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Risikofreude dominiert - Video: Schmidt zu China - IWF optimistischer

07.04.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1866 (06:01 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1796 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,77. In der Folge notiert EUR-JPY bei 130,26. EUR-CHF oszilliert bei 1,1052.

An den Finanzmärkten dominiert Risikofreude. Das ist vor allen Dingen an den westlichen Aktienmärkten in den letzten Tagen ablesbar. Der DAX produzierte beispielsweise zuletzt historische Höchststände. Gleichzeitig kommt es zu technischen Korrekturen zu Lasten des USD, nachdem der USD gegenüber Hauptwährungen und den Edelmetallen zuvor deutlich an Boden gewann.

Die Zinsfront ist ruhig. Seitens der Granden, die derzeit in Washington tagen, wird verdeutlicht, dass ein Lastwechsel in der Zins- und Geldpolitik im Westen zeitnah nicht auf der Agenda steht.

In China sind dagegen die selbsttragenden Kräfte so ausgeprägt, dass Peking eine konservativere Gangart einschlagen kann und wird. Damit hebt sich China unter strukturellen Gesichtspunkten sehr positiv vom Westen ab. Erstaunlicherweise wird das von westlichen Marktteilnehmern weitgehend in der Asset-Allokation ignoriert. Das nehmen wir amüsiert zur Kenntnis und diskutieren intern den Begriff ausgeprägter Hybris, also westlicher Selbstüberschätzung.

Damit haben wir die Überleitung zu Helmut Schmidt, aber auch zu Kurt Biedenkopf. Beide Politiker waren bedeutend. Beide hatten ausgeprägten Intellekt, Abstraktionsvermögen und historische Kenntnisse, die ihre außenpolitische Weisheit und daraus ihr politisches Handeln prägten. Nachfolgendes Video sollte als geistige Erfrischung, aber auch als ernste Mahnung an die politisch Agierenden in Europa verstanden werden. Leben Sie Ihre politische Verantwortung im Kontext der Toleranz, der Völkerverständigung, der Diplomatie und Europas Interessen! Link: https://bvdsi.eu/in-memoriam-politische-intelligenz-vivat-klare-ansage/


IWF optimistischer

Im Rahmen der Frühjahrstagung hob der IWF die BIP-Prognose für die Weltwirtschaft per 2021 und 2022 deutlich an. Demnach soll das Welt-BIP 2021 um 6,0% (höchste Wachstum seit 1976) und 2022 um 4,4% steigen. China und die USA seien Treiber des globalen Wachstums. Entscheidend für wirtschaftliche Performance sei das Tempo beim Impfen (Deutschland amateurhaft). Das Risiko einer verstärkten Spaltung der Weltwirtschaft zwischen armen und reichen Ländern wurde thematisiert. Die Reserven des IWF sollen um 650 Mrd. USD aufgestockt werden.

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© SOLVECON-INVEST GmbH, Daten IWF


US-Finanzministerin Yellen vor Weltbank

Die Virus-Pandemie hat US-Finanzministerin Yellen zufolge Schwachpunkte aufgedeckt, die angegangen werden müssten. Das gelte für die weltweiten Lieferketten und die sozialen Sicherungssysteme. Die Bankenbranche sei nach der Krise von 2008/2009 gestärkt worden. Zeichen großen Stresses seien in einigen Teilen des übrigen Finanzsektors erkennbar. Yellen betonte die Lehre der Finanzkrise, die nun befolgt werden müsse, dass man die Unterstützung nicht zu schnell zurückzuziehe.


Deutschland könnte laut IfW profitieren

Die von US-Finanzministerin Yellen vorgeschlagene Einführung eines weltweiten Mindeststeuersatzes kann dem Institut für Weltwirtschaft zufolge Deutschland nützen. Deutschland sei im internationalen Vergleich ein Hochsteuerland. Daher seien internationale Mindestsätze bei der Besteuerung laut Institutsleiter Felbermayr von Unternehmen zunächst eine gute Sache. Auch innerhalb der EU würde der Druck steigen, die stark unterschiedlichen Unternehmenssteuern zu vereinheitlichen.
Fazit der IWF/Weltbank-Tagung:

Es bleibt bei üppiger Unterstützung. Themen, die global optimieren, werden adressiert.


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden Freitag:

Heute steht die Veröffentlichung der US-Handelsbilanz an. Sollte die Prognose von mehr als 70 Mrd. USD Defizit zutreffen, würde ein neuer Negativrekord aufgestellt.

Die Situation ist und bleibt prekär. Die Abkehr der USA von internationalen Regeln und loyaler Vertragstreue haben ihren Preis und wirken nach. Wir prognostizierten genau das. Märkte und auch die US-Administration haben auf Ersteffekte abgezielt unter Vernachlässigung der Zweit- und Drittrundeneffekte dieser Politik.

Ob die neuerliche Aggressionspolitik der USA gegenüber Russland und China dem Standort USA nützt, darf sehr kontrovers diskutiert werden. Das Epizentrum der Weltwirtschaft liegt längst in Eurasien und nicht mehr zwischen Kanada und Mexiko.


Eurozone: Starker Sentix-Index

Der Sentix-Index der Eurozone legte per Berichtsmonat April von zuvor 5,0 auf 13,1 Punkte zu. Die Prognose war bei 7,5 Zählern angesiedelt. Der Index markierte den höchsten Stand seit August 2018. Die Arbeitslosenrate der Eurozone verharrte per Berichtsmonat bei 8,3% (Prognose 8,1%) nach zuvor 8,3% (revidiert von 8,1%). Der irische Einkaufsmanagerindex für den Dienstleistungssektor verzeichnete per Berichtsmonat März einen Anstieg von zuvor 41,2 auf 54,6 Zähler.


Japan: Leicht sinkende Devisenreserven

Die Devisenreserven sanken per Berichtsmonat März von zuvor 1.379,4 Mrd. USD auf 1.368,5 Mrd. USD. Der Index der Frühindikatoren nahm per Februar im Monatsvergleich um 1,2 nach zuvor 0,8 Punkten zu. Der Lageindex verzeichnete einen Rückgang um 1,3 Zähler nach +2,9 (revidiert von 3,5) Zählern per Januar.


Russland: Hohe Verbraucherpreise

Die Verbraucherpreise stiegen per Berichtsmonat März im Monatsvergleich um 0,7% (Prognose 0,6%) nach zuvor 0,8%. Im Jahresvergleich nahmen sie um 5,8% (Prognose 5,8%) nach zuvor 5,7% zu.


Indien: Geringere Dynamik im Dienstleistungssektor

Der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors stellte sich per Berichtsmonat März auf 54,6 (Prognose 54,5) nach zuvor 55,3 Punkten.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2090 - 1.2120 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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