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Expotentialität führt zu Finalität

02.06.2021  |  Egon von Greyerz
Während technologische Entwicklungen und Marktkurse parabolisch verlaufen, erleben wir, wie viele "Marktexperten" (selbst intelligente) die Prognose stellen, wir befänden uns heute in einer exponentiellen Wirtschaftsära.

Folglich sind viele Menschen im Glauben, dass all das ewig weitergehen werde. Das ist die typische Einstellungen in den absoluten Hochphasen von Märkten und Ökonomien. Sie ist der Garant dafür, dass all das KEIN GUTES ENDE NEHMEN WIRD.

Es ist jedenfalls vollkommener Unsinn, zu glauben, dass exponentielle Steigerungen auf Grundlage von Defiziten, Schulden und Falschgeld der Beginn einer neuer Ära wären. Wer sich intensiver mit Wirtschaft und Marktgeschichte beschäftigt, weiß: Exponentielle Bewegungen verweisen auf das Ende einer Ära und nicht deren Beginn. Wie ich immer wieder anmerke, ist die Geschichte (die sich "reimt" und auch wiederholt) unser bester Lehrer. Und aktuell sehen wir - mit Blick auf die Geschichte - düstere Warnsignale.


Stecken wir in einem Paradigmenwechsel?

Der Mensch extrapoliert aus irgendeinem Grund immer wieder laufende Trends, ob nun Bevölkerungswachstum oder Aktienmarktgewinne. Aus Aussagen, die während historischer Aktienmarkttops wie 1929, 1987 oder 2000 getroffen wurden, wissen wir, dass damals jeder - vom Politiker bis zum Investoren - im Glauben war, dieser Trend werde ewig anhalten.

Viele Märkte und Investitionsanlagen verzeichnen gerade exponentielle Anstiege und aktuell prognostiziert kaum jemand das Ende dieses euphorischen Zustands.


Halbierung der Weltbevölkerung?

Beginnen wir mit der Weltbevölkerung. Tausende Jahre lang hatte es ein sehr langsames aber konstantes Wachstum der Weltbevölkerung gegeben. In den 1850er Jahren erreichte sie 1 Milliarde Menschen.

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Ab Mitte des 19. Jh. setzte dann exponentielles Bevölkerungswachstum ein, und heute leben fast 8 Milliarden Menschen auf der Erde. Große Bedeutung für dieses Wachstum hatten Energie und besonders Öl; sie führten zu Steigerungen bei der Nahrungsmittelproduktion, zur Industrialisierung, zu besserer medizinischer Versorgung der Menschen etc.


Expotentielle Gesetzmäßigkeiten und der Zinseszins

Das mooresche "Gesetz", das zuerst im Kontext von Computerchiptransistoren bekannt wurde, stellt im Grunde eine Hochrechnung historischer Trends dar. Diese Hochrechnungen unterliegen jedoch dem Trugschluss, dass der besagte Trend für immer und ewig Bestand haben wird, ob nun im Kontext von Bevölkerungsentwicklung oder Aktienkursbewegung.

Die alte Erzählung vom Erfinder des Schachbretts zeigt uns, wie wenig exponentielle Bewegungen verstanden werden. Dem Erfinder des Schachbretts versprach der König eine Belohnung. Der Erfinder bat um ein Weizenkorn für das erste Feld des Schachbretts, zwei für das zweite, vier für das dritte und so weiter und so fort. Der König dachte, diese Bitte sei einfach und günstig zu erfüllen.

Allerdings verstand er nur wenig von den Gesetzmäßigkeiten der Aufzinsung und des Zinseszinses. Denn beim 64 Feld angekommen, bräuchte es ganze 18 Trillionen Körner! Diese Menge überstieg aber die Gesamtproduktion des Königreiches. Anstatt also eine Belohnung für seine Erfindung zu bekommen, wurde der Mann hingerichtet, weil er seinen König zum Narren gehalten hatte.

Je länger ein Trend Bestand hat, desto beständiger und dauerhafter wird er wahrgenommen. Die Explosion des Bevölkerungswachstums scheint heute nicht umkehrbar. Allerdings kann man am Beispiel der Pest (Mitte des des 14. Jh.) sehen, wie schnell sich die Weltbevölkerung halbieren kann. Zumindest in Europa war das der Fall und wahrscheinlich auch im Rest der Welt.

Also: Exponentielle Bewegungen gehen immer zu Ende; und auch diese wird enden. Die Gründe für die kommende „Korrektur“ wird wahrscheinlich ein Mix aus den unten im Diagramm gezeigten Ursachen sein.



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