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Die Inflation ist defekt

25.03.2021  |  John Mauldin
Ich schreibe seit mehreren Jahren, dass sich vor allem die USA und die westliche, "entwickelte" Welt einer Zeit annähern, in der keine unserer Entscheidungen gut sein wird. Dort sind wir nun angekommen. Jede Entscheidung, die die Regierung und Zentralbanken der Welt treffen werden, wird letztlich zu einer Krise führen. Genau wie die Entscheidungen von Greenspan und Bernanke die Great Recession erschufen und Yellens und Powells Entscheidungen uns letztlich zur nächsten Krise führen werden; das, was ich als den Great Reset bezeichne.

Ich denke, es gibt nun kein Zurück mehr. Eine politische Wende würde nun zu einer Rezession führen, die so große wäre, wie die von Paul Volcker Anfang der 1980er Jahre. Darauf gibt es einfach keinen Appetit. Des Weiteren werden Staatsschulden und anhaltende, jährliche Defizite die Geldpolitik dazu zwingen, akkommodierend zu bleiben. Heute werden wir diese Probleme durch die Linse der Inflation betrachten. Allgemein stimmen die Verbraucher zu, dass Inflation unerwünscht ist. Sie möchten nicht, dass die Preise steigen.

Doch sprechen wir hier über Wissenschaft und Zentralbanker. Etwas Inflation macht aus ihrer Sicht Sinn. Sie möchten immer etwas Raum haben, um die Zinsen zu senken, sollte die Wirtschaft schwächeln. Man würde es bevorzugen, negative Zinsen zu vermeiden. Sie brauchen "normale" Zinsen, die bequem über null liegen. Das ist schwer beizubehalten, wenn die Wirtschaft nicht gerade ein bestimmtes Maß an Inflation unterhält. Also tolerieren sie etwas Inflation und ermutigen diese sogar, wenn notwendig.

Doch das wirft eine weitere Frage auf: Woher wissen Zentralbanker tatsächlich, wie viel Inflation existiert? Sie verlassen sich auf Daten und Daten können verdreht, falsch interpretiert werden oder einfach nur falsch sein. Manchmal alles drei.

Dieses Problem sprach ich in "Alles ist defekt" bereits an. Ein Großteil unserer defekten Wirtschaft ist das Resultat defekter Geldpolitik, die aus defekten Daten resultiert. Das wirkt sich auf alles aus. Wenn die Offiziellen der Federal Reserve denken, dass die Inflation niedrig ist, wenn sie tatsächlich hoch ist, oder andersherum, dann werden die Zinsen zu hoch oder zu niedrig festgelegt. Regierungen, Unternehmen und Verbraucher werden ähnlich schlechte Entscheidungen treffen, die letztlich zu einer Katastrophe wie der Great Recession führen werden. Und all das wird auf ein Datenproblem zurückzuführen sein.

Die Inflation ist nur eines der Datenprobleme, doch wahrscheinlich das folgenschwerste. Heute werden wir uns also genauer mit dieser Thematik beschäftigen. Unsere verzerrten Inflationsdaten haben eine Menge mit den "Immobilienpreisen" zu tun. Das setze ich in Anführungszeichen, weil Preis hier vielleicht nicht das richtige Wort ist, wie Sie sehen werden.


Wohnung vs. Unterkunft

Wir müssen hier mit einem definitorischen Problem beginnen. Für die meisten Leute sind Mietkosten ein hoher Kostenpunkt und oftmals der einzig große. Demnach sind sie gerechtfertigterweise ein großer Teil des Verbraucherpreisindexes (CPI) und der persönlichen Verbraucherausgaben (PCE).

Die Federal Reserve bevorzugt den PCE-Maßstab, während sich die Geschäftsmedien aus welchem Grund auch immer auf dem CPI fokussieren. Üblicherweise bewegen sich CPI und PCE mehr oder weniger gemeinsam. Doch beachten Sie, dass beide Maßstäbe Wohnkosten als ihre größten Bestandteile berechnen. Diese Tabelle zeigt die Gewichtungen.

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Beachten Sie, dass Owner's Equivalent Rent (OER) im CPI 23,4% beträgt, die gesamten Wohnkosten jedoch mit 42,4% gewichtet werden. Das BLS versucht einzubeziehen, wie viele Leute ihre Wohnungen besitzen, mieten und welche weiteren Wohnkosten es gibt. Einige Leute besitzen ihre Wohnung direkt und andere Leute haben hohe Hypotheken. Wie Sie sehen werden, gehören eine Menge Schätzungen dazu.

"Konsumiert" man Wohnungen tatsächlich? Auf gewisse Weise nicht. Das Haus oder die Wohnung ist noch immer vorhanden, wenn Sie darin geschlafen haben, es wurde nur etwas benutzt. Sie haben das Haus an sich nicht konsumiert. Sie haben die Unterkunft konsumiert, die es Ihnen für eine Nacht bot. Ich weiß, eine dezente Unterscheidung. Doch das ist für die Wissenschaft und für die Art und Weise, wie wir Wohnungs-/Unterkunftsinflation messen, wichtig.

Unterkunft ist eine Dienstleistung; ein Haus ist ein Kapitalgut. Wenn Sie eines kaufen, dann konsumieren Sie nicht; Sie investieren. Seit 1981 haben die Inflationsbenchmarks die Immobilienpreise nicht direkt gemessen. Sie messen etwas, das "Owner's Equivalent Rent" (OER) heißt.

Woher nehmen die Benchmarks also diese OER-Zahlen? Es werden monatliche Telefonumfragen durchgeführt. Befragte werden gefragt, ob sie ihr Haus oder ihre Wohnung besitzen oder mieten. Mieter erzählen, wie viel Miete sie bezahlen. Einfach. Hausbesitzer erklären, was Sie verlangen "würden", wenn eine andere Person in ihrem Haus leben würde, wäre es leer und unmöbliert.

Erkennen Sie das Problem? Das ist vollkommen subjektiv. Haben Sie die notwendigen Marktrecherchen durchgeführt, um zu sehen, welche Miete Sie für Ihr Haus verlangen würden? Haben Sie es tatsächlich zu diesem Preis vermietet? Wahrscheinlich nicht. Also ist die OER von Anfang an nur eine Schätzung. Nichtsdestotrotz fließen die Umfrageergebnisse in eine gigantische Formel ein, die so aussieht...


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