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Gold, Bitcoin - und das Geheimnis des Geldes

26.04.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
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Dazu ein einfaches Beispiel: Die Basisgebühr beträgt 2.000 Satoshi, die Liquiditäts-Gebühr beträgt 1 Prozent pro Satoshi, der abgewickelt wird. Wenn 10.000 Satoshi überwiesen werden, dann betragen die Kosten 2.100 Satoshi. [also: 2.000 + (10.000 * 0,01)]. Anders ausgedrückt: 1 Bitcoin entspricht 100.000.000 Satoshis (sprich: 100 Millionen Satoshis). Beim aktuellen Bitcoin-Preis von etwa 55.000 US-Dollar pro Stück wäre der Preis eines Satoshis 0,00055 US-Dollar. Im angeführten Beispiel betragen die Kosten einer Bitcoin-Transaktion also demnach 1,155 US-Dollar.


Der China-Faktor

Der US-Investor Peter Thiel - der sich selbst als "Pro-Krypto" und "Bitcoin Maximalist Person" bezeichnet - hatte jüngst Bedenken geäußert, der Bitcoin könnte eine "finanzielle Waffe" der Kommunistischen Partei Chinas sein, die sie vor allem gegen den US-Dollar und damit auch gegen die Vereinigten Staaten von Amerika einsetzen könnte. Im April 2020 befand sich etwa 65,1 Prozent der Mining- Hash-Kapazität des weltweiten Bitcoin-Networks in China, gefolgt von den USA mit 7,2, Russland mit 6,9 Prozent und Kasachstan mit 6,2 Prozent. (4) Was bedeutet die hohe Konzentration der weltweit verfügbaren Bitcoin-Network-Rechenleistung in China?

Kurzfristig können zum Beispiel regionale Stromausfälle die Funktionsfähigkeit des Bitcoin-Networks weltweit beeinträchtigen; gleiches gilt für den Fall, dass Serverfarmen in China aufgrund politischer Motive geschlossen werden. Prinzipiell kann sich jedoch das dezentrale Bitcoin-Network bei derartigen Vorfällen neu sortieren, die Rechenleistung weltweit beziehungsweise regional neu verteilen; zumindest wäre das in der mittleren bis langfristigen Sicht gut denkbar. Allerdings könnte das mit einer beträchtlichen Veränderung der Stromkosten für das Network verbunden sein und die Mining-Aktivität bremsen - schließlich profitiert das Bitcoin-Network von den niedrigen Stromkosten in China.

Der stellare Preisanstieg des Bitcoin (ausgedrückt in offiziellen Währungen wie US-Dollar, Euro und Co) in den letzten Jahren hat vermutlich viele Gründe. Zum einen wird der Bitcoin von einer "Kerngruppe" nachgefragt (und gehalten), die ihn als das künftige Geld einstufen, das das ungedeckte Papiergeld verdrängen wird. Sie halten Bitcoin in ihrer "Personal Wallet" und verfügen über den "Private Key", oder sie parken Bitcoin bei Handelsplattformen (SDEX, Coinbase, Kraken, Bitstamp etc.), ohne dabei über den "Private Key" zu verfügen. Neuerdings fragen institutionelle Anleger (Hedgefunds, ETF-Emittenten etc.) verstärkt im Eigeninteresse oder im Auftrag ihrer Kunden Bitcoin nach.

Hinter dieser Anlegergruppe verbergen sich ebenfalls unterschiedliche Motive. Wer sein Geld Hedgefunds oder einem Investment-Vehikel gibt, damit diese in seinem Auftrag Bitcoin kaufen, der hat in der Regel keine andere (regulatorische) Möglichkeit, Bitcoin zu erwerben, beziehungsweise für ihn erscheint der "indirekte Erwerb" von Bitcoin am vorteilhaftesten. Wer auf indirektem Wege in den Besitz von Bitcoin gelangen möchte, der hat vielleicht die Erwartung, dass der Bitcoin zum neuen Weltgeld aufsteigen wird, dass der Bitcoin die offiziellen Währungen wie US-Dollar, Euro und Co aus dem Rennen werfen wird und als Transkations- und Wertaufbewahrungsmittel ersetzen wird.

Vermutlich verfolgen aber vor allem diejenigen, die Bitcoin indirekt erwerben, spekulative Zwecke: Sie wetten darauf, dass der Bitcoin-Preis weiter ansteigt, und an diesem Preisanstieg will man teilhaben; ob Bitcoin zum Weltgeld aufsteigt wird oder nicht, spielt für sie keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Die Nachfrage nach Bitcoin, die sich aus der "reinen Preisspekulation" speist, dürfte mittlerweile beträchtlich, wenn nicht gar gewaltig sein. Es liegt nahe, dass die fulminante Preissteigerung des Bitcoin und insbesondere die zuweilen hoch fliegenden Erwartungen, die Bitcoin-Preisrallye werde sich ungebremst weiter fortsetzen, von der "reinen Preisspekulation" abhängen.


