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Kartelle, Monopole & Bigtech - der andere Blickwinkel

09.05.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
In diesem Aufsatz wird (frecherweise) argumentiert, dass Kartelle, Monopole & BigTech Probleme sind, die der Staat verursacht; und dass diese Probleme aus der Welt sind, wenn es gelingt, den Staat auf das Stärkste zurückzubauen. Führt der freie Markt, der Kapitalismus, nicht zu Kartellen und Monopolen, die schädlich sind für die Verbraucher? Sollte und muss der Staat nicht regelnd in den freien Markt eingreifen, um eine Kartell- und Monopolbildung zu verhindern? Sind BigTech-Firmen wie Google, Facebook und Twitter nicht der Beweis, dass der freie Markt zur Monopolisierung führt?

Diese Fragen erhitzen immer wieder die Gemüter. Und meist werden Antworten vorgebracht, die dem Staat in dieser Sache eine schiedsrichterliche, eine regelnde Rolle zuweisen wollen: Er soll mit Gesetzen dafür sorgen, dass der Wettbewerb nicht unterwandert wird. Wenn man sich mit der Frage der Kartell- und Monopolbildung beschäftigt, ist es jedoch wichtig, zwischen zwei "Regimen" genauestens zu unterscheiden: "Regime 1": freier Markt, das heißt Markt ohne Staat; und "Regime 2": gehemmter Markt, also Markt mit Staat.


Wie ein freier Markt wirklich funktioniert

Beginnen wir mit "Regime 1". Ein freier Markt zeichnet sich dadurch aus, dass jeder die Freiheit hat, die Güter nachzufragen, die er zu kaufen wünscht; und dass jeder die Freiheit hat, die Güter anzubieten, von denen er meint, sie werden sich verkaufen. In einem freien Markt herrscht Wettbewerb, das heißt, jedem ist es freigestellt, in den Markt einzusteigen und in Konkurrenz mit etablierten Anbietern zu treten oder auch neue Märkte zu eröffnen.

In einem freien Markt herrscht das Gewinn-und-Verlust-Prinzip. Gewinne macht der, der Güter herstellt, die freiwillig von den Kunden gekauft werden, und die er zu Preisen absetzt, die höher sind als seine Produktionskosten. Unternehmen, deren Produkte keinen Absatz finden, müssen ihre Leistung verbessern, oder sie scheiden aus dem Markt aus. Der Gewinn ist so gesehen die Belohnung für gute Leistungen. Zudem lenkt das Gewinn-und-Verlust-Prinzip die knappen Ressourcen in die Hände der besten Wirte. Die erfolgreichen Unternehmen können ihren Marktanteil ausweiten und/oder zusätzliche Güter produzieren, zum Nutzen der Kunden.

In einem freien Markt ist der Kunde König. Er bestimmt, was produziert wird, und er entscheidet auch über den Erfolg und Misserfolg von Unternehmen. Eine “marktbeherrschende Stellung” ist in einem freien Markt unproblematisch. Wenn ein Unternehmen einen großen Marktanteil besitzt, oder wenn es sogar der einzige Anbieter ist, so haben die Nachfrager dieses Marktergebnis willentlich herbeigeführt.

In einem freien Markt herrscht individuelle Souveränität” vor: Jeder ist sein eigener Herr und Eigentümer; keiner herrscht über andere. Der freie Markt stellt die bestmögliche materielle Güterausstattung bereit, sorgt für das reichhaltigste Produktangebot, hergestellt mit den geringsten Kosten, verkauft zu den geringsten Preisen. Der freie Markt ruht auf einem zentralen Prinzip: dem unbedingten Respekt vor dem Eigentum - verstanden als Selbsteigentum und dem Eigentum an Gütern, die auf nicht-aggressivem Wege erwirtschaftet wurden.

In einem freien Marktsystem kann Eigentum nur durch folgende Handlungen erworben werden: Inbesitznahme von Ressourcen, die nachweislich zuvor von keinem anderen beansprucht wurden; Herstellung von Gütern; und freiwilliges Tauschen, einschließlich Schenkung.


