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Geldschöpfung im Sisyphus-Modus - Tod für Dollar & Anleihen

08.03.2021  |  Egon von Greyerz
Open in new windowAls Anleger braucht man nur vier entscheidende aber simple Punkte zu verstehen, um die Flut wahrzunehmen, die uns zum Glück führt. Warum nur wird die Mehrheit der Anleger auf anderen Strömen unterwegs sein und sich durch Not und Klippen winden müssen? Es liegt wohl daran, dass sich Anleger wohler fühlen, wenn sie dem Trend folgen, ohne Veränderungen antizipieren zu müssen.

Wer jene vier Puzzle-Teile versteht, wird nicht nur der totalen Vermögenszerstörung entgehen, sondern auch eine Gelegenheit bekommen, wie es sie nur einmal im Leben gibt. Die nächsten 5-10 Jahre werden vom größten Vermögenstransfer der Geschichte geprägt sein. Da die meisten Investoren an Blasenmärkten wie Aktien und Anleihen festhalten, werden sie kräftige Vermögensverluste hinnehmen müssen.

Wie Brutus in Shakespeares Julius Caesar sagt:

”Es gibt Gezeiten für der Menschen Treiben;
Nimmt man die Flut wahr, führt sie uns zum Glück,
Versäumt man sie, so muß die ganze Reise
Des Lebens sich durch Not und Klippen winden.
Wir sind nun flott auf solcher hohen See
Und müssen, wenn der Strom uns hebt, ihn nutzen,
Wo nicht, verlieren, was zur See wir wagten.


Klarheit: Vier Puzzle-Teile

Also: Um welche vier Puzzle-Teil, die entweder zum Glück oder ins Elend führen, geht es hier? Es geht um:
  • 1. Aktien
  • 2. Währungen
  • 3. Zinssätze
  • 4. Rohstoffe

Man füge diese 4 Teile zusammen und das Rätsel der Marktentwicklung und der Zukunft der Weltwirtschaft wird ganz klar erscheinen. Doch leider wird das Zusammenführen dieser 4 Teile den meisten Investoren Schwierigkeiten bereiten.


Ewige Schöpfung

Haben Regierungen und Zentralbanken mit ihrer verschwenderischen Politik für eine Konditionierung der Investoren gesorgt? Denn diese Investoren erwarten nichts anderes als das ewige Glück … Ja, vielleicht haben sie das. Doch dieses Glück hier wird flüchtig sein und in "Not und Misere" enden. Zentralbanken haben jetzt die Sisyphusaufgabe, bis in alle Ewigkeit Geld zu drucken. Je mehr sie drucken, desto mehr werden sie drucken müssen. Als Sisyphus schließlich in den Hades kommt, muss er zur Strafe einen großen Stein bergauf rollen. Oben angekommen, rollt der Stein immer wieder zurück, so dass er ihn wieder und wieder und wieder … hinaufrollen muss.

Und eine solche Strafe hat auch die Federal Reserve auferlegt bekommen. Wie ich im Artikel über Paracelsus, den Schweizer Arzt im 16. Jh., deutlich gemacht hatte, kann alles Gift sein, entscheidend ist hierfür nur die Dosis. Seit Jahrzehnten bekommen die USA eine toxische Dosis "Gratisgeld"; sobald man davon abhängig geworden ist, kann dem vergifteten Patienten (der US-Wirtschaft) nur geholfen werden, indem ihm noch mehr vom selben Stoff injiziert wird.

Einerseits kann die Fed nie und nimmer die Geldschöpfung vorsätzlich stoppen, weil dann sofort Aktienmärkte, Anleihemärkte und das Finanzsystem zusammenbrechen würden. Andererseits hat die unablässige Geldschöpfung auch ihre Konsequenzen. Sie wird den Dollar zerstören, sie wird den Markt für US-Staatsanleihen zerstören und letztlich auch zu Inflation und Hyperinflation führen.

Unter Zerstörung des Anleihemarktes ist ein sehr deutlicher Anstieg der Zinssätze zu verstehen - etwas, das sich, in Anbetracht einer globalen Verschuldung von 280 Billionen $ (Tendenz rapide steigend), weder die USA noch die Welt leisten können. Das haben wir es: Den USA und der Welt sind quasi die Hände gebunden; was sie auch machen, es wird schreckliche Konsequenzen für die Welt haben.

Kommen wir jetzt zu den 4 Puzzle-Teilen zurück, die Investoren fest vor ihrem geistigen Auge haben sollten.


Puzzle-Teil 1: Rohstoffe

Seitdem Nixon das Goldfenster vor 50 Jahren schloss, hat die Welt ein beispielloses Ausmaß an Kreditwachstum und Geldschöpfung erlebt. Die Golddeckung der Währungen hielt die jeweiligen Zentralbanken an der kurzen Leine; seit 1971 begann jedoch eine Art Geldschöpfungsfreiheit, die von den USA und den meisten Ländern der Welt exorbitant genutzt wurde. Seit 2006 verläuft die Geldschöpfung exponentiell.

Eine Zunahme des Geldangebots - das ist die Definition von Inflation in Reinform. Doch bis vor Kurzem schlug sich starke Inflation allein in bestimmten Anlageklassen wie Aktien, Anleihen und Immobilien nieder. Die normalen Verbraucherpreise stiegen in den offiziellen Quoten nur marginal an, obgleich einige von uns deutlich höhere Inflationsraten erleben als die offiziell erhobenen.

Doch jetzt senden uns die Rohstoffpreise Warnsignale, dass die Inflation bald mit Nachdruck durchschlagen wird. So ist die Inflation im Bereich der Agrarprodukte seit letzten Mai um 50 % gestiegen. Bislang hat das noch keine schwerwiegenden Auswirkungen auf die Verbraucherpreise gehabt; doch die werden sich bald zeigen. Seit ihrem Tief im April 2020 sind die Rohstoffpreise ganz allgemein um 100% gestiegen. Unten im Chart sehen wir das Verhältnis aus Rohstoff- und Aktienkursen. Hier zeigt sich, dass Rohstoffe in einem 50-Jahre-Tief sind. Angesichts des massiven Aufwärtspotentials kann dieser Chart als Vorwarnung für eine drohende stark inflationäre Periode gelten.

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Die meisten Rohstoffpreise werden drastisch steigen, auch Nahrungsmittel und Energie.



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