Digitales Goldgeld

Für einige Zahlungsbereiche hat sich der Bitcoin vermutlich bereits fest etabliert. Aber das heißt noch nicht, dass er auch zum (Welt-)Geld - zum allgemein akzeptierten Zahlungsmittel - aufsteigen wird. Einen Vorteil des Goldes gegenüber Kryptoeinheiten sei an dieser Stelle genannt: Eine Kryptoeinheit kennt nur eine Nachfrage: die Nachfrage zu Geldzwecken. Edelmetalle werden hingegen nicht nur zu Geldzwecken, sondern auch zu industriellen Zwecken und als Schmuck nachgefragt. Der Wert einer Kryptoeinheit kann möglicherweise auf null fallen - beispielsweise dann, wenn eine neue, eine in wichtigen Eigenschaften bessere Kryptoeinheit auf den Markt kommt.

Dass Gold zum Totalverlust wird, ist hingegen nahezu ausgeschlossen. Denn das Gold hat auch eine nicht-monetäre Nachfrage - und zwar für Industrie- und Schmuckzwecke (das gilt natürlich auch für Silber). Also selbst dann, wenn die Edelmetalle nicht mehr als Geld nachgefragt würden, bliebe eine "Restnachfrage" nach ihnen, und daher würde ihr Marktpreis nicht auf null fallen. (Das heißt natürlich nicht, dass der Tauschwert des Goldes nicht stark verfallen könnte, sollte die monetäre Nachfrage nach Gold sich in Luft auflösen - was aber aus heutiger Sicht sehr unwahrscheinlich erscheint.)

Abschließend sei ein kurzer Blick auf das Konzept eines digitalen Goldgeldsystems geworfen, als Beispiel dient dabei das Modell der Australischen Münze ("Perth Mint"). Die "Perth Mint“ bietet einen "Perth Mint Gold Token" (PMGT) an. Jeder PMGT ist eine tokenisierte Version eines "GoldPass certificates", das zu 100 Prozent mit physischem Gold gedeckt und im Tresor der Perth Mint gelagert ist. "GoldPass" ist eine digitale Plattform, die auf der Blockchain basiert. Der PGMT ist eintauschbar in 1 Feinunze physisches Gold oder in den Gegenwert von Fiat-Währungen. Es gilt die "Formel":

1 PMGT = 1 Feinunze GoldPass Zertifikat = 1 Feinunze physisches Gold.


Der PMGT kann 1:1 in 1 GoldPass Zertifikat getauscht werden und umgekehrt: 1 GoldPass Zertifikat kann 1:1 in 1 PMGT getauscht werden. Der PMGT erhöht die Handelbarkeit, die Liquidität des physischen Goldes. Auch die Lagerung des physischen Goldes wird effizienter, der Nachweis des eingelagerten Goldbestandes wird erleichtert. Bisher ist GoldPass als Download im Apple App Store und Google Play Store allerdings nur in Australien und den USA erhältlich.

Aus dem Modell des PMGT ließe sich (leicht) ein weltweit funktionierendes Zahlungssystem entwickeln. Beispielsweise indem weitere - privat geführte - Goldlagerstätten ihre Dienste anbieten. Konten können geführt werden in Token, die eine bestimmte physische Goldmenge repräsentieren, und deren Wechselkurse sich frei am Markt bilden (und im "Normalfall" bei 1:1 liegen); vermutlich würden nach und nach im Wettbewerb einige wenige Token übrig bleiben. Zudem müsste natürlich die Steuerbelastung in Form von Mehrwert- und/oder Kapitalertragsteuer (soweit sie erhoben werden) abgeschafft werden, damit die Kostenbelastung die Verwendung des tokenisierten physischen Goldes (oder Silbers) dessen Geldverwendung verhindert.


© Prof. Dr. Thorsten Polleit
Auszug aus dem Marktreport der Degussa Goldhandel GmbH


(1) Siehe hierzu Polleit (2020), Mit Geld zur Weltherrschaft, S. 188-190.

(2) Siehe hierzu Colin Harper, 4 Bitcoin Lightning Network Vulnerabilities … , Oktober 2020, www.coindesk.com/bitcoin-lightning-network-vulnerabilities-not-exploited-yet

(3) Siehe https://www.paypal.com/us/webapps/mpp/paypal-fees (eingesehen am 19. April 2021).

(4) Siehe Cambridge Bitcoin Electricity Consumption Index www.cbeci.org/mining_map.



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