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Die Macht der kontrollierten Inflation

10.04.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
Eine wahrhaftige geldtheoretische Aufklärung hat das Zeug, die Macht der kontrollierten Inflation und damit auch den schlimmsten Auswüchsen des Neo-Sozialismus das Handwerk zu legen.

Der Sozialismus ist deshalb eine so wirkungsmächtige Idee, weil er die Wunschträume der Menschen und ihre Ressentiments - allen voran Neid und Missgunst - bedient. Der Sozialismus verspricht Glück und Genuss. Und zur Freude derjenigen, die meinen, schlecht weggekommen zu sein, stellt er auch noch die Erniedrigung derer in Aussicht, die erfolgreicher sind als der Durchschnitt. Was die Anhänger des Sozialismus damals wie heute eint, ist die Meinung, die Geschicke der Menschen dürften keinesfalls dem System der freien Märkte überlassen werden. Es bedürfte vielmehr eines fürsorgenden beziehungsweise streng führenden Staates. Gerade auch dann, wenn es um das Geld geht.

In der russischen Revolution wollten die Bolschewiken den Kapitalismus durch die Vernichtung des Geldes abschaffen. Ganz anders gehen die Sozialisten der Neuzeit vor.

Sie denken gar nicht daran, das Geld zu abzuschaffen, um die Produktionsmittel zu verstaatlichen. Vielmehr setzen sie es ein, um eine Befehls- und Lenkungswirtschaft zu errichten, in der das Privateigentum der Produktionsmittel formal erhalten bleibt, de facto aber dem Staat - beziehungsweise den Sonderinteressengruppen, die ihn für ihre Zwecke einspannen - anheimgestellt ist: Der Staat soll durch Vorgaben, Regulierung, Gesetze, Steuern und Preiskontrollen bestimmen, was wie wo und wann und in welcher Menge produziert wird, und wer was wann und in welchen Mengen konsumiert.

Das ist das Wirtschaftsmodell der Nationalsozialisten im Deutschen Reich in den 1930er Jahren. Und wohl kein anderes Instrument erweist sich bei seiner Neuauflage als so wirkungsvoll wie das staatlich gelenkte Zentralbankgeldsystem. Es ermöglicht die Ausgabe von ungedecktem Geld, das notwendigerweise immer wieder zu Finanz- und Wirtschaftskrisen führt.

Für die Umstürzler ein durchaus willkommenes Ergebnis: In der Not der Stunde - die die Ideologen fälschlicherweise dem Kapitalismus ankreiden - kann der Staat seine Macht ohne großen Widerstand ausbauen: mit Verordnungen und Verboten die Wirtschaftsfreiheiten einschränken, durch staatliche Ausgabenprogramme die Stellung im Wirtschaftsleben ausweiten. Das staatliche Zentralbanksystem erlaubt es sogar, eine ganz besonders prekäre antikapitalistische Vision zu erfüllen: eine Welt ohne Zins zu schaffen.

Während naive Keynesianer in der Null- und Negativzinspolitik ein Konjunkturbelebungsprogramm erblicken, ist die ökonomische Wahrheit dieser Geldpolitik eine gänzlich andere: Die kapitalistische Wirtschaft kann ohne einen positiven Marktzins gar nicht funktionieren. Das liegt daran, dass jeder handelnde Mensch einen positiven “Urzins” sprichwörtlich in sich trägt. Ohne einen positiven Marktzins hört daher das arbeitsteilige Sparen und Investieren auf.

Es kommt zu Kapitalverzehr. Ersatz- und Erweiterungsinvestitionen bleiben aus. Die Volkswirtschaft fällt zurück in eine primitive Subsistenzwirtschaft. Die Null- und Negativzins-politik läuft - konsequent zu Ende geführt - auf die Zerstörung der freien Marktwirtschaft beziehungsweise der Reste, die von ihr noch übrig sind, hinaus.

