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EZB transparent und determiniert - Deutschland: Weichenstellungen!

03.03.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2089 (05:57 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1992 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 106,85. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129,17. EUR-CHF oszilliert bei 1,1063.


EZB transparent und determiniert

Die EZB werde sich laut EZB-Vizechef de Guindos und EZB-Direktor Panetta bei Bedarf mittels des PEPP Anleiheankaufprogramms gegen einen unerwünschten Anstieg der Staatsanleihen-Renditen stemmen. Panetta sagte, man sei bereit, das Volumen der Käufe zu erhöhen und den ganzen PEPP-Rahmen auszugeben oder mehr, falls das nötig sei. Er arrondierte, dass seine Hauptbotschaft mit dem Titel eines Songs des Elektromusik-Duos Daft Punk zusammengefasst werden könne: "Harder, better, faster, stronger". Hinsichtlich der EZB-Politik der letzten Jahren bringe ich die Beatles ins Spiel: "The long and winding Road".

De Guindos will prüfen, ob der Renditeanstieg im Wirtschaftsumfeld durch negative Finanzierungsbedingungen schädlich sei. Ich nehme das Resultat dieser Prüfung vorweg. Es lautet: Eine fortgesetzte dynamische Erhöhung der Renditen bei den Staatsanleihen der Eurozone ist schädlich und zwingt die EZB, zu handeln.

Inflationssorgen hält de Guindos derzeit nicht für angebracht. Diese Sichtweise teile ich unter Verweis auf den Rückgang der Kernrate der Verbraucherpreise (siehe Datenpotpourri) von 1,4% auf 1,1%. Temporäre Basiseffekte und exogene Faktoren, die die EZB nicht beeinflussen kann, sind für den Anstieg der Gesamtrate der Verbraucherpreise verantwortlich. Darauf zu reagieren, wäre grober Unfug! Der Finanzmarkt schaute in seiner Nervosität nur auf quantitative, nicht auf qualitative Größen. Ob der Markt damit in jüngster Zeit professionell agierte, sei dahingestellt.

Die EZB agiert transparent und determiniert im Rahmen ihres Zielkatalogs (den man hinterfragen kann).


Deutschland: Weichenstellungen

Viele Weichenstellungen der deutschen Politik der letzten 16 Jahre sind hinsichtlich der Zukunftsfähigkeit unseres Geschäftsmodells (Wirtschaft), Gesellschaftmodells (Freiheit oder Vollkaskostaat/Sozialismus), Energiepolitik (Energiewende ohne Netz) Ethik/Moral (symmetrische oder asymmetrische Anwendung der Werteskala national/international) und außenpolitischer Ausrichtung (zukunfts- oder vergangenheitsorientiert) kritisch zu hinterfragen.

Auch das Thema Steuern gehört dazu. Der Standort Deutschland verliert einer Studie des ZEW zufolge im internationalen Vergleich massiv an Attraktivität. Von 21 untersuchten Industrienationen ist Deutschland 2021 gegenüber 2018 um drei Plätze auf den 17. Rang abgerutscht. Das ist der historisch betrachtet schlechteste Wert (Studien begannen 2006).

Deutschland braucht mit seinem Kapitalstock Investitionen (= Arbeitsplätze), um das Wohlstandsniveau aber auch die politische Stabilität zu erhalten. Wer sich in diesem Ranking abschießt, zerstört den deutschen Arbeitsmarkt und auch die Chance auf Wohlstandserhalt inklusive des üppigen Sozialstaats. Nichts könnte unsozialer sein!

Es ist begrüßenswert, was uns gestern von Seiten der FDP erreichte, die sich des Steuerthemas angenommen haben.

Sollte es nach der Bundestagswahl zu Koalitionsverhandlungen mit der FDP kommen, stellte FDP-Chef Lindner eine klare Bedingung. Die FDP würde nur dann in eine Regierung eintreten, wenn zusätzliche Belastungen für die Einkommen der Beschäftigten und derjenigen ausgeschlossen würden, die unternehmerische Risiken für Arbeitsplätze tragen. Darüber hinaus müsse eine Bundesregierung mit Beteiligung der FDP daran arbeiten, dass es in der kommenden Wahlperiode eine spürbare Entlastung der Netto-Einkommen gibt.


