Ifo-Instituts warnte die Europäer davor, sich an einer Isolierungspolitik der US-Regierung gegenüber China zu beteiligen. Herr Fuest sagte, wenn Europa und die USA versuchten, China wirtschaftlich zu isolieren, würde das bei allen Beteiligten großen wirtschaftlichen Schaden anrichten.

Die wirtschaftlichen und politischen Interessen Europas an den Wirtschaftsbeziehungen zu China unterschieden sich von denen der USA. Europa sollte sowohl gegenüber China als auch gegenüber den USA einseitige Abhängigkeiten reduzieren und gleichzeitig die Wirtschaftsbeziehungen vertiefen. Das ist weise und deckt sich vollständig mit meiner Ansicht (u.a. IT-Airbus). Auch hier ist Kunst der Diplomatie gefordert, nicht Eskalation und Disruption.


Moskau warnt EU

Die Regierung in Moskau hat die EU wegen der Eingriffe in russische Innenpolitik in der Causa Nawalny bezüglich möglicher einseitiger Sanktionen gewarnt. Man werde im Fall von Sanktionen handeln. Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im EU-Parlament, David McAllister, konstatierte dass, das Verhältnis zu Moskau auf einem Tiefpunkt angelangt sei. Maßgeblich wegen der Causa Nawalny werden neue Sanktionen seitens der EU erwogen.

Wer Assange und Snowden, zwei westliche Whistleblower, die für westliche Werte einstehen, Loyalität und Solidarität und bitter notwendige Maßnahmen aus deren Whistleblowing verweigert, ergo eine Warnung an westliche Whistleblower damit implizit ausspricht, hat hier kein Standing. Ich weise darauf hin, dass Assange in den USA die Todesstrafe droht.

Nawalny ist weder bei Werten und Taten wertetechnisch vergleichbar mit Assange und Snowden. Ganz im Gegenteil. Gegenüber Moskau, dass seit gut 20 Jahren von dem Westen enttäuscht wird (Nato-Erweiterung etc.) hat die Kunst der Diplomatie offenbar seitens der EU keine Chance. Wer bezahlt den Preis dafür?


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Lockdowns belasten Dienstleistungen

Der von Markit ermittelte Composite Index per Berichtsmonat Februar legte laut Erstschätzung von zuvor 47,8 auf 48,1 Punkte zu (Prognose 48,0). Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Anstieg von 54,8 auf 57,7 Zähler (Prognose 54,3), währende der Dienstleistungsindex von 45,4 auf 44,7 Punkte sank (Prognose 45,9).

Der Leistungsbilanzüberschuss der Eurozone stellte sich per Dezember in der saisonal bereinigten Fassung auf 36,7 Mrd. EUR nach zuvor 24,6 Mrd. EUR und markierte den höchsten Überschuss seit Februar 2020.


UK: Asymmetrie zwischen Realität und Stimmung

Der von Markit ermittelte Composite Index per Berichtsmonat Februar legte laut Erstschätzung von zuvor 41,2 auf 49,8 Punkte zu (Prognose 42,2). Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Anstieg von 54,1 auf 54,9 Zähler (Prognose 53,2), währende der Dienstleistungsindex von 39,5 auf 49,7 Punkte zunahm (Prognose 41,0).

Der vom CBI ermittelte Auftragsindex stieg per Februar von zuvor -38 auf -24 Punkte (Prognose -35). Dieser Wert impliziert trotz des Anstiegs, dass reale Lage und Stimmung in den Unternehmen deutlich auseinanderliegen.

Gemäß der Statistikbehörde brachen die Einzelhandelsumsätze im Monatsvergleich per Dezember um 8,2% (Prognose -2,5%) ein.


USA: Positive Daten

Der von Markit ermittelte Composite Index per Berichtsmonat Februar legte laut Erstschätzung von zuvor 58,7 auf 58,8 Punkte zu. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verzeichnete einen Rückgang von 59,2 auf 58,5 Zähler (Prognose 58,5), während der Dienstleistungsindex von 58,3 auf 58,9 Punkte stieg (Prognose 57,6). Der Absatz zuvor genutzter Wohnimmobilien legte per Berichtsmonat Januar um 0,6% (Prognose -1,5%) von annualisiert 6,65 Mio. (revidiert von 6,76 Mio.) auf 6,69 Mio. (Prognose 6,61 Mio.) Objekte zu.


China: PBoC mit ruhiger Hand

Die Zentralbank hat die offiziellen Zinssätze erwartungsgemäß unverändert belassen (1-Jahreskredite 3,85%, 5-Jahreskredite 4,65%).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Positionierung EUR/USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.2200 - 1.1910 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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