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Der Aufstieg der Grünen ist ein Indiz für politischen Präferenzenwechsel

08.05.2021  |  Prof. Dr. Eberhard Hamer
Der Grenznutzen in der Theorie der Wirtschaftswissenschaft bezeichnet den Sättigungsgrad für die Bedürfnisse des Wirtschaftssubjekts. Der Zusatzwert weiterer Gütereinheiten nimmt nach dem Sättigungsgrad ab, kann sogar negativ werden.

Beispiel: Das erste Bier schmeckt immer am besten, hat den höchsten Nutzen. Beim 10. Bier liegt vielleicht der Sättigungsgrad; - das 20ste Bier jedenfalls hat nur noch geringen oder negativen Nutzen für den Konsumenten.

Dieses Gesetz vom abnehmenden Grenznutzen gilt nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig für den Wohlstand der Menschen in ihrer Lebenszeit.

Die Harzburger Schule hatte schon in den 1960er Jahren entdeckt, dass Mitarbeiter in den Betrieben eine "innere Kündigung" vollziehen, wenn sie nach dem 50sten Lebensjahr auf die Rente zugehen und/oder mit eigenem Haus, Familie, Rücklagen und gutem Einkommen "saturiert" sind. Es fällt dann den Unternehmern schwer, diese Menschen noch für Zusatz- oder Mehrarbeit zu motivieren.

Der Autor hat im Mittelstandsinstitut Niedersachsen sogar bei der erwerbsintensivsten Bevölkerungsgruppe, den Unternehmern, unterschiedliche Motivationsphasen empirisch festgestellt. Tausende Befragungen ergaben:
  • In der Schul- und Ausbildungsphase der ersten 20 Jahre haben die Menschen und auch Unternehmer üblicherweise außerökonomische Ziele, wollen Wissen, Ausbildung, Qualifikation erreichen.

  • In der ersten Berufsphase gaben 77% ¹ der befragten Unternehmer eindeutig ökonomische Lebensziele an. Dem Betrieb hatte sich sogar das Privatleben und die Familie unterzuordnen.

  • Zwischen dem 40sten und 50sten Lebensjahr - der beruflichen Halbzeit - erreicht die ökonomische Präferenzkurve nur noch 63% ². Der ökonomische Sättigungsgrad ist erreicht, wenn der Unternehmer den Betrieb "im Griff hat", wirtschaftlich gesund ist und glaubt, sein wirtschaftliches Lebensziel geschafft zu haben. "Das kann’s doch nicht gewesen sein im Leben!"

  • Von den über 50jährigen Unternehmern behaupteten nur noch 40%, dass sie noch vorrangig wirtschaftliche Lebensziele anstrebten. 60% dagegen gaben an, andere, nämlich familiäre, gesellschaftliche, soziale und persönliche Ziele als für sich inzwischen höherwertig anzustreben ³.

    Der Autor bezeichnet dies als Präferenzenwechsel, weil etwa in der Mitte des Berufslebens und des Lebensalters erfolgreiche Menschen ökonomisch saturiert sind und dann oft ihre ökonomischen zu außerökonomischen Präferenzen wechseln.

  • In der nachberuflichen Phase gehen deshalb die ökonomischen Präferenzen überproportional zurück, bis alte Menschen endgültig Abschied von wirtschaftlichen Gütern nehmen müssen und der Grenznutzen zusätzlichen Gütererwerbs wieder an die Nulllinie geht ⁴.

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Vgl. Hamer, E. "Die Unternehmerlücke", a.a.O., S. 127


Bei Untersuchungen der zweiten und dritten Unternehmergeneration stellte sich jedoch ein anderer Verlauf der Präferenzkurve dar. Wer schon vom Elternhaus her mit wirtschaftlichen Gütern ausreichend versorgt ist, hat entsprechend weniger Interesse an eigenem Erwerb zusätzlicher wirtschaftlicher Güter als seine Altersgenossen. Bei ihm findet deshalb der Präferenzenwechsel zugunsten außerökonomischer Ziele schon in früherer Lebenszeit statt.

"Dies muss nicht bis zu den typischen "Aussteigern" aus kultivierten Familien führen, sondern lässt sich schon in Schule und Hochschule oft am unterschiedlichen Ehrgeiz von "Aufsteigerkindern" gegenüber Kindern wohlhabender Familien beobachten. Erstere sind hungrig nach wirtschaftlichen Gütern, letztere oft bereits satt. Entsprechend unterschiedlich ist für sie der Grenznutzen wirtschaftlicher Güter und der Einsatz, den sie deshalb für wirtschaftliche Ziele zu bringen bereit sind. Die Regel hieß früher, dass Fabrikantenkinder bevorzugt Archäologen, Künstler oder Wissenschaftler werden - ein weiterer und älterer Anhaltspunkt für das Vorliegen vorzeitigen Präferenzenwechsels der zweiten und dritten Generation" ⁵.

Für diese Menschen hat also die Präferenzenkurve schon von vornherein abfallende Tendenz:

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