Kartelle - sie sind im freien Markt kein Problem

Was ist ein Kartell? Ein Kartell ist ein Zusammenschluss von eigenständigen Unternehmen, die untereinander Absprachen treffen, um ihre Gewinnsituation zu verbessern - und zwar gegenüber einer Situation, in der sie keine Absprachen treffen. Gegenstand der Absprache können Preise oder Verkaufsmengen sein. Beispielsweise vereinbaren die Firmen, dass sie alle zu einem einheitlichen Preis verkaufen.

Kartelle sind in der Mikroökonomik eingehend analysiert worden. Das Ergebnis ist, dass ein Kartell nicht stabil ist. Beispiel: Das Kartell verabredet, einen bestimmten Verkaufspreis zu setzen. Jedes Kartellmitglied bekommt vom geschätzten Gesamtumsatz (also der Verkaufsmenge, die zum Kartellpreis abgesetzt wird) einen entsprechenden Anteil (Quote). Für jeden Anbieter ist es nun allerdings vorteilhaft, die “Außenseiterposition” einzunehmen: das heißt, zum vereinbarten Kartellpreis mehr als die zugeteilte Quote zu verkaufen. Dadurch wird früher oder später der Kartellpreis unterboten, und das Kartell bricht auseinander.

In einem freien Markt ist ein Kartellphänomen kein Problem. Der freie Markt hebt es auf, beziehungsweise er lässt es gar nicht erst entstehen. Vor allem ist zu beachten: Wer meint, ein Kartell wäre ein Problem, der hat in einem freien Markt die Möglichkeit tätig zu werden: Er/sie kann ein Unternehmen gründen und die Güter billiger (und besser) anbieten, von denen er/sie meint, sie würden vom Kartell zu teuer und in unzureichender Menge angeboten.

In Deutschland nimmt der Staat eine “aktive Rolle” ein durch das aus dem Jahr 1958 stammende “Gesetz gegen Wettbewerbsbeschränkungen” und das Bundeskartellamt. Aus Sicht des freien Marktes ist so etwas verzichtbar, ja es schafft Probleme eigner Art (schwerfällige Bürokratie, Anreiz zur Einmischung, Unsicherheit durch vage Vorgaben etc.).


Firmenzusammenschlüsse - im freien Markt auch kein Problem

Warum gibt es überhaupt Firmen? Der US-Ökonom Ronald Coase hat 1937 den Aufsatz “The Nature of the firm” veröffentlicht. Darin erklärt er, warum es Firmen gibt: Innerhalb von Unternehmen lassen sich gewisse Tätigkeiten zu geringeren Kosten bewerkstelligen, als wenn man sie von außen zukauft. Der Grund sind Transaktionskosten (Informations- und Verhandlungskosten etc.)

Firmenzusammenschlüsse (Merger & Acquisitions (M&A)) verfolgen das gleiche Ziel wie die Gründung einer Firma: effizienterer Einsatz der Produktionsmittel, niedrigere Kosten, höhere Gewinne. Und solange dies im freien Markt stattfindet, kommt es letztlich dem Nutzen der Kunden zugute. M&A sind im Grunde nicht von Kartellen zu unterscheiden. Kartelle sind bekanntlich im freien Markt nicht beständig oder formieren sich erst gar nicht. Das gleiche gilt auch für Firmenzusammenschlüsse, wenn sie nicht den Kundenwünschen dienen, beziehungsweise wenn ihre Gewinnlage neue Anbieter in den Markt lockt und die Gewinnlage der zusammengegangenen Firmen untergräbt.


Entwarnung: Monopol als Schein-Problem

Was ist ein Monopol? Die Frage ist schwieriger zu beantworten, als es scheinen mag - vor allem auch weil es im allgemeinen Sprachgebrauch häufig für unterschiedliche Dinge verwendet wird. Ökonomisch betrachtet ist ein Monopol eine Marktform, in der es entweder nur einen Anbieter (Angebotsmonopol) und viele Nachfrager oder nur einen Nachfrager und viele Anbieter gibt (Nachfragemonopol), oder in dem es nur einen Anbieter und nur einen Nachfrager gibt (Monopson).

Beispiel Angebotsmonopol: Es bedeutet, dass das betreffende Gut nur von einem Anbieter breitgestellt wird, die Nachfrager können nur bei ihm nachfragen. Gemäß der Lehrbuchanalyse führt das dazu, dass der Angebotsmonopolist sein Gut zu einem Preis verkauft, der höher ist, als wenn freie Konkurrenz herrscht.


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