Das Zentralbankgeldsystem macht es auch möglich es, jederzeit Kredit und Geld in jeder gewünschten Menge bereitzustellen. Der Staat und seine Parteien machen reichlich davon Gebrauch. Denn auf diese Weise können sie sich die Unterstützung der Wähler erkaufen und quasi jedweden Widerstand lahmlegen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die politisch diktierte Lockdown-Krise. Auf staatliches Geheiß wird die Wirtschaft zum Stillstand gebracht. Betriebe gehen kaputt, es kommt zu Massenarbeitslosigkeit. Die Betroffenen werden ruhig gestellt: Ihre ausgefallenen Einkommen werden mit neu geschaffenem bezahlt Geld, das die Zentralbanken ausgeben, und das die Menschen dankbar annehmen; mehr denn je hängen sie am finanziellen Tropf des Staates, werden zu bedürftigen Untertanen.

Die Ausgabe von neuem, "aus dem Nichts" geschaffenem Geld ist allerdings inflationär. Sie schafft Gewinner und Verlierer: Einige Personen werden reicher, andere ärmer. Die Einkommens- und Vermögensschere zwischen Arm und Reich geht auseinander. Doch auch das spielt den Neo-Sozialisten in die Hände. Volkstümliche Demagogen haben leichtes Spiel, und sie wissen diese Gelegenheit zu nutzen. Sie rufen nach Steuererhöhungen - nach höheren Steuern für die “Reichen” -, Preiskontrollen, Höchstpreisen etc., denn damit ließe sich für Gerechtigkeit sorgen. Also auch durch die Folgen der Inflation ermächtigt sich der Staat zu Lasten der bürgerlichen und unternehmerischen Freiheiten.

Befürworter der Lenkungs- und Befehlswirtschaft müssen allerdings aufpassen, dass die Inflation nicht zu hoch ausfällt. Denn zu hohe Inflation zerstört die Geldrechnung und schädigt die Leistungsfähigkeit der Wirtschaften. Geringes Wachstum und hohe Arbeitslosigkeit wiederum schüren Verteilungskonflikte, Zorn und Aufruhr der Bevölkerung, die dem Staat und seinen Repräsentanten durchaus gefährlich werden können. Den radikalen Sozialisten hingegen, die den Umsturz der Eigentumsverhältnisse nicht schleichend und nur teilweise, sondern sofort und total herbeiführen wollen, ist hingegen die unverhüllte, die offene hohe Inflation ein willkommenes Werkzeug, um zum Ziel zu gelangen.

Sie sind bisher aber nicht führend in den Zirkeln derer, die den “Großen Neustart”, “die Große Transformation”, die “Neue Weltordnung” herbeiführen wollen. Das derzeitige “Establishment” setzt auf die Macht der kontrollierten Inflation, mit der sie die Volkswirtschaften geräuschlos am Gängelband dem anvisierten Ziel der Befehls- und Lenkungswirtschaft näherbringen wollen. In den letzten Jahrzehnten haben sie die Grundlagen dafür gelegt. Neue Themen wie “Klimawandel”, “Coronavirus” und “Digitalisierung” beschleunigen den Marsch in den nach Allmacht strebenden Kommandowirtschaftsstaat, der nicht dem gemeinen Wahlvolk gehorchen wird, sondern einer “oligarchisierten Elite”.

Die Macht der kontrollierten Inflation ist jedoch glücklicherweise keine allmächtige. Sie steht und fällt mit dem Vertrauen der Menschen in das ungedeckte Geld. Würden die Menschen erkennen, welcher Betrug mit ihm betrieben wird, und welche eklatanten Schäden es ihnen zufügt, sind die Chancen gut, dass dem Spuk doch noch ein Ende bereitet wird.

Eine solide volkswirtschaftliche Geldtheorie kann daher wirken wie die Aufklärung, die im 18. Jahrhundert den Menschen aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit zu entkommen half, die die herrschenden Machtverhältnisse umstürzte. Eine wahrhaftige geldtheoretische Aufklärung hat also das das Zeug, die Macht der kontrollierten Inflation und damit auch den schlimmsten Auswüchsen des Neo-Sozialismus das Handwerk zu legen. Venceremos!


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


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