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Was Sie immer schon über Inflation wissen wollten

03.06.2021  |  Prof. Dr. Thorsten Polleit
- Seite 3 -
Fest steht in jedem Falle, dass Inflation etwas mit Geld, mit Geldmenge zu tun hat. In einer Naturaltauschwirtschaft, in der kein Geld verwendet wird, gibt es keine Inflation - im Sinne eines fortgesetzten Anstiegs aller Güterpreise im Zeitablauf. Doch genau das ist es, was man üblicherweise als Inflation bezeichnet: Der Verlust der Kaufkraft des Geldes im Zeitablauf, das chronische Anschwellen der Güterpreise auf breiter Front.

Um es an dieser Stelle nicht zu kompliziert zu machen, sei darauf verwiesen, dass man aus ökonomischer Sicht das Ansteigen der Geldmenge als Ursache für den Güterpreisauftrieb einstufen kann, während der Güterpreisauftrieb das Symptom dieser Ursache ist. (Für eine genauere Erklärung siehe nachfolgende kursiv formatierte Ausführungen).

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Die Abbildung zeigt einen positiven - wenn auch nicht immer sehr engen - Verbund zwischen der US-Geldmenge und dem Goldpreis. Das ist eine ökonomisch durchaus plausibel erscheinende Entwicklung: Das Ansteigen der Geldmenge führt tendenziell zu einem Anstieg aller Güterpreise im Zeitablauf, einschließlich des Preises für Gold. Vor dem Hintergrund der obigen Datenkonstellation empfiehlt sich das Halten von Gold - und zwar mittel- bis langsfristig betrachtet - als ein Schutz vor Geldentwertung, für die ein Anschwellen der Geldmenge sorgt.

Zudem legen die Daten nahe, dass für den Goldpreis noch erhebliches Steigerungspotential besteht mit Blick auf die bereits sehr stark ausgeweitete US-Geldmenge, die, so die Verschuldungspläne der US-Administration, alsbald um weitere 1,8 Billionen US-Dollar weiter anschwellen dürfte.


An dieser Stelle ist es aufschlussreich, einen Blick auf Abb. 2 zu werfen. Sie zeigt von 1800 bis 2020 die Entwicklung der US-amerikanischen Konsumgüterpreise. Mit dem Ende des goldgedeckten Geldes spätestens am 15. August 1971 kam es zu einem chronischen Ansteigen der Konsumgüterpreise. Während sie in den etwa 170 Jahren zuvor mehr oder weniger unverändert geblieben waren, änderte sich das mit der Ausgabe von neuen US-Dollar, die nicht mehr durch Gold gedeckt waren. Steigende Güterpreise, Geldwertschwund, Inflation sind die Folgen des ungedeckten Papiergeldsystems. Sie sind keine "Naturerscheinungen", sondern das Ergebnis einer bewusst verfolgten Politik, die Geldmengen fortwährend auszuweiten, nicht selten sehr stark auszuweiten.

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Quelle: Federal Reserve Bank of Minneapolis. Eigene Berechnungen. *1800 = 51.


Vor diesem Hintergrund fällt es nicht mehr schwer, die Quelle der Inflation auszumachen: die staatlichen Zentralbanken. Sie sind die Monopolproduzenten für die Geldschaffung. In enger Zusammenarbeit mit den Geschäftsbanken - die quasi staatlich lizensiert bei der Geldmengenvermehrung mitmachen dürfen - wird die Geldmenge vor allem durch Kreditvergabe vermehrt.

Und wenn man begreift, dass die Geldmengenausweitung für Preisinflation sorgt, dann wird auch verständlich, dass Zentralbanken nicht etwa die Inflation "bekämpfen", sondern dass sie sie vielmehr verursachen. Manchmal fällt die Inflation höher, manchmal niedriger aus, aber stets ist es die Zentralbank, die für die Inflation - die Folge der Geldmengenvermehrung - Verantwortung trägt.


Zukunft der Inflation

Es ist recht wahrscheinlich, dass die gewaltige Geldmengenausweitung der Zentralbanken im Jahr 2020 für eine erhöhte Preisinflation sorgt beziehungsweise noch sorgen wird. Dass es einen "Inflationsbuckel" - also eine Phase erhöhter Preissteigerungsraten - geben wird, ist sehr wahrscheinlich; Jahreszuwachsraten bei den Konsumgüterpreisen von 5 Prozent erscheinen nicht unplausibel. Sie wird die Kaufkraft von US-Dollar, Euro und Co dauerhaft vermindern. Eine drängende Frage ist, ob die westliche Welt einer Phase dauerhaft höherer oder gar sehr hoher Inflation entgegenstrebt: einem Inflationsregime, in dem die Geldentwertung nicht mehr bei 2 bis 5 Prozent pro Jahr liegt, sondern auf 5, 10 Prozent oder mehr ansteigt.


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