Fazit: Sachlich unbestechlich geprägt von Verantwortungsbewusstsein!

Der Verband der mittelständischen Wirtschaft und Inhaber und Vorstandsvorsitzende der 20 großen Mittelstandsunternehmen schrieben wegen der bedrohlichen Folgen des Lockdown und der damit einhergehenden Existenzrisiken einen Brandbrief an die Kanzlerin. Diese Unternehmen tragen Deutschland maßgeblich. Sie sind das unverzichtbare Rückgrat für wirtschaftliche und daraus folgende gesellschaftspolitische Stabilität.

Sie leben nicht die Beliebigkeit der Großkonzerne mit kurzfristig geprägten Agenden im Zeitgeist der „US-Moden“ (die regelmäßig Schäden verursachen, siehe u.a. Deutsche Bank, IKB), die durch Landes- und Bundespolitik regelmäßig im Fokus standen. Dieser tragende Sektor der deutschen/europäischen Wirtschaft wurde weder von "Bonn" noch von "Berlin" angemessen berücksichtigt!

Sie fordern in dem Brandbrief einen Ausstieg aus dem Lockdown. Sie dringen auf einen Maßnahmenkatalog zur Entbürokratisierung der Corona-Hilfsprogramme, einen Ausstiegsplan und eine Agenda nach Corona. Es drohe ansonsten ein Ausverkauf des deutschen Mittelstandes auch durch chinesische Direktinvestitionen.

Das ist Klartext, der hoffentlich nicht verhallt, denn es ist spät, sehr spät!

Es geht bei vielen Themen um entscheidende Weichenstellungen. Hier ist nicht politische Verwaltung, sondern politische Neugestaltung bitter notwendig!


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Lockdown schnürt Einzelhandel die Luft ab

Die deutschen Einzelhandelsumsätze sanken per Januar im Monatsvergleich markant um 4,5% (Prognose -0,3%) nach zuvor -9,1% (revidiert von -9,6%). Im Jahresverglich kam es zu einem Rückgang um 8,7% (Prognose -1,3%) nach zuvor +2,8% (revidiert von 1,5%). Bei dieser Entwicklung handelte es sich um die Konsequenzen aus einer durch den Lockdown (Politik, nicht aus der Ökonomie) hervorgerufenen Lähmung diese Sektors.

Die Arbeitslosenquote Deutschlands in der saisonal bereinigten Fassung verharrte per Berichtsmonat Februar erwartungsgemäß bei 6%.

Die Verbraucherpreise der Eurozone stiegen gemäß Erstschätzung im Jahresvergleich um 0,9% (Prognose 0,9%) nach zuvor 0,9%. Die Kernrate, die durch EZB-Politik maßgeblich beeinflussbar ist, legte im Jahresvergleich um 1,1% (Prognose 1,1%) nach zuvor 1,4% zu.


USA: New York läuft nicht

Der ISM New York Business Conditions Index sank per Berichtsmonat Februar von zuvor 51,2 auf 35,5 Punkte.


China: Dynamikverluste im Sektor Dienstleistungen

Der von Caixin ermittelte Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors fiel per Februar von zuvor 52,0 auf 51,5 Zähler.


Japan: Zart positive Tendenz bei Dienstleistungen

Der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors nahm geringfügig von zuvor 46,1 auf 46,3 Punkte zu.


Kanada: Starke BIP-Daten

Das BIP stieg per 4. Quartal 2020 im Quartalsvergleich um 2,3% nach zuvor 8,9%. Im Jahresvergleich ergab sich ein Rückgang um 3,23% nach zuvor -5,33%.


Australien: Starke BIP-Daten

Das BIP nahm im 4. Quartal 2020 im Quartalsvergleich um 3,1% (Prognose 2,5%) nach zuvor 3,3% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 1,1% (Prognose -1,8%) nach zuvor -3,7%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone bei 1.1990 -– 1.2020 neutralisiert den positiven Bias des Euros.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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