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Finanzmärkte stabil - Geopolitik wird bellizistischer

12.04.2021  |  Folker Hellmeyer
Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,1893 (05:58 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,1867 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 109,54. In der Folge notiert EUR-JPY bei 130,27. EUR-CHF oszilliert bei 1,1011.

Die Finanzmärkte sind stabil und bewegen sich in bekannten Bandbreiten. Diese Ruhe ist durchaus bemerkenswert, denn die Geopolitik wird durch den Westen eskaliert. Das gilt für Russland und es gilt für China (siehe unten). Die Töne werden seitens des Westens undiplomatischer und bellizistischer (Killer, Genozid, Drohungen). Die Gefahr, dass Narrative einmal mehr als Realität wahrgenommen werden (siehe z.B. Irak), um darauf Kriegshandlungen mit unabsehbaren Folgen extremen Leids zu basieren, ist real. Wann lernen wir aus der Historie?

Die EU-Kommission bemüht sich um eine Entspannung im Zollstreit zwischen den USA und der EU. Laut Valdis Dombrovski, dem Vizepräsidenten der EU-Kommission, habe man vorgeschlagen, alle gegenseitigen Zölle für sechs Monate auszusetzen, um eine Verhandlungslösung zu erreichen. Das würde eine notwendige Atempause für die Industrien und Beschäftigten auf beiden Seiten des Atlantiks schaffen. Diese EU-Politik ist konstruktiv - volle Unterstützung!

Der erwartete Inflationsschub in den USA im Zuge der Erholung wird aus Sicht des Vizechefs der Fed Clarida nur von kurzer Dauer sein. Zunächst würde das Inflationsziel von 2% übertroffen werden. Er gehe davon aus, dass diese Bewegung später im Jahr wieder zurückgehen werden. Zuvor hatte Notenbank-Chef Powell gesagt, dass die erwartete Erholung die Inflation nur kurz anheizen werde. Diese Sichtweisen sind hinsichtlich der Qualität der Inflation absolut vertretbar.


China reagiert auf latente US- Anschuldigungen mit medialem Gegenangriff

Als Reaktion auf die Vorwürfe und verfügten Sanktionen seitens westlicher Nationen bezüglich unterstellter Verletzungen der Menschenrechte in China (Uiguren) ging China in den medialen Angriffsmodus über, nachdem Angebote von Textilfirmen in Xinjiang als auch andere Verifikationsopportunitäten seitens westlicher Länder nicht genutzt wurden (nachdem das Thema seit 2018 sukzessive aufgebaut wurde, nicht verifizierte Narrative, Stilmittel Reiteration).

Am Freitag veröffentlichte das "State Council Information Office" einen Report über die US-Aggressionskriege und deren humanitären Katastrophen (Millionen Tote, zerstörte Strukturen, zerstörte Kulturgüter, Migrationsströme). Eine der Kernaussagen dieses Reports ist, dass die USA von 1945 -2001 für 80% aller bewaffneten Konflikte verantwortlich zeichnen. Nach meinem Kenntnisstand ist diese Zahl verifiziert.

Link: https://archive.ph/D5ERw#selection-2191.100-2191.132

Chinas Position ist interessant. In China geht es um Innenpolitik, in die sich der Westen auf Basis von Anschuldigungen und unbewiesenen Vorwürfen (Genozid) einmischt (Modell Irak?). Hinsichtlich der Tatsache, dass die USA China seit 2016 außerhalb der internationalen Regeln angreifen (USA=Aggressor), ist man gut beraten, Verifikation der Anschuldigungen (u.a. Genozid/Vernichtung) zu forcieren, bevor man (einmal mehr) vorschnell verurteilt und auf der Basis agiert, denn es geht hier um den Weltfrieden. Das sind keine "Peanuts"!

Bei den USA geht es um Außenpolitik, wo die USA losgelöst vom internationalen Recht aktiv werden und für ihre internationalen Rechtsbrüche massivster Form nie zur Rechenschaft gezogen worden sind. "Food for thought!"

Intern diskutieren wir die Begrifflichkeit "Asymmetrie der internationalen Rechtsanwendung".

Fazit: Wehret den Anfängen! Was sind westliche Werte ohne Recht? Lernt aus der Geschichte des 20. Jahrhunderts! In den Krieg geht es schnell, aber nicht heraus!


Weber im Sanktionsmodus gegenüber Russland

Manfred Weber, Vorsitzender der Christdemokraten im Europaparlament, hat schärfere Sanktionen gegen Russland ins Gespräch gebracht. Die russische Führung setzte ihren Kurs der gefährlichen Provokation fort, so Herr Weber. Das sei ein Test für den Westen. Die Antwort darauf müsse unmissverständlich und stark sein. Die EU und die USA müssten politisch zeigen, auf was sich die russische Führung einlässt, wenn sie die Lage in der Ostukraine eskalieren ließe oder dort einmarschierte. Als Maßnahmen schlug er vor, die Oligarchen-Konten einzufrieren, ein Abtrennen Russlands vom Swift-Zahlungssystem und das Projekt der Ostsee-Gaspipeline Nord Stream 2 zu beenden.

Das war nicht nur ambitioniert Herr Weber, nein das ist bellizistisch. Die Einäugigkeit, die hier zum Ausdruck kommt, begleitet die EU-Politik seit 2014. Die Nichteinhaltung des Minsker Abkommens durch die Ukraine fällt offensichtlich durch das Wahrnehmungsraster in Brüssel. Das gilt auch für die faktische Kriegserklärung der Ukraine an Russland, die hier letzte Woche thematisiert wurde. Herr Weber, wenn der EU faktisch der Krieg erklärt würde, würden Sie dann auch keine Vorbereitungen treffen? Wer verändert aktuell den Status Quo? Wer ist damit Aggressor?


Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Chinas Autoabsatz hat im März den 12. Monat in Folge zugelegt. Mit 2,53 Mio. Kfz wurden im Jahresvergleich 75% mehr Fahrzeuge verkauft (Quelle CAAM). Bei Elektro-Fahrzeugen lag der Anstieg bei 239%. Derzeit ist nahezu jedes 10. abgesetzte Auto ein Elektroauto, ein Plug-In-Hybrid oder ein Wasserstofffahrzeug.

Wo stünde Europa ohne Chinas Absatzmärkte. Wo stünde unsere politische Stabilität, wenn Schlüsselwirtschaften (Automobile) scheiterten?


Um das komplexe Bild griffiger zu machen, werfen wir einen Blick auf drei Charts:

1. Anteil Chinas am Welt-BIP (kaufkraftbereinigt)

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2. Anteil der USA am Welt-BIP (kaufkraftbereinigt)

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3. Anteil der EU am Welt-BIP (kaufkraftbereinigt)

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Jetzt dürfen Sie sich individuelle Gedanken machen. Die sollten aber vor allen Dingen nicht nur das BIP betreffen, sondern die strukturellen Bedingungen und Voraussetzungen, die hinter dem BIP der USA, der EU und Chinas stecken.


Eurozone: Halbleitermangel wirkt markant

In Frankreich sank die Industrieproduktion per Berichtsmonat Februar im Monatsvergleich unerwartet stark um 4,7% (Prognose +0,5%) nach zuvor +3,2% (revidiert von 3,3%). In Spanien fiel die Industrieproduktion per Berichtsmonat Februar im Jahresvergleich um 2,1% (Prognose -1,3%) nach zuvor -2,3% (revidiert von -2,2%). In Italien legten die Einzelhandelsumsätze per Februar im Monatsvergleich um 6,60% nach zuvor -2,70% (revidiert von -3,00%) zu. Im Jahresvergleich stellte sich ein Rückgang um 5,70% nach zuvor -6,70% ein.


USA: Erzeugerpreise lebhaft

Die Erzeugerpreise verzeichneten per Berichtsmonat März im Monatsvergleich einen Anstieg um 1,0% (Prognose 0,5%) nach zuvor 0,5%. Im Jahresvergleich ergab sich eine Zunahme um 4,2% (Prognose 3,8%) nach zuvor 2,8%. Im Großhandel legten die Lagerbestände per Berichtsmonat Februar im Monatsvergleich um 0,6% (Prognose 0,5%) nach zuvor 0,5% zu. Der Absatz sank per Februar im Monatsvergleich um 0,6% nach zuvor +4,4% (revidiert von 4,9%).


Japan: Erzeugerpreise lebhaft

Die Erzeugerpreise nahmen per Berichtsmonat März im Monatsvergleich um 0,8% (Prognose 0,4%) zu (Vormonat revidiert von 0,4% auf 0,6%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,0% (Prognose 0,5%) nach zuvor -0,6% (revidiert von -0,7%).


Russland: Prognose verfehlt, aber solide aktiv

Der Aktivsaldo der Hand4elsbilanz stellte sich per Berichtsmonat Februar auf 8,32 Mrd. USD (Prognose 9,80 Mrd. USD) nach zuvor 9,33 Mrd. USD (revidiert von 8,93 Mrd. USD).

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den USD gegenüber dem Euro favorisiert. Ein Überwinden der Widerstandszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.2090 - 1.2120 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!


© Folker Hellmeyer
Chefanalyst der Solvecon Invest GmbH



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