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Sanktionspolitik als "Kunst der Diplomatie" - D: Schwaches 1. Quartal

23.03.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1925 (05:55 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1888 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108,73. In der Folge notiert EUR-JPY bei 129.66. EUR-CHF oszilliert bei 1,1023.

An den Finanzmärkten herrscht relative Ruhe bei weiter nervöser Grundhaltung. Die Bandbreiten an allen Märkten waren grundsätzlich überschaubar. Chinas Aktienmärkte kamen im Kontext der westlichen Sanktionen unter Druck.


Sanktionspolitik als „Kunst der Diplomatie“

Die "Kunst der Diplomatie", die seitens des Westens in den letzten Jahren über Sanktionspolitik und hybride Kriege auf Basis von zumeist "Narrativen ohne Substanz" (z.B. Maidan und US-Wahlmanipulation widerlegt) gegenüber den Ländern Russland und China implementiert wurde, bestimmt das aktuelle Bild.

Der Westen forderte und fordert souveräne Staaten auf, westliche Standards losgelöst vom eigenen kulturellen Hintergrund anzunehmen (nicht andersherum!), was bisher im Rahmen der "US-Regime-Change Politik" (Völkerrecht?) durchgehend scheiterte und massivstes Leid als auch Migrationsströme forcierte.

Gleichzeitig untergraben die USA das globale Organigramm und die westlichen Standards nach Gutdünken, die alle Dritten jedoch befolgen sollen. Das kann nicht ansatzweise überzeugen. Es ist absurd, in einer Form wie nie zuvor seit 1945.

Die von den USA ausgehende Politik, größtenteils gedeckt von der EU, ist eine laut UN-Charta unzulässige Einmischung in die Souveränität dritter Staaten.

Die Toleranz gegenüber Ländern, die archaisch im arabischen Raum ihr Gewaltmonopol exerzieren und als loyale westliche Partner reüssieren, Kriegsverbrechen hin oder her (Jemen, Kashoggi oder auch Irak: Chemiewaffen gegen Iran) ist vor diesem Hintergrund bemerkenswert und wirft Wertefragen auf.

Wer die Diskriminierung der Uiguren thematisiert, sollte zunächst über Verfolgung der Christen in Syrien sprechen, die von den westlich unterstützten/finanziertem "Freiheitskämpfern" (Terroristen?), die überwiegend nicht Syrer, sondern Söldner sind, verfolgt und zu großen Teilen ausgelöscht wurden. Wie still war es da im Westen?

Der entscheidende Grund für diese Szenarien, ist der Versuch der USA, die Welt wieder zu teilen. Es geht nicht um Uiguren, Christen oder Ukrainer, sondern um Destabilisierung zur US-Machterhaltung. Deswegen spielten Christen, die in Syrien unter Assad immer geschützt waren, für den Westen keine Rolle. "Food for thought!"

Fazit: Die Welt in Eurasien wächst dynamisch, die Bevölkerung steht grundsätzlich hinter den politischen Führungen wegen der erzielten Erfolge in der erfolgreichen Armutsbekämpfung und der Freizügigkeit. Man wird in dieser Region insbesondere vor dem Hintergrund der rüden jüngeren EU-Politik nicht auf die EU warten …


Bundesbank: Schwaches 1. Quartal 2021

Die Bundesbank rechnet wegen der Corona-Beschränkungen mit einem Konjunktureinbruch im 1. Quartal. Bei kontaktintensiven Dienstleistungen würde die Aktivität stark sinken. Führende Forschungsinstitute erwarten, dass das BIP im 1. Quartal zwischen 1,4% und 2,7% schrumpfen könnte. Die Industrie stütze die Konjunktur. Sie profitiere von einer dynamischen Auslandsnachfrage.

Die Bundesbank erwartet, dass die Inflation wegen gestiegener Rohölpreise zulegen wird. In der 2. Jahreshälfte sei aufgrund der USt.-Senkung im Vorjahr zeitweise mit Teuerungsraten um 3% zu rechnen (Basiseffekte, die dann 20222 wegfallen).


US-Wirtschaft: Erholung schreitet voran

US-Finanzministerin Yellen geht für 2022 von einer rosigen Zukunft für die US-Wirtschaft aus. Nach der Verabschiedung des 1,9 Billionen Dollar schweren Konjunkturpakets sei sie zuversichtlich, dass die Menschen die andere Seite dieser Pandemie mit intakten Lebensgrundlagen erreichen würden. Fazit: "Blue skies!"

Fed-Chef Powell lässt verlauten, dass die Wirtschaftsentwicklung sich auf einem guten Weg befände. Sie schreite schneller voran als erwartet. Die Haushaltsausgaben hätten zugelegt und der Wohnungssektor habe zu alter Stärke zurückgefunden. Die Branchen, die unter dem Coronavirus gelitten hätten, blieben schwach. Der Arbeitsmarkt hätte das Vorkrisenniveau noch nicht erreicht. Da die Konjunkturerholung noch nicht abgeschlossen sei, werde die Fed der Wirtschaft die benötigte Unterstützung verleihen. Powell bekräftigte, dass die Fed alle verfügbaren Instrumente zur Unterstützung der Konjunktur einsetzen würde. Fazit: „Blues skies and some clouds!“

US-Notenbankerin Bowman befürchtet ein Massensterben kleinerer US-Unternehmen nach dem Auslaufen der Unterstützungsprogramme. Sie verwies bezüglich dieser Einschätzung auf Konsultationen mit US-Banken. Fazit: "A few more clouds!"

Fazit: In den letzten 24 Stunden wurde ein Potpourri an Ansichten geliefert, die allesamt nur das quantitative Bild in nuancierter Form spiegelten. Neben der prekären öffentlichen Haushaltslage thematisieren wir morgen die US-Leitungsbilanz, die voraussichtlich das höchste Defizit seit 2007 ausweisen wird. Die qualitativen US-Strukturen sind extrem schwach! Sie sind so schwach, wie kaum jemals zuvor.


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Positive Datensätze

Die Leistungsbilanz der Eurozone lieferte in der saisonal bereinigten Fassung per Berichtsmonat Januar einen Überschuss in Höhe von 30,50 Mrd. Euro nach zuvor 36,70 Mrd. Euro. Der Index des Verbrauchervertrauens in Belgien legte per Berichtsmonat März von zuvor -9 auf -4 Punkte zu und erreichte den höchsten Indexwert seit Februar 2020.

In den Niederlanden stieg der Index des Verbrauchervertrauens per Berichtsmonat März geringfügig von -19 auf -18 Zähler. Hier wurde der höchste Indexwert seit März 2020 markiert.


USA: Enttäuschende Entwicklungen

Der von der Chicago Fed ermittelte National Activity Index, der sich als Sammelindex aus 85 US-Einzelindices zusammensetzt, sank per Berichtsmonat Februar von zuvor +0,75 (revidiert von 0,66) auf -1,09 Punkte. Das war der niedrigste Wert seit April 2020. Der Absatz zuvor genutzten Wohneigentums fiel per Berichtsmonat Februar unerwartet im Monatsvergleich um 6,6% (Prognose -3,0%) non annualisiert 6,66 Mio. (revidiert von 6,69 Mio.) auf 6,22 Mio. Objekte (Prognose 6,50 Mio.).


Japan: Absatz sinkt

Der Absatz in Ladenketten (Chain Stores) verzeichnete per Berichtsmonat Februar im Jahresvergleich einen Rückgang um 2,1% nach zuvor +1,2%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2220 - 